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/ ©Montage: Daniela Gruber

Grab am Grazer Friedhof verschwunden: „Ich will eine Entschuldigung“

Als Daniela Gruber im November ihr liebevoll gepflegtes Familiengrab am St. Peter Stadtfriedhof besuchen wollte, erlitt sie den Schock ihres Lebens: Das Grab war verschwunden.

von Jasmin El-Ashi-Pöstinger
3 Minuten Lesezeit(517 Wörter)

„Ich habe meinen Vater 2020 an der furchtbaren Krankheit FTD verloren“, erzählt Daniela Gruber und beschreibt weiter, wie schwer die letzten Monate vor seinem Tod für sie waren. Die emotionale Belastung ist noch spürbar. Wie viele andere wollte Daniela das Familiengrab zu Allerheiligen besuchen. Oma, Opa, Tante, Stiefmutter und ihr 2020 verstorbener Vater wurden darin beigesetzt. Mit Kerzen und Gesteck machte sie sich auf den Weg zum St. Peter Stadtfriedhof, doch dann folgte der Schock: Das Grab war weg. Wo früher noch Holzkreuze, Kerzen, Bilder und ein Engel standen, war jetzt nur noch Wiese.

Wie vom Erdboden verschluckt

Im ersten Moment dachte Daniela, sie sei am falschen Ort: „Ich habe dann nochmals auf den Bildern nachgesehen, die ich letztes Jahr aufgenommen habe.“ Gegenüber der Baum und die Bank, auf der sie früher noch gemeinsam mit ihrem Vater gesessen ist. Es war der richtige Platz – das Grab war verschwunden. „Neben uns war ein Fürsorgegrab. Der Herr ist auch im August 2020 gestorben. Ich habe da immer ein Kerzerl angezündet.“ Auch dieses Grab war nicht mehr zu sehen. „Nichts ließ mich vermuten, dass da jemals Verstorbene beigesetzt wurden.“ Völlig verwirrt packte Daniela ihren Grabschmuck wieder zusammen und fuhr nach Hause. War es ihre Schuld? Hatte sie vergessen, das Grab zu bezahlen?

Grabstein für nächstes Jahr geplant

Seitens der Friedhofsverwaltung wurde Frau Gruber bestätigt, dass das Grab bis zum 31. Dezember 2032 bezahlt ist. Sie bekam auch Auskunft darüber, dass keine Räumung veranlasst worden wäre. Ihr Vater müsste noch dort liegen. Genauso wie der Herr im Nebengrab. „Der Grabstein ist seit 2018 beim Bestatter, da das Grab sich setzen musste.“ Als 2019 die Erkrankung ihres Vaters diagnostiziert wurde, hieß es, er hätte noch maximal eineinhalb Jahre zu leben. „Wir haben also noch gewartet, bis sich alles gut gesetzt hat. Nächstes Jahr wollten wir den Grabstein wieder aufstellen.“ Zuletzt besuchte Daniela Gruber im Frühjahr 2023 die Grabstätte: „Ich gebe immer wieder neue Kakaoschalen und Holzschnitt rauf. Dann wächst da kein Unkraut.“ Heute, ein halbes Jahr später, ist davon nichts mehr zu sehen.

„Verkettung unglücklicher Umstände“

Auf Nachfrage von 5 Minuten bezeichnete Pfarrer Ewald Pristavec die Geschehnisse als „Verkettung unglücklicher Umstände“: „Es war ja nur ein Erdhügel, der eingeebnet wurde. Als Grabinhaber ist man dazu verpflichtet, eine Umrandung und ein schönes Kreuz oder einen Grabstein anzubringen.“ Das sollte laut Friedhofsordnung längstens zwölf Monate nach dem Begräbnis passieren. Frau Gruber müsse also lediglich den Grabstein wieder dort anbringen, dann sei die Sache laut Pristavec erledigt: „Die Leichname liegen noch dort. Die Grabstelle besteht ja nach wie vor.“ Bezüglich der verschwundenen Dekorationsgegenstände bekam Daniela Gruber von der Verwaltung den Rat, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Die Verwaltung hätte die Gegenstände nicht entfernt. Daniela Gruber übergab den Fall nun an einen Anwalt: „Ich möchte eine offizielle Entschuldigung und dass sie die Sache nicht ins Lächerliche ziehen. Das Grab soll wieder so hergerichtet werden, wie es war.“

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 24.11.2023 um 20:15 Uhr aktualisiert

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