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STARTSEITE > Kärnten > Leben Veröffentlicht am 14.09.2021, 09:46

Enorme Personalengpässe

Kärntner Pflegerinnen: "Wir schuften und sind am Limit!"

Kärnten - Barbara Slamanig (46), Elvira Salihovič (40) und Karin Ogris (48) aus Kärnten erzählen von ihrem Job als Pflegeassistentinnen, der sie aktuell an ihre körperlichen Grenzen bringt.
von Redaktion3 Minuten Lesezeit (466 Wörter)
Auf sechs Bewohner*innen kommen derzeit 2,5 Mitarbeiter*innen (Vollzeitäquivalente) in der Gesamtbesetzung.

„Er hat viele schöne Seiten. Wir betreuen und pflegen gerne kranke und alte Menschen. Man bekommt von ihnen und von den Angehörigen viel Dankbarkeit. Das stärkt, wenn man wegen der Arbeitslast völlig verzweifelt ist.“

Situation hat sich verschärft

Die Pandemie hat die Situation noch einmal verschärft, war extrem herausfordernd. „Wir schuften und sind am Limit. Ich spüre es schon körperlich. Und trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich selbst einmal krank bin und nicht für andere einspringen kann“, sagt Slamanig. Zwei Fachkräfte sind für 15 bis 19 Bewohner da, das Einhalten der Pausen gestalte sich damit schwierig. „Viele Bewohner sind dement, sturzgefährdet und haben eine Weglauftendenz. Da musst du mit deinen Augen und Ohren ständig überall sein“, so Ogris.

Dynamitfass drohe hochzugehen 

Die drei Frauen haben sich erst vor ihrem 40. Geburtstag für die Ausbildung in der Pflege entschieden. Ogris war zuvor 20 Jahre im Handel beschäftigt. „Ich war unzufrieden und unglücklich“, erinnert sie sich. Für die Bewohnerinnen und Bewohner ist sie „vom ersten Tag an wahnsinnig gerne da“, wenngleich sie meint, „dass ich nach ein paar Stunden Arbeit so erschöpft bin, dass ich mich frage, wie ich den Tag zu Ende bringe“. Wie ihr geht es den meisten Pflegefachkräften im Land.

Personalschlüssel muss verändert werden

Ogris: „Wir rufen und kämpfen seit zehn Jahren für eine Verbesserung des Personalschlüssels.“ Doch der sei trotz immer komplexer gewordenen Krankheitsbildern, verstärkter Multimorbidität von Menschen und Zunahme von Demenz und psychiatrischen Erkrankungen sowie aufwändiger gewordener Dokumentation gleichgeblieben. Ogris fühlt sich wie ihre Kolleginnen von der Politik im Stich gelassen: „Es gibt keinen Nachwuchs. Die jungen Kollegen bleiben nicht. Sie sehen Stress und Mangel. Und unsere Generation geht nach der Reihe in die Knie. Wir sitzen auf einem Dynamitfass, das hochgehen wird, wenn sich nichts ändert.“

Land Kärnten gefordert

Caritasdirektor Ernst Sandriesser: „Es ist fünf Minuten nach Zwölf!  Die Pflegekräfte, die im normalen Arbeitsalltag schon enorm viel leisten müssen, wurden durch die Pandemie noch einmal voll gefordert.” Er glaubt, dass der akute Personalengpass noch schlimmer werden wird. “Die bisherigen Maßnahmen des Landes Kärnten, wie die Einführung von community nurse etc., sind gut und wichtig, aber reichen bei Weitem nicht aus.“Caritas und Betriebsrat fordern unter dem Motto „Die Pflege darf nicht länger Stiefkind sein“ gemeinsam von der Politik eine Personaloffensive mit einem Bündel an Maßnahmen. So müsse der Einstieg in den Pflegeberuf durch unterschiedlichste Ausbildungswege möglich sein – für junge Menschen, berufsbegleitend und für Quereinsteiger*innen. Derzeit kann die Caritas Kärnten in ihren zehn Pflegewohnhäusern aktuell 16 offene Stellen nicht besetzen. Auch in der mobilen Pflege werden Mitarbeiter*innen gesucht. 

Veröffentlicht am 14.09.2021, 09:46
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