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Symbolfoto von 5min.at: Pflegerin kümmert sich rührend um eine Seniorin im Rollstuhl.

„Wir sind diejenigen, die beim letzten Atemzug die Hand halten“

Eine Leserin meldete sich bei uns mit einem dringlichen Anliegen: Die 600 Euro, die Studierenden der Gesundheitsberufe monatlich zustehen, sollen ohne Vorwarnung ausgeblieben sein.

von Elisa Auer
Elisa Auer 5 Minuten Redaktion
4 Minuten Lesezeit(771 Wörter)

Eine Studentin des Lehrgangs „Gesundheits- und Krankenpflege“ an der Fachhochschule Kärnten wandte sich empört an die 5-Minuten-Redaktion. „Seit vorigem Jahr erhalten jene Leute, welche im Gesundheitsbereich eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren, eine monatliche Pflegeausbildungsprämie in der Höhe von 600 Euro seitens des Landes Kärnten – diese Prämie wurde ins Leben gerufen, um den massiven Pflegepersonalmangel entgegenzusteuern und den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflege attraktiver zu gestalten, um somit zukünftig mehr Pflegepersonal für Kärnten zu gewinnen – so war zumindest die Aussage seitens des Landes“, berichtet sie. Viele ihrer Studienkollegen sind auf diese Förderung angewiesen. Dass diese Zahlung monatlich erfolgt, ist für viele ihrer Kommilitonen eine enorme Entlastung.

Zahlungen eingestellt?

„Das Land Kärnten beschloss, ohne die Studierenden zu informieren, den Auszahlungszyklus zu ändern, es kam zu einem Stillstand des Auszahlungsbetrages seit August“ so berichtet unsere Leserin von einem plötzlichen Auszahlungsstopp. Als sie daraufhin beim zuständigen Amt anrief, wurde auf Anliegen mit der Frage: „Studiert ihr nur wegen den 600 Euro?“ geantwortet worden sein. Diese Aussage brachte die Studentin in Rage. Zwar gab der Mitarbeiter an, dass die Auszahlung im Nachhinein erfolgen soll, wann aber genau, konnte er nicht sagen.

Was wären wir ohne die Pflege?

„Noch mehr kann das Land Kärnten einem nicht vermitteln, wie gleichgültig die Pflege ist. Wie eh und je, wird der Pflege in Kärnten kaum Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie momentan noch funktioniert. Wie sie funktioniert, möchte ich nicht weiter kommentieren. Es sind für Außenstehende vielleicht ‚Kleinigkeiten‘, aber genau diese ‚Kleinigkeiten‘ werden das Fass früher oder später zum Überlaufen bringen. Es betrifft uns alle, jeden Einzelnen. Bewusst wird es oftmals erst, wenn man selbst oder ein lieber Angehöriger Hilfe in einer Ausnahmesituation benötigt und einen Krankenhausaufenthalt durchstehen muss“, so verleiht die Studierende ihrer Wut und Verzweiflung Ausdruck. Durch die Aussage des Beamten fühlt sie sich in dieser Annahme nur weiter bestätigt.

Behandlung auf Augenhöhe

Würde das gesamte Pflegepersonal nur für eine einzige Stunde ihre Arbeit einstellen und streiken, hätte dies fatale Folgen, betont die Leserin. „Es ist kein Wunder, dass die Frustrationsrate bei dieser Berufsgruppe so groß ist, wenn doch seit Jahrzehnten nichts passiert und die Pflege nicht gehört und lediglich belächelt wird. Wir sind diese Menschen die Hand in Hand mit den Ärzten zusammenarbeiten. Wir sind Pflegepersonen, die jedem Menschen, empathisch und wertschätzend begegnen. Wir sind die größte Gruppe des Gesundheitsapparates und wir haben Anerkennung und Wertschätzung für das tägliche Tun verdient“, so verleiht die Studentin ihrem Anliegen Nachdruck.

Appell ans Land

„Das Land Kärnten wird aufgefordert, endlich aus dem Dornröschenschlaf aufzuwachen und zu handeln! Wir sind die Generation der Pflege, die keine Marionetten mehr sein werden. Wir studieren und lernen hart, weil wir es lieben, Menschen aller Altersgruppen zu helfen, weil wir es lieben, zu pflegen, weil wir Verantwortung übernehmen, weil wir uns keinen schöneren Beruf vorstellen können! Nur wenigen Berufsgruppen wird ganzheitlich so viel abverlangt wie der Pflege. Wir fordern Respekt, Wertschätzung und dementsprechende Lösungswege“, so übt die Leserin scharfe Kritik aus. Sie sieht dringenden Handlungsbedarf in diesem Bereich.

So äußert sich das Land

„Die Pflegeausbildungsprämie wird für jeweils ein Ausbildungsjahr beziehungsweise für zwölf Monate gewährt. Kärnten war das erste Bundesland, das die Prämie bereits ab Schulbeginn 2022/2023 ausbezahlt hat. Alle anderen Bundesländer haben die Auszahlung erst im Jänner 2023 rückwirkend gestartet. Kärnten war auch das einzige Bundesland, das die Auszahlung im Vorhinein (also am Beginn des Monats) ausbezahlt hat. Alle anderen Bundesländer zahlen im Nachhinein. Mit Start des neuen Ausbildungsjahres hat auch Kärnten den Auszahlungsmodus auf eine Nachhinein-Auszahlung geändert. Warum? Es hat sich gezeigt, dass Ausbildungen immer wieder abgebrochen werden – und die erforderlichen Rückforderungen einen ziemlichen Verwaltungs-Mehraufwand nach sich ziehen“, so reagiert das Land Kärnten auf die emotionalen Zeilen der Studentin auf Anfrage von 5 Minuten.

„Bezieher werden informiert“

Das Land weist zudem den Vorwurf der fehlenden Information von sich. „Die Pflegeausbildungsprämie wird seit dem Schul- bzw. Studienjahr 2023/2024 – wie in anderen Bundesländern bereits von Anfang an üblich! – im Nachhinein ausbezahlt. Die Weitergewährung der Prämie ist nach Einlangen der Schulbesuchs- bzw. Inskriptionsbestätigung wiederum für 12 Monate gültig. In diesem Weitergewährungsschreiben wurden und werden alle PrämienbezieherInnen explizit über die Umstellung der Auszahlung informiert. Es kann also keine Rede davon sein, dass die PrämienbezieherInnen nicht informiert werden!“, wird deshalb weiter ausgeführt.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 05.10.2023 um 20:17 Uhr aktualisiert

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