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Wirtschaft - Klagenfurt
© Miklautz

#Brennpunkt Benediktinermarkt:

Von “ekeler­regenden Arbeiten” und einem bitter­süßen Valentins­tags-Geschenk

Klagenfurt – Ende der Ära: Vertrauliche Unterlagen der Stadt zeigen, dass Lieferanten bis zu einem Jahr auf ihr Geld warten mussten. Marktleiter war zeitweise deutlich mehr auf „Dienstgang“ als im Büro.

 8 Minuten Lesezeit (977 Wörter) | Änderung am 18.05.2021 - 19.30 Uhr

Von Franz Miklautz. Im Normalfall wartet man als Lieferant 14 Tage, dass der Kunde seine Rechnung bezahlt. Schlechte Zahler brauchen nochmal 14 Tage. Vielleicht ein Monat. Und eine Mahnung. Oder zwei. Maximal drei. Dann setzt einen der Lieferant aber schon auf die „Watchlist“. Auf der befand sich vermutlich auch die Stadt Klagenfurt während der Dienstzeit eines ehemaligen Marktleiters. Der hat etliche Lieferanten offenbar zur Weißglut gebracht, weil er Rechnungen für erbrachte Leistungen nicht angewiesen hatte, wie aus einer internen Untersuchung des Magistrats Klagenfurt hervorgeht, die 5 Minuten vorliegt.

Hitparade der verschlafenen Rechnungen

Die Unterlagen zeigen, dass ein Transportunternehmen über 200 Tage auf die Bezahlung einer Rechnung warten musste. Mehrere offenen Forderungen der Transportfirma sollen „6x schriftlich und 9x telefonisch gemahnt“ worden sein. Insgesamt seien dafür „15x Mahnspesen“ angefallen, ist dem Protokoll zu entnehmen. Ein Großhändler wartete, laut Angaben der Stadt, sogar über 350 Tage auf sein Geld, eine Gastrofirma fast genau 350 Tage, ein Hausbesorger über 220 Tage. Selbst eine hausinterne Abteilung des Magistrats, die Entsorgung, steht in der Hitparade der verschlafenen Rechnungen ganz oben (siehe Abbildung). Sie wartete fast 300 Tage auf ihr Geld. Eine Kärntner Brauerei wollte überhaupt nur mehr gegen Bares liefern.

Eigenmächtig zu wenig kassiert?

Als Grund für das lange Liegenlassen der Rechnungen führt der Ex-Marktleiter auf Anfrage an, zu wenig Personal gehabt zu haben: „Ich habe dringend um eine Buchhalterin gebeten.“ Ihm wird in den Papieren aber auch vorgeworfen, Indexanpassungen bei den Standmieten nicht durchgeführt zu haben. Dazu sagt er: „Ich weiß nicht, ob das mein Vorgänger gemacht hat.“ Außerdem soll er von ihm eingehobenes Geld erst nach „Erinnerung“ in der Stadtkassa einbezahlt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ein anderes Mal wird ihm vorgehalten, für den Weihnachtsmarkt 2018 von einer Bäckerei nicht wie vorgesehen 7.500 Euro für Standgebühren und Hüttenmiete einkassiert zu haben, sondern nur 5.000. Das belegt auch ein Schreiben der Bäckerei, in dem steht, dass eben nur dieser Betrag, die 5.000 Euro, mit dem Ex-Marktleiter vereinbart gewesen wären. Dazu befragt, sagt der Mann, dass das Entgelt „von der Quadratmeter-Anzahl abhängt“ und die Stände nicht jedes Jahr gleich groß seien.

Aufräumarbeiten

Für den Ostermarkt 2018 konnten von der Stadt von besagter Bäckerei zuerst überhaupt keine Einzahlungen („Standentgelt und Hüttenmiete“) gefunden werden. Im November 2019 wendet sich die Stadt nicht ganz ohne Pein an die Bäckerei: „Könnten Sie uns bitte die Bestätigungen Ihrer Einzahlungen zukommen lassen.“ Mehrere Mitarbeiter des Marktamts sind zu dieser Zeit mit Aufräumarbeiten beschäftigt und versuchen, die Geschäftsvorgänge während der Ära des Ex-Marktleiters zu rekonstruieren.

„Außer Haus“

Was noch dazu kommt: Offenbar ist der Marktleiter für seine Kollegen selten greifbar, weswegen die Leiterin der Abteilung Protokoll, Eva Janica, im August 2018 in einer E-Mail zum Ausdruck bringt, dass „alle noch offenen Rechnungen (…) zu erledigen“ sind. Das Mail geht in Kopie an die damalige Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ), den ehemaligen Stadtrat Markus Geiger (ÖVP) und Magistratsdirektor Peter Jost. Im Hintergrund dürften die Lieferanten wegen der langen Bezahldauer Wirbel geschlagen haben. Die seltene Erreichbarkeit ist auch durch vorliegende Zeitnachweise belegbar. Aus denen geht hervor, dass der Anteil der sogenannten „Dienstgangsstunden“ zeitweise signifikant höher war als die Anzahl der Anwesenheitsstunden.

Zum eigenen Verwarngespräch nicht erschienen

Bereits zuvor hätte es offenbar zu einem ernsten Dienstgespräch des Marktleiters mit der Abteilung „Protokoll“ kommen sollen, aber: „Der Termin für das Verwarngespräch wurde seitens Herrn (…) nicht wahrgenommen“, steht in einem Protokoll der Stadt. Auf die Frage, ob er seinem eigenen Verwarngespräch tatsächlich ferngeblieben sei, sagt der Ex-Marktleiter: „Das weiß ich nicht mehr.“

„Ekelerregende Arbeiten“

Allerdings dürfte das Arbeitsumfeld zu Anspannungen und Überlastung beim Marktleiter geführt haben. So schreibt er in einer internen Stellungnahme: „Die Märkte beginnen am Montag am Benediktinermarkt und enden am Sonntag mit der Kontrolle bei den Flohmärkten Obi und Metro. Wir brauchen dringendst jemanden für die freie Planstelle von Herrn (…), der sich auch am PC auskennt.“ Oder: „Außerdem, wie am Anfang 2016 auch angedacht wurde, eine Person die mich unterstützt oder Personen, die wie bei meinem Vorgänger, zuarbeiten. Uns fehlen derzeit zwei Personen im Marktwesen.“ Und auf Nachfrage gegenüber 5 Minuten: „Einmal ist uns wegen des Tiefgaragenbaus beim Vitaneum ein Rohr zubetoniert worden. Das verlangt nun mal meine Anwesenheit. Und dann fragen die: ,Warum Dienstgang?’“ Tatsächlich hat das Marktamt eine Vielzahl von Aufgaben zu erfüllen, wie aus einer Aufzählung hervorgeht. Darunter nicht nur klassische Koordinationstätigkeiten für die Märkte, sondern auch das Vermitteln zwischen streitbaren Fieranten, das Aufsperren von WC-Anlagen oder aber auch „ekelerregende Arbeiten (Entsorgung von Müll in der Müllpresse)“.

Geiger greift durch

Aber es hilft alles nichts. Im Frühjahr 2019 greift Geiger durch. Er schreibt an Mathiaschitz, sie möge den Marktleiter von seinen Aufgaben entbinden. Die Gründe: „Mangelnde Erreichbarkeit und nicht Beantwortung von E-Mails; Nicht nachvollziehbare Dienstzeiten (ganztägige Dienstgänge ohne ersichtlichen Grund); Nicht Bearbeiten von Rechnungen; Nichterscheinen bei Terminen“, um nur einige zu nennen.

Bittersüßes Abschiedsgeschenk

Mathiaschitz reagiert dann offenbar rasch: Der Marktleiter erhält schon am nächsten Tag Post von Magistratsdirektor Peter Jost. Der macht kurzen Prozess: „Sie werden mit Wirksamkeit vom 14. Februar der Abteilung Stadtgarten/Zentrale zur Dienstleistung zugewiesen.“ Damit ist die Ära zu Ende. Ausgerechnet am Valentinstag. Ein bitteres Geschenk – das jedoch einige Monate später versüßt werden sollte: Der Marktleiter erhält neun Gehälter Abfertigung für seinen endgültigen Abgang. Einvernehmlich. Die Gehälter stehen ihm aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit für die Stadt zu.

Der Autor

Der Klagenfurter Franz Miklautz ist als Investigativjournalist tätig. Unter anderem betreibt er die Plattform mediapartizan.at, auf der er regelmäßig Missstände aufdeckt. Er war nominiert für den Literaturpreis Wartholz VII und ist Gewinner des “Erostepost”-Literaturpreises 2014.

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