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Zu Fuß durch Europa: „Mütze“ marschierte bis nach Villach
Am Foto: Karsten Rinck mit seiner Hündin Lotte.

Zu Fuß durch Europa: „Mütze“ marschierte bis nach Villach

Zu Fuß durch Europa: Über seine Abenteuer schreibt er täglich im Internet für 8.000 Follower unter „Mütze on Tour“. Nun ist der Deutsche (42) samt Hündin „Lotte“ in Villach gelandet.

von Manfred Wrussnig
3 Minuten Lesezeit(668 Wörter)

Ein Deutscher (42) privat ein Alleinunterhalter, wie er sagt und aus Hamburg, hat sich vorgenommen, Europa zu Fuß zu erobern. Jetzt ist er mit seinem seltsamen Gefährt, das er vor sich herschiebt, samt Hündin „Lotte“ in Villach gelandet. 5 Minuten gab er exklusiv ein Interview. 

12.000 Kilometer hinter sich

„Nennen sie mich einfach wie alle ‚Mütze‘, schmunzelt Karsten Rinck, während er zärtlich seine Wegbegleiterin, die Hündin ‚Lotte‘ streichelt. Zwei Jahre ist er schon unterwegs, hat 18 Länder bereits besucht und 12.000 Kilometer auf Schusters Rappen hinter sich. Als er am Katschberg unterwegs war, hat er den Villacher Stefan Katzenberger kennengelernt. „Ein feiner Kerl, der hat mich gleich zu sich eingeladen und nun wohne ich hier einige Tage in einem beheizten Raum samt Hund, mehr brauche ich nicht.“ 

Zu Fuß durch Europa: „Mütze“ marschierte bis nach Villach
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Karsten Rinck mit seiner Hündin Lotte.
Zu Fuß durch Europa: „Mütze“ marschierte bis nach Villach
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Sein Rad hat er immer mit dabei.

Das Wandern ist seine Therapie

Er ist ein Aussteiger, der eines Tages in eine tiefe Depression verfiel. „Ich hatte die Wahl, Strick oder einfach noch mal raus aus allem. Zum Sterben fühlte ich mich einfach noch nicht bereit, da habe ich beschlossen, eine Therapie zu beginnen: Wandern.“ Wie kommt man auf die Idee, durch Europa zu gehen? „Inspiriert hat mich der Franco-Kanadier Jean Beliveau, der von 2000 bis 2011 nach schweren seelischen Problemen um die Welt gelaufen ist. Das hat in mir etwas ausgelöst und erste Ideen kamen mir in den Kopf. Anfangs auch eine Weltumwanderung, später hat es sich auf Europa reduziert. Wenn ich jetzt auf die Geschichte blicke, die richtige Entscheidung.“

Sein nächstes Ziel?

San Marino. Warum San Marino? „Meine Richtung heißt Süden und dann werde ich sehen, wie es weitergeht. Ich freue mich schon auf den Radweg nach Udine, da geht es flott dahin. Wenn keiner da ist, dann eben Bundesstraße.“ Und: „Wo ich am Abend lande, wo ich schlafe, wie ein Bettler, wie ein König, all das steht nicht fest.“ Immer dabei: Lotte. Manchmal läuft sie, manchmal sitz sie in ihrer Box am Rad.“ Genau, dieses Gefährt ist einem Rad ähnlich. „Ja da habe ich alle meine Habseligkeiten wie Schlafsack drauf, das schiebe ich immer vor mir her.“  Ich sehe da auch ein Zelt. „Ja ich habe ein Zelt dabei, das sieben Kilo wiegt und vier Personen Platz bietet. Falls das Wetter mal wirklich schlecht ist.“ Wo er abends schlafen wird, weiß er nie. „Mal in einer Scheune, mal bei einer Bushaltestelle, mal bei einem Getränkeautomaten irgendwo halt.“

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©Mütze on Tour |
Karsten und Lotte auf dem Weg nach Dénia in Spanien.
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Hier wandern die beiden über den Jakobsweg.

Woher kommt das Geld?

Kommen wir zu den Finanzen: Was benötigt man da täglich? Wie leistet man sich da die Reise durch geplant 40 Ländern? „Naja, acht Paar Schuhe habe ich schon verbraucht“, lacht er.  Aber: „Ich habe ein Kleinunternehmen als Reiseschriftsteller. Wobei der Löwenanteil von Spenden der Menschen auf der Straße und im World Wide Web getragen wird. Ich betrachte mich als Geschichtenerzähler, wie sie es mit Mittelalter gab. Wenn jemand fragt, dann erzähle ich einige Erlebnisse und Anekdoten. Wenn es meinem Gegenüber am Ende ein Trinkgeld wert ist, dann freue ich mich natürlich. Wenn dies nicht der Fall ist, dann geht die Welt auch nicht unter. Ansonsten gibt es noch Rücklagen und lokale Sponsoren.“ 25 Euro am Tag reichen ihm schon, um über die Runden zu kommen.

Heimweh?

Wie steht es mit der Hygiene, täglich Duschen, wenn man nur irgendwo am Abend schläft? „Mein Hautarzt hat mir geraten möglichst wenig zu waschen, der Körper gewöhnt sich dann tatsächlich daran, dass ich tagelang nicht dusche. Ich bin jetzt ohne schlechte Gerüche und Gewissen, wenn es mal eine Woche oder mehr nicht möglich ist.“ Am 1. Mai 2021 ist er gestartet  – denkt Mütze nie daran, wieder mal in die Heimat nach Hamburg zurückzukehren?  „Wer weiß, wann mich das Heimweh packen wird, aber dazu werde ich dann sicher ein Jahr oder mehr dazu brauchen.“

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Auch am Elberadweg nahe Neu Darchau waren sie schon.
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Den Beginn des Neuen Jahres feierten sie in England.
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Hier sind sie auf einem Strand in Nordirland zu sehen.

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