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Sport - Kärnten
© Privat / KK

DAS ist Kärnten

Segel-Ass Lara Vadlau: „2024 hole ich die deppate Medaille!“

Maria Rain – Die gebürtige Steirerin Lara Vadlau (27) verbrachte eigentlich ihr ganzes Leben in Kärnten, wohnt in Maria Rain. Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ sprach sie über Entbehrungen ihrer Jugend, ihr aktuelles Impf-Engagement, aber auch über die bitterste Erfahrung ihres Lebens…

 11 Minuten Lesezeit (1378 Wörter) | Änderung am 30.05.2021 - 18.54 Uhr

Von Lukas Moser. Der Segelsport wurde Vadlau in die Wiege gelegt: Ihre Eltern waren beide Segler, ihr Vater sogar selbst zweifacher Europameister. In ihrem Yacht-Klub in Krumpendorf gab es einen Optimisten (=Segelbootklasse), den sie einmal ausprobieren durfte. Der Wind, der plötzlich und ungewöhnlich stark aufkam, besiegelte ihr Schicksal: „Das war sprichwörtlich ein Kampf ums Überleben, aber gerade das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.“ Schon mit 7 Jahren begann sie mit dem Segeln, mit nur 9 Jahren folgte ihr erster Wettkampf. Nebenbei spielte sie aber auch Fußball im Verein und fuhr Schirennen. Mit 13 musste sie sich jedoch entschieden, das Segeln blieb.

Der „Vadlau-Weg“ – „Meine Eltern kauften sogar extra ein Wohnmobil“

Ihre großen Unterstützer waren immer ihre Eltern. Sie kauften sich sogar ein Wohnmobil, um die Tochter auf ihrem Weg begleiten und jeweils vor Ort fördern zu können. Diese weiß das noch immer zu schätzen: „Sie haben wirklich alle Steine, die es auf meinem Weg gab, mit einem Bagger versucht wegzuräumen.“ Ob sie von ihren Eltern nicht Druck verspürte, ja vielleicht sogar zum (Spitzen-)Sport gedrängt wurde? Vadlau lacht: „Ich musste in der Schule immer sehr gut sein, sonst hätten sie mir das Wegfahren für den Sport verboten und sie haben mir auch immer die Wahl gelassen, ob ich lieber fortgehen oder trainieren wollte.“ Der Biss kam von ihr selbst. Ein Attribut, das Spitzensportlerinnen auszeichnet: „Um ganz oben ankommen zu wollen, muss man ein bisschen verrückt und anders sein.“

Ob man als so junges Mädchen mit diesen frühen Erfolgen überhaupt richtig umgehen kann? Für sie waren insbesondere die vielen Neider problematisch – ein Umstand, der sie noch enger mit ihren Eltern verband: „Ich hatte oft das Gefühl, dass wir drei gegen den Rest der Welt antreten mussten“ – viele sprachen vom „Vadlau-Weg“. Hartes Training und Arbeit pflasterten ihren Weg, „denn damit kann man den Landeplatz für das eigene Glücksvogerl größer machen.“ Dieses Leben als Jugendliche im Spitzensport verhinderte aber ein „normales“ Leben, doch sie dachte nie daran, dass sie etwas verpasst. Erst 2016, als es sportlich ruhiger um sie wurde, konnte sie andere Seiten des Lebens kennenlernen, fortgehen, öfter Freunde treffen und in den Urlaub fahren. Vadlau sieht es nüchtern: „Damals habe ich das gar nicht gekannt, daher ging es mir auch nicht ab.“

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Lara Vadlau mit ihren Eltern: Ein ganz besonderes Verhältnis

Lara Vadlau mit ihren Eltern: Ein ganz besonderes Verhältnis - © Privat / KK

Vadlaus besondere Freundschaften

Ein Schicksal, das sie mit vielen in ihrer Branche teilt. Vielleicht ein Mitgrund dafür, dass es kaum eine Kärntner Spitzensportlerin gibt, mit der sie nicht gut befreundet ist: Eisschnelllauf-Ass Vanessa Herzog oder Kanutin Nadine Weratschnig, aber auch außerhalb des Bundeslands die verunfallte Stabhochspringerin Kira Grünberg oder Österreichs aktuelle Sportlerin des Jahres, Ivona Dadic, zählt sie zu ihren Freundinnen. Eine besonders coole Bekanntschaft machte sie auf Fuerteventura, als sie Lea Schüller vom FC Bayern München kennenlernte, die sich nach dem WM-Aus eine Auszeit nahm – seitdem verbindet sie eine Freundschaft, die sie auch regelmäßig mit gemeinsamen sportlichen Aktivitäten pflegen.

Mit 18 Jahren zu den Olympischen Spielen

Ihren ersten ganz großen Erfolg feierte sie vor mehr als einem Jahrzehnt mit der Goldmedaille bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen in Singapur und mit Gold bei der Jugend-Segel-WM. Als sie gefragt wurde, ob sie nicht Österreich für die Olympische Spiele 2012 qualifizieren möchte, traute sie ihren Ohren nicht – doch es gelang „und dann ist es dahingegangen“: Sie vertrat die österreichischen Farben in London gebührend, konnte mit 18 Jahren den 20. Platz erreichen und war damals die jüngste Seglerin bei den Olympischen Spielen.

Vadlaus Sekunden-Deutschkurs für die in Polen gebürtige Partnerin

Bis 2012 segelte Vadlau mit Partnerin Eva-Maria Schimak, danach bildete sie mit der gebürtigen Polin Jolanta Ogar ein Erfolgsgespann. Vadlau wollte sie unbedingt mit im Boot, denn eine passendere Partnerin gab es in Österreich nicht. Der Verband gewährte ihr ein Probejahr, ihre Eltern mussten all dies aus ihrer eigenen Tasche bezahlen. Der Plan ging auf: In diesem Jahr holten sie bei WM und EM den Vizemeistertitel, der Verband sprang auf. Ogar bekam die österreichische Staatsbürgerschaft, womit das Team erst für die Olympischen Spiele startberechtigt war. 2014 konnten sie in Spanien sogar als erstes österreichisches Frauenteam WM-Gold holen – der für Vadlau persönlich größte Erfolg ihrer Karriere: Erstens war es die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio, andererseits hatte ich Wochen zuvor erst einen Kreuzbandriss erlitten.

Wie der Erfolg Vadlaus mit ihrer Partnerin einzuschätzen ist, zeigt insbesondere auch die Wahl zu Österreichs Team des Jahres 2015. Zum Vergleich: 2013 wurden es die Schweiger-Sisters nach ihrem unglaublichen Beachvolleyball-EM-Triumph in Klagenfurt, 2015 das österreichische Fußball Nationalteam. Vadlau selbst rechnete keineswegs mit der Ehrung, musste ihrer Partnerin, die zu diesem Zeitpunkt noch kaum Deutsch sprach, binnen Sekunden die Worte „Ich bin sprachlos“ beibringen, die sie dann auf der Bühne in die TV-Kameras sagte.

„Rio 2016 war die härteste Zeit meines Lebens“

2015 konnten die beiden erneut WM-Gold erringen, 2016 noch EM-Gold. Im August reisten sie dementsprechend als große Favoriten zu den Olympischen Sommerspielen nach Rio – Gold 2016 war bereits seit Beginn ihrer Karriere das große Ziel: „Alles zuvor waren für mich nur Zwischenziele auf diesem Weg“. Es folgte jedoch die große Enttäuschung: Vorbei der Medaillentraum, am Ende nur Rang 9. Bis zum letzten Tag war das Team vorne dabei, dann aber kamen einige unglückliche Umstände zusammen: „Wir hatten es nicht mehr selbst in der Hand und das war für mich das Schlimmste.“ Doch auch darin sieht sie im Nachhinein etwas Positives: „Dadurch habe ich gesehen, dass Sport nicht alles ist und Familie und Gesundheit wichtiger sind.“

Die Trennung von Ogar als vermeintliches Karriereende

Nach dem Misserfolg bekam sie Hassbriefe: „Manche meinten, ich hätte ihr Steuergeld verschwendet.“ Aber auch die Medien schonten sie nicht, denn sie bezeichneten sie als schlechte Verliererin, als andere heimische Segler die einzige Medaille für Österreich bei diesen Spielen holten, Vadlau jedoch nicht an der Feier zu deren Ehren teilnahm – dass sie in Wahrheit im Krankenhaus lag, da sie sich am letzten Wettkampftag den Finger gebrochen hatte, erwähnte niemand. Nach Rio holte sie mit Ogar noch gemeinsam den Sieg im Gesamtweltcup, am 1. Mai 2017 folgte schließlich die sportliche Trennung – ihre Partnerin wollte in ihrem Alter dieses Leben des durchgehenden Reisens einfach nicht mehr.

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Vadlau mit Ex-Segelpartnerin Jolanta Ogar

Vadlau mit Ex-Segelpartnerin Jolanta Ogar - © Ronen Topelberg / Aquazoom

Impfen für die Allgemeinheit als „Mutter-Tochter-Ding“

Den sportlichen Weg zeigte Vadlau insbesondere ihr Vater. Ihre Mutter ist Ärztin und gab ihr, nach der großen Enttäuschung in Rio, Einblick in ihr Berufsfeld als Ärztin: Sie begann ihr Medizinstudium, mittlerweile kann sie sich schon Bachelor of Medicine nennen. Mit ihrer Mutter gemeinsam impfte sie seit der Anfangszeit der Impf-Kampagne – gefühlt wäre sie bereits in jedem Altenheim Kärntens dahingehend aktiv gewesen: „Das war ein Mutter-Tochter-Ding, mit dem wir der Allgemeinheit helfen wollten.“

Vadlau verkündet: „Ich trainiere auf Olympia 2024“

Vermehrt trifft man Vadlau jedoch wieder hart trainierend im Olympiazentrum, Trainingsvideos von ihr gehen um die Welt, der Körper wirkt stählern. Sensationell die Erklärung: „Ich trainiere bereits Vollgas für die Olympischen Spiele 2024.“ 2017 kam ihr die Idee, gemeinsam mit Eisschnelllauf-Weltmeisterin (!) Vanessa Herzog im Segelsport neu durchzustarten. Was kurios klingt, wurde aber mit großer Ernsthaftigkeit verfolgt: Gemeinsam segelten sie für mehrere Wochen in Portoroz, testeten, ob eine Zusammenarbeit möglich wäre. Nun wurde Vadlaus Bootsklasse jedoch ein Mixed-Bewerb, damit musste dieses Projekt ad acta gelegt werden. Doch ein männlicher Partner ist bereits gefunden, man sei bereits am Verhandeln.

Man wird also bald wieder von Vadlau hören, wenn ihr Segelpartner bekannt gegeben wird. Vielleicht schon früher kann man sie aber auf PULS 4 sehen: Der Sender meldete sich bei ihr und wollte sie als Kandidatin bei Ninja Warrior sehen. Beim Training brach sie sich zwar einen Finger, doch ganz aufgegeben hat sie den Plan noch nicht, knapp zehn Tage hätte sie ja noch Zeit. Ihre weiteren Ziele? Ihr absoluter Traumjob wäre es, einen Ausbildungsplatz auf der plastischen Chirurgie in Klagenfurt zu bekommen, und „das Holen dieser deppaten olympischen Medaille 2024.“ Mit diesem Biss und Ehrgeiz kann man dem wohl optimistisch entgegenblicken…

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