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STARTSEITE > Klagenfurt > Aktuell Veröffentlicht am 09.11.2021, 21:44

Exklusiv-Interview

Uni-Mitarbeiter: "Manche haben nun Angst den Job zu verlieren"

Klagenfurt - 5 Minuten berichtete bereits Samstagabend von den neuen 2G-Regeln auf der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Das Email von Rektor Oliver Vitouch sorgt aktuell österreichweit für Diskussionsstoff. Er verteidigte seinen Standpunkt gestern in der ZIB Nacht. Nun bat uns ein Mitarbeiter der Universität um ein Gespräch.
von Redaktion6 Minuten Lesezeit (759 Wörter)Interview
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Auf der einen Seite, die Menschen, die das Vorgehen der Universität verstehen und unterstützen. Auf der anderen Seite, diejenigen, die es kritisch sehen. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Alpen-Adria Universität Klagenfurt gab 5 Minuten ein Interview. Aus Angst vor Folgen, wurde der Beitrag komplett anonymisiert.

Seit Samstag sorgt die Einführung von 2G an der Uni für Wirbel. Auch unter Mitarbeitern?

Ja, denn das große Problem liegt darin, dass ein großer Druck auf den Mitarbeitern lastet. Bis 10. Jänner muss sich das allgemeine Personal entscheiden, ob sie die Regeln mittragen. Wir Lehrenden haben bis Mittwoch Zeit. Danach darf der Arbeitsplatz nicht mehr persönlich betreten werden. Viele Kollegen und Kolleginnen fragen sich, was passiert danach: Home Office, Kurzarbeit oder gar Job-Verlust?

Die Uni Klagenfurt hat knapp 1.500 Mitarbeiter in Verwaltung, Lehre und mehr. Wie ist die Stimmung?

Unterschiedlich. Manche stehen dem Vorgehen positiv gegenüber, natürlich. Aber ein Teil, und der darf nicht ungehört bleiben, fühlt sich unsicher und nicht verstanden. Ich selbst bin geimpft, kann aber von KollegInnen berichten, die es nicht sind. Das sind keine Impfgegner per se. Sie möchten warten, mehr Informationen bekommen oder einfach nur bisherige Informationen kritisch hinterfragen.

Wie äußern sich die Kollegen und Kolleginnen?

Stellen Sie sich vor, sie arbeiten seit 20 Jahren an der Universität Klagenfurt. Viele waren der Universität gegenüber stets loyal und dürfen sich nun fragen, “ob die Uni das Richtige für sie ist”. Manche haben deswegen beklemmende Zukunftsängste, fühlen sich verraten und fragen sich, wo bleibt die Loyalität und Wertschätzung des Arbeitgebers.

Die Wortwahl im Email sorgt für viel Kritik. Warum ist das so?

Rektor Oliver Vitouch beruft sich in seinen Emails, es gab ja eines an Studierende und eines an uns Mitarbeiter, auf die wissenschaftliche Basis von Impfungen. Im selben Atemzug verlinkt er im Studierenden-Email zu Wikipedia. Wir predigen unseren Erstsemestrigen bereits, dass Wikipedia keine wissenschaftliche Quelle ist. Also vor diesem Hintergrund ist ´Wissenschaft´ ein bisschen schwierig zu sehen. Auch zur erwähnten “Aufklärung” möchte ich es lieber wie Immanuel Kant sehen, der sagte: “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.” Ich denke Kant meinte, dass man für sich selbst einstehen muss. Die Wortwahl der Email basierte auf Angst und nicht auf Zuversicht. Und Angst ist nicht die beste Beraterin in diesen Zeiten.

Im Email wird die Ansicht des Papstes dargelegt, Impfung wäre ein Zeichen der Nächstenliebe… Wie stehen Sie dazu?

Wer sich die Geschichte und das Verhältnis von Vatikan und Wissenschaft ansieht, sollte selbst seine Schlüsse ziehen.

Ab morgen (Mittwoch, 10. November 2021) gilt für Studierende wie Lehrende 2G. Allgemeines Personal kann bis Jänner entscheiden, wie sie mit den Regelungen umgehen werden.
Screenshot der Mitarbeiter-Email. Auch die Mitarbeiter sollen sich Gedanken machen, "ob eine Universität auf Dauer das Richtige für sie ist."

Sie sind Lehrender an der Uni. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie und Ihre Studierenden nun?

Vor wissenschaftlichen. Wie soll ich zugleich online und in Präsenz lehren? Dazu kommt, die Qualität kann online nie in der selben Form aufrecht gehalten werden, wie in der Präsenz. Diskurse und Diskussionen haben eine andere Qualität oder fehlen ganz. Zum anderen kommen junge Menschen an die Universität, für die neben Bildung auch soziale Aspekte eine Rolle spielen. Davon ausgeschlossen zu werden, naja was soll ich dazu sagen… Aus wissenschaftlicher Sicht finde ich auch bedenklich, dass sie keinen Zugang zur Bibliothek haben. Nicht alle Werke, die sie für wissenschaftliches Arbeiten benötigen, sind online verfügbar. Seminararbeiten oder eigenständiges Recherchieren wird somit zur regelrechten Qual.

Welche Bedenken haben Sie noch?

Moralische. Nehmen wir die Überprüfung der persönlichen Informationen bis dato her. Es gibt Kollegen, die im voll besetzten Hörsaal lautstark die Maßnahmen-Kontrolle durchführen. Der Status des Studenten? Für alle ersichtlich. Datenschutzrechtlich bedenklich und meiner Meinung nach auch demütigend.

Rektor Vitouch betont medial, dass er für die Sicherheit aller an der Universität verantwortlich ist. Man müsse bereit sein, dafür “unpopuläre Schritte zu setzen.” Hätten Sie das anders gelöst?

Das ist nachvollziehbar, aber dennoch muss eine solidarische Lösung her: Entweder alle in den Online- oder alle in den Präsenz-Unterricht. Es darf keine Spaltung geben. Wir haben ein Grundrecht auf Bildung. Gerade die universitäre Bildung ist essentiell für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wenn Sie eine Botschaft an den Rektor äußern könnten, wie würde diese lauten?

Ein gesunder und getester Mensch muss Zugang zu einer Universität haben können. Wir brauchen alle einen Rektor, der sich als verbindendes Element wahrnimmt und eine multikulturelle und diverse Einrichtung durch diese herausfordernde Zeit führt. Arbeiten und studieren, ohne dass jemand Angst haben muss vor Folgen.

Veröffentlicht am 09.11.2021, 21:44
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