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STARTSEITE > Kärnten > Politik Veröffentlicht am 10.09.2021, 12:22

Markus Malle (ÖVP) über Politik, die Pandemie und Kärnten:

"Gerade Familien haben viel zu bewältigen!"

Klagenfurt - Hat die Regierung in der Corona-Pandemie einen guten Job gemacht? Warum sind dem Clubobmann der Kärntner ÖVP schwarze Zahlen lieber sind als rote? Im Interview mit 5 Minuten spricht der Familienvater von drei Söhnen über die immer noch anhaltende Ungewissheit vieler Eltern, ob und für wie lange sie einen Kinderbetreuungsplatz bekommen sowie Kärntens Umgang bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Für ihn steht eines fest: "Es liegt an uns allen, die Pandemie zu meistern."
von Redaktion7 Minuten Lesezeit (866 Wörter)
Im Interview mit 5-Minuten bezeichnet Markus Malle Kärnten als den bisherigen "Staatsmeister in der Bewältigung der Krise".

5min.at: Die ÖVP lag bei der Landtagswahl 2018 mit 15 Prozent auf Platz 3 hinter der FPÖ. 2023 soll wieder gewählt werden. Wer wird ihre Partei in die Wahl führen?

Markus Malle: Unser Landesparteiobmann Martin Gruber, natürlich.

Wie schätzen Sie die Chancen von Gerhard Köfers Team Kärnten ein. Wird er Ihrer Partei Stimmen kosten?

Malle: Mir geht es darum, dass die wichtige Rolle der ÖVP für unser Bundesland noch besser erkannt wird, und wir mehr Verantwortung für die Zukunft Kärntens von den Wählerinnen und Wählern übertragen bekommen. Wir haben die richtigen Antworten auf die Herausforderungen von Kärnten. Daran arbeite ich, und darauf konzentriere ich mich – nicht auf Mitbewerber.

Befürworten Sie die Zusammenarbeit in Klagenfurt zwischen ÖVP, Team Scheider und der SPÖ aber trotzdem?

Malle: Jede Zusammenarbeit für eine positive Weiterentwicklung unserer Landeshauptstadt ist zu befürworten. Ob alle Partner darin ihre Aufgabe sehen, wird die Zeit weisen. Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass manche noch im Wahlkampfmodus sind und ihnen kurzfristige Aufmerksamkeit und momentaner Applaus wichtiger sind.

Für Markus Malle (links) ist klar: Martin Gruber (rechts) wird die ÖVP-Kärnten in die nächste Landtagswahl führen.

Die ÖVP startete heuer die Aktion „Politik hört zu“. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus …?

Malle: Den Menschen zuzuhören, wo ihnen der Schuh drückt, ist Aufgabe von Politikern. Auf Basis dessen muss die Politik Lösungen für die Sorgen und Herausforderungen der Menschen finden und umsetzen. Unsere Gespräche bringen immer wertvolle Erkenntnisse – ob es um Pflege, städtisches Leben oder auch die Familien geht. Gerade Familien haben viel zu bewältigen – von der Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Beruf bis zur Betreuung ihrer Kinder.

Malle: "Entscheidend ist für mich, dass wir für die Eltern echte Wahlfreiheit in der Betreuung ihrer Kleinsten herstellen."

Aber sind wir mit dem Thema Kinderbetreuung und dem jetzigen Kinderstipendium nicht ohnehin bereits gut aufgestellt?

Malle: Wir haben bereits einige Schritte gesetzt: Das Land übernimmt derzeit zwei Drittel und in einem Jahr 100 Prozent der durchschnittlichen Elternbeiträge für Kindergärten. Ich stehe uneingeschränkt zu dieser Maßnahme, die wir als Koalition gesetzt haben. Wir haben damit aber unsere Aufgabe als Politiker noch nicht erfüllt. Entscheidend ist für mich, dass wir für die Eltern echte Wahlfreiheit in der Betreuung ihrer Kleinsten herstellen. Sie sollen frei entscheiden, ob sie ihre Kinder in einer Einrichtung oder zu Hause betreuen wollen. Dafür müssen wir mehr Betreuungsplätze in kleineren Gruppen und mit flexibleren Öffnungszeiten anbieten, vor allem in urbanen Gebieten. Die Ungewissheit vieler Eltern, ob und für wie lange sie einen Kinderbetreuungsplatz bekommen, ist nicht akzeptabel. Wir brauchen auch eine Offensive für Tageseltern – das Angebot muss flächendeckend ausgebaut werden. Die Pandemie hat uns einerseits gezeigt, wie wichtig gute Kinderbetreuung für unsere Gesellschaft ist. Andererseits hat die Pandemie aber auch Familien besonders stark belastet – von Home Schooling bis hin zu eingeschränkten Kontakten von Kindern mit Gleichaltrigen.

Bundeskanzler Kurz zu Besuch in Kärnten: Am Bild mit den Kärntner ÖVP-Spitzenpolitikern.

Sebastian Kurz war kürzlich in Kärnten. Wie schätzen Sie seinen Job ein? Hat er auf Regierungsebene die richtigen Entscheidungen beim Thema Corona-Pandemie getroffen?

Malle: Das gesamte Regierungsteam hat einen tollen Job gemacht und verdient deshalb unseren Respekt. Klar ist, dass niemand in so einer Situation immer alles richtig machen kann. Im internationalen Vergleich steht Österreich aber gut da. Mit seiner Teststrategie und vor allem mit den Hilfen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Mich selbst hat die Krankheit schwer getroffen. Umso mehr halte ich ein Schönreden und Bagatellisieren für unverantwortlich. Ich beglückwünsche jene, die nur Schnupfensymptome nach ihrer Corona-Infektion hatten. Aufgabe einer Solidargemeinschaft aber ist es, sich nach jenen auszurichten, die es schwer trifft oder treffen könnte. Es gibt also noch einiges zu tun.

Malle befürwortet jede Zusammenarbeit für eine positive Weiterentwicklung der Kärntner Landeshauptstadt.

Ja, auf Landesebene gilt es viel zu bewältigen – vor allem beim Budget. 2020 gab es ein 200 Millionen Euro Minus ….

Malle: Es hat sich ja bereits herumgesprochen: Schwarze Zahlen sind mir als Schwarzen deutlich lieber, als rote. Was viele nicht mitbekommen haben ist, dass wir in Kärnten durch unser Tun drei Jahre einen positiven Rechnungsabschluss hatten. Ein Minus ist für mich immer schmerzlich, in dieser Situation ist es vertretbar. Dass wir mit den Impulsinvestitionen die richtige Maßnahme gewählt und das Geld richtig eingesetzt haben, wissen wir bereits jetzt. Denn: Kärnten ist Staatsmeister in der Bewältigung der Krise. Wir haben derzeit weniger Arbeitslose als im Jahr 2019 – also vor der Krise. Und: Kein anderes Bundesland kann eine so gute Entwicklung im Vergleich zu 2019 vorweisen wie Kärnten.

Wann ist die Pandemie überstanden?

Malle: Ich habe keine Glaskugel und ich kenne auch niemanden, der eine hat. Ich befürchte, dass es noch lange dauern wird. Man kann nur hoffen, dass der Fortschritt der Wissenschaft rasch und immer besser hilft, mit der Pandemie umzugehen. Bis dahin ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft das Richtige tun, denn: Es liegt an uns allen, die Pandemie zu meistern. Beim Einhalten der Regelungen, achtsamen Umgang mit anderen und vor allem der Impfung ist jeder entscheidend, der mittut. Jeder kann seinen Beitrag leisten. Und sollte es auch. Diskurs und Kritik sind wesentliche Bestandteile einer Demokratie, derzeit habe ich aber den Eindruck, dass es einigen um Stimmenmaximierung geht, die die Gesellschaft spaltet und so ein längeres Andauern der Pandemie unterstützt. Was Kärnten braucht, ist einen echten Schulterschluss im Sinne der Kärntnerinnen und Kärntner.

Markus Malle

Malle wurde 1971 in Klagenfurt geboren. Nach Abschluss seines Studiums (Betriebswirtschaft an der Alpen-Adria-Universität) war er Angestellter. Später hat er sich mit einer eigenen Firma selbstständig gemacht und war jahrelang Direktor des Kärntner Wirtschaftsbundes. Er ist verheiratet, Vater von drei Söhnen und seit 2018 Clubobmann des ÖVP Clubs im Kärntner Landtag.

Veröffentlicht am 10.09.2021, 12:22
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