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Kritisch: Grazer atmen die schlechteste Luft in Österreich

Eine hohe Feinstaubbelastung kann zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Lungenschäden verursachen. Graz schneidet bei einer österreichweiten Messung besonders schlecht ab. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen.

von Carolina Jakubovic
3 Minuten Lesezeit(526 Wörter)

Im Vorjahr wurden bei allen steirischen Messstellen für den besonders gesundheitsschädlichen PM2,5 Feinstaub die Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO überschritten sowie bei 25 der 29 Stickstoffdioxid-Messstellen. Luftschadstoffe machen krank. Laut Europäischer Umweltagentur verursachte die Luftverschmutzung zuletzt 4.500 vorzeitige Todesfälle in Österreich. „Werden nur die EU-Grenzwerte betrachtet, könnte man meinen, in Österreich wäre überall die Luft sauber. Doch aus Gesundheitssicht sind die Grenzwerte viel zu hoch. Es braucht verstärkte Maßnahmen gegen Luftverschmutzung und zwar rasch“, stellt VCÖ (Verkehrsclub Österreich)-Expertin Lina Mosshammer fest.

Messwert überschritten

Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Umweltbundesamts zeigt, dass der Richtwert der WHO für den besonders gesundheitsschädlichen PM2,5 Feinstaub im Vorjahr an allen Messstellen in Österreich und damit auch in der Steiermark überschritten wurde. Aus Gesundheitssicht soll die Belastung mit PM2,5 Feinstaub im Jahresmittel unter 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen. „In Graz, wo die PM2,5-Feinstaub-Belastung am höchsten ist, war die Belastung bei der Messstelle Don Bosco und Tiergartenweg dreimal so hoch wie der WHO-Richtwert, verdeutlicht der VCÖ“. In Leibnitz und Voitsberg wurde der Wert um das Doppelte überschritten.

Ärzte warnen vor Langzeitfolgen

Auch bei den Messstellen für den grobkörnigeren PM10-Feinstaub wurde der WHO-Richtwert für den Jahresmittelwert an den meisten steirischen Messstellen überschritten, nämlich bei 31 von 34. Je kleiner die Feinstaubpartikel, umso gefährlicher sind sie. Langfristige Belastungen erhöhen unter anderem das Risiko für Herzinfarkt und auch Lungenkrebs. Auch für Kinder sind die Feinstaubpartikel sehr schädlich, weil sich ihre Lunge im Wachstum befindet und sie im Verhältnis zur Körpergröße mehr Luft einatmen. Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter und Sprecher der „ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt“ betont: „Aufgrund der nachgewiesenen Krankheitslast der Bevölkerung durch Luftverschmutzung ist es dringend an der Zeit, weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität umzusetzen. Immerhin hängt von dieser ja nicht nur unser Wohlbefinden ab, sondern auch unsere Lebenserwartung.“

Zahlen und Fakten

Richtwert der WHO für PM2,5: Jahresmittelwert 5 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Grenzwert des Immissionsschutz-Gesetzes Luft: Jahresmittelwert 25 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Graz Don Bosco: 16,0

Graz Süd Tiergartenweg: 15,6

Leibnitz: 13,8

Graz Nord: 12,0

Voitsberg: 10,9

Weiz: 10,0

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2023

Auch Stickstoff wird zur Gefahr

Bei Stickstoffdioxid (NO2) wurde im Vorjahr bei 25 der 29 steirischen Messstellen der WHO-Richtwert von 10 Mikrogramm NO2 im Jahresmittel überschritten, informiert der VCÖ. Auch bei NO2 war die Belastung in Graz Don Bosco mit 32 Mikrogramm NO2  pro Kubikmeter Luft innerhalb der Steiermark am höchsten. Stickstoffdioxid kann Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Lungenschäden verursachen. Für mehr als die Hälfte der Stickoxid-Belastung ist der Verkehr verantwortlich, insbesondere Dieselabgase.

Könnte niedriges Tempo helfen?

Der Verkehrsbereich kann einen sehr großen Beitrag zur Reduktion der Luftverschmutzung leisten, betont der VCÖ. Zum einen durch niedrigere Tempolimits. Das Land Salzburg hat festgestellt, dass allein das flexible Tempolimit 100 auf der Tauernautobahn (IG-L Tempolimit) den Stickoxidausstoß beim Pkw-Verkehr um 19 Prozent reduzierte, inklusive dem nicht betroffenen Lkw-Verkehr brachte das flexible Tempolimit eine Reduktion um acht Prozent, was der Wirkung einer Gesamtsperre der Autobahn von knapp einem Monat entspricht. „Die Gesundheit der Bevölkerung ist das höchste Gut. Deshalb ist ein Beibehalten beziehungsweise Einführen von niedrigeren Tempolimits wichtig, solange die Schadstoffbelastung über den Richtwerten der WHO liegt“, betont VCÖ-Expertin Mosshammer. Höheres Tempo erhöht nicht nur den Schadstoffausstoß, sondern auch Reifen- und Bremsabrieb, den auch Elektroautos verursachen.

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