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Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ holen wir bemerkenswerte Kärntnerinnen und Kärntner vor den Vorhang. Diese Woche: Austria Klagenfurt-Trainer Peter Pacult.
Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ holen wir bemerkenswerte Kärntnerinnen und Kärntner vor den Vorhang. Diese Woche: Austria Klagenfurt-Trainer Peter Pacult. © Montage: SK Austria Klagenfurt/Pixabay

DAS ist Kärnten:

Austria-Trainer Peter Pacult: „Ich lasse mich sicher nicht verbiegen“

Kärnten – Peter Pacult (61) ist seit Dezember 2020 Trainer der Klagenfurter Austria, war bereits als Spieler eine Legende und konnte als Trainer unter anderem 2008 mit Rapid Wien den Meistertitel holen. In „DAS ist Kärnten“ sprach er mit uns vor den entscheidenden Stunden im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg der Austria Klagenfurt über die Familie, seine Mentalität und das Verhältnis zu Journalisten, aber auch über das Meisterschaftsfinish…

 12 Minuten Lesezeit (1456 Wörter)

Von Lukas Moser. Pacult ist 24-facher Nationalteamspieler, wurde mit Rapid Wien Cupsieger, mit FC Tirol zwei Mal Meister, holte auch mit ihnen den Cupsieg, stieg mit 1860 München in die deutsche Bundesliga auf. Darüber hinaus stürmte er auch erfolgreich für den Wiener Sportklub, die Wiener Austria und Stahl Linz. Mit Ausnahme der letztgenannten Station fühlte er sich überall wohl. Auch als Jugendlicher sei er nie Fan eines bestimmten Vereins gewesen, sah sich sowohl Spiele Rapids, als auch der Wiener Austria gerne an: „Für mich war immer das Sportliche im Vordergrund.“ Bereits 1983 hätte er zu Austria Wien wechseln sollen, damals entschied sich der Verein letztlich aber doch für Herbert Prohaska, der gerade von AS Roma zurückkam. Ein Jahr später holte Pacult dann mit Rapid der große Rivale. Sportliche Feindschaften interessierten ihn aber wenig, er hatte bei allen Vereinen dieselbe Einstellung: „Ich wollte einfach erfolgreich Fußball spielen.“

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Peter Pacult im Gespräch

Peter Pacult im Gespräch - © Lukas Moser

Meistertitel mit Rapid (2008) als größter Karriere-Erfolg

Nach seiner Spielerkarriere betätigte sich Pacult bei 1860 München im Betreuerbereich, seine Profitrainerkarriere begann für ihn überraschend: Nach fünf Jahren als Amateur- und Co-Trainer bei den „Löwen“ fragte ihn der damalige Präsident, ob er sich nicht den Cheftrainer-Posten zutraue. Es folgten Engagements unter anderem bei Dynamo Dresden, Red Bull Leipzig und Rapid Wien, wo er fünf Jahre lang blieb und 2008 den bisher letzten Meistertitel der Vereinsgeschichte für den Rekordmeister holen konnte – für ihn der größte Erfolg seiner Karriere: „Mit Sicherheit, und dann folgt in der Wertigkeit schon der Bundesliga-Aufstieg 1994 mit 1860 München (als Spieler).“

„Deutsche haben es in Österreich schwer, die Piefke-Sager gab´s nicht umsonst“

Die damalige Situation bei 1860 vergleicht er durchaus auch mit der aktuellen bei der Austria: „Auch bei den Münchnern versuchte man einen kontinuierlichen Aufbau, der Plan in Klagenfurt ist ähnlich.“ Dass am Wörthersee mit Sportdirektor Imhof und Nachwuchsleiter Schellenberg auch zwei ehemalige 1860er, darüber hinaus noch weitere Deutsche führend tätig sind, begrüßt er, aufgrund deren ausgeklügelten Plan, sehr. Er weiß aber auch, wie schwierig es Deutsche in Österreich generell haben: „Obwohl wir Österreicher die deutschen Urlauber lieben, sind wir meist froh, wenn sie wieder abhauen. Die Piefke-Sager hat das ja genial auf den Punkt gebracht“, lacht Pacult.

„Die Verantwortlichen beim FC Kärnten waren wahnsinnig“

Von München kam Pacult als Trainer direkt an den Wörthersee, betreute den FC Kärnten 2004 und 2005 in einer schwierigen Zeit: Mit Pech stieg das damalige Flaggschiff des Kärntner Fußballsports aus der Bundesliga ab, Pacult hielt trotzdem immer zum Team – trotz vieler Widrigkeiten vonseiten der Vereinsführung: „Mit Ausnahme des damaligen Präsidenten Haider mischte sich jeder ein und wenn solche Typen auf einen wie mich treffen, der zu seiner Meinung steht, wird´s schwierig.“ Unter anderem wurde kolportiert, er und sein Betreuerstab hätten 700.000 Euro gekostet. Pacult dazu: „Das ist Wahnsinn, nicht mehr normal. So viel haben ich und mein Stab nicht einmal in der deutschen Bundesliga bei 1860 gekostet.“

Pacult zur Teamärztin: „Dann operierst ihn halt in der Pause“

Eine Zeitung schrieb vor kurzem darüber, dass Kapitän Rusek aus disziplinären Gründen nicht spiele. In Wahrheit wollte Pacult jedoch aus sportlichen Gründen eine andere Variante versuchen. Genau solche Berichterstattungen bringen ihn zur Weißglut: „Da kennen sich die Reporter einfach nicht mit der Materie aus und besitzen die Frechheit, sich irgendwas zusammen zu dichten. Ich sitze ja nicht daheim und drehe Däumchen. Ich mache mir schon Gedanken, wie wir am besten aufgestellt in die Spiele gehen.“

Pacult ist bei Journalisten teils gefürchtet, hat in Wahrheit jedoch einen unglaublichen Schmäh. Während des Gesprächs mit 5-MInuten kam Austria-Youngster Markelic (19) mit eingegipster Hand herein. Pacult rief sofort die Teamärztin an: Der Spieler brauche seinen Mittelfinger ja nicht zum Fußballspielen, sondern „eh nur zum Zeigen, wenn ihn einer ärgert“. Auf Einwände der Medizinern meinte er augenzwinkernd: „Dann operierst ihn halt in der Pause“ und darauf folgend: „Dann wird er eben Linkshänder“.

Meisterschaftsende der letzten Saison „hatte einen fahlen Beigeschmack“

Der Stammverein des gebürtigen Floridsdorfers ist der FAC, bei dem er bis zu seinem Wechsel zu Austria Klagenfurt Ende vergangenen Jahres auch Aufsichtsratsmitglied war – so auch zum Zeitpunkt der 0:9-Niederlage der Wiener gegen SV Ried, die den Klagenfurtern in der letzten Runde, nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses, den Bundesliga-Aufstieg kostete. Seine Gedanken damals: „Als ich das Endergebnis hörte, habe ich gleich den Kontakt zu Matthias (Anm.: Matthias Imhof ist Sportdirektor von Austria Klagenfurt und spielte an der Seite Pacults bei 1860 München) gesucht und mich im Namen des Vereins entschuldigt und auch intern habe ich meinen Unmut kundgetan. Das hatte einen fahlen Beigeschmack.“

„Meine große Klappe hat mir geholfen“

Der Floridsdorfer lernte das Fußballspielen „auf der Straße und in dem Überschwemmungsgebiet, wo heute die Donauinsel ist.“ Schon früh musste er sich dabei durchsetzen: „Da hast gut genug sein müssen, sonst hast einfach nicht mitspielen dürfen. Ich war zwar klein, aber meine große Klappe hat mir geholfen.“ Es hätte damals aber auch nur den Fußball gegeben, um sich zu beschäftigen, denn „wenn einer ein Radl gehabt hat, dann war er schon Weltmeister.“

Vaterwerden mit 16 „eine extreme Erfahrung“

Im jungen Alter von 16 wurde Pacult Vater: „Das war eine extreme Erfahrung, es gab große Aufregung, aber wir haben das gut geschafft.“ Bis heute lebt er mit seiner Frau Manuela glücklich verheiratet, wenngleich sie und sein Sohn sich nur selten in Stadien blicken lassen. Letzterer habe sich nie damit anfreunden können, dass sein Vater auf Sportplätzen beschimpft wird, Manuela besuchte Spiele meist nur inkognito: „Da hat sie sich nie als Spielerfrau präsentieren wollen. In Hütteldorf hättest vom Outfit her eher denken können, dass sie zu den Fangruppen gehört.“, scherzt Pacult. Generell wollte sie sich nur wenig an das typische Leben einer Spielerfrau anpassen, blieb berufstätig und auch die Bekanntheit ihres Gatten war ihr nicht selten unangenehm, wenngleich sie ihm sehr viel Verständnis entgegenbringt: Er selbst wohnt nun in Kärnten, war im halben Jahr seines aktuellen Engagements nur zwei Mal „zuhause“ in Leobendorf (Korneuburg).

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Pacult mit Frau Manuela und dem gemeinsamen Sohn

Pacult mit Frau Manuela und dem gemeinsamen Sohn - © Privat

Als Nationalteamspieler die Post ausgetragen

Überraschende Einblicke gibt er hinsichtlich seines Berufs, ist er doch gar nicht, wie oft von Medien behauptet, gelernter Postler: „Eine totale Falschmeldung.“ In Wahrheit lernte er den Beruf des Bürokaufmanns und erst nach dem Bundesheer ging er zur Post: „Ich hab´ noch als Bundesliga- und Nationalteamspieler Post ausgetragen, das hat sich den Leuten anscheinend eingebrannt.“ Erst Rapid-Trainer Baric brachte ihn dazu, den Job sein zu lassen und sich auf den Fußball zu konzentrieren.

Seinen Lehrerinnen aus der Berufsschule ist er bis heute dankbar, dass sie so viele Augen zugedrückt und ihn „durchgebracht“ hätten. In seinem Lehrberuf meldete er sich im Sommer nicht selten krank und kam braungebrannt vom Gänsehäufel zurück. Schon in der Kindheit und Jugend sei er also „kein Einfacher“ gewesen, als Spieler schon gar nicht: „Bei Rapid haben sie gewettet wie lange es dauern wird, bis ich mit Heribert Weber zusammenkrache.“

„Ich rede nicht über ungelegte Eier“

Angesprochen auf die aktuelle Situation seiner Austria Klagenfurt gibt sich der Trainer fokussiert, ist um Konzentration bemüht: „Ich rede nicht über ungelegte Eier. Wir müssen voll punkten und dann werden wir sehen, ob es reicht.“ Erst dann will er über die Zukunft, Verstärkungen oder Vertragsverlängerungen sprechen. Dass das Finish für Konkurrent Innsbruck jedoch ebenso kein Honigschlecken wird, sieht auch er: „Tennis-Star Boris Becker hat auch immer gesagt, dass das Ausservieren am Ende das Schwierigste ist.“

An den letzten beiden Spieltagen finden alle Partien der Liga zeitgleich statt. Der Trainer wird den Spielstand bei Konkurrent Innsbruck dabei jedoch erst nach Spielende erfahren: „Ich will das nicht wissen, weil ich es eh nicht beeinflussen kann.“ Das wohl entscheidende Spiel für die Austria am letzten Spieltag gegen die Rapid Wien Amateure steigt in Hütteldorf. Für die Rapid-Legende Pacult etwas Besonderes, ist es doch das erste Mal seit einem Jahrzehnt, dass er in offizieller Funktion an die legendäre Wirkungsstätte zurückkehrt. Ausgerechnet dort das Fixieren des Relegationsplatzes für den Bundesliga-Aufstieg mit den Klagenfurtern zu feiern, wäre doch eine schöne Story…

Fortsetzung folgt:

Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ holen wir bemerkenswerte Kärntnerinnen und Kärntner vor den Vorhang. Du kennst auch einen besonderen Menschen aus unserem Bundesland? Dann sende uns deinen Vorschlag an [email protected]

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