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Über 8 Mrd. Euro Schulden: Pleite-Dramen plagen Österreich

Neben der Zahl der Firmenpleiten sind auch die Passiva massiv in die Höhe geschnellt – nicht nur, aber vor allem wegen dem Insolvenzfall der SIGNA Holding GmbH. Über 5.000 Unternehmen meldeten heuer bereits Insolvenz an.

von Sabrina Tischler
Sabrina Tischler Online Redaktion 5 Minuten
2 Minuten Lesezeit(496 Wörter)

Laut aktueller KSV1870 Hochrechnung sind im Jahr 2023 in Österreich 5.401 Unternehmen von einer Insolvenz betroffen. Das entspricht 15 Firmenpleiten pro Tag und so vielen Fällen wie zuletzt vor zehn Jahren. Darüber hinaus haben sich die vorläufigen Passiva um 286 Prozent auf rund 8,53 Mrd. Euro erhöht – hauptverantwortlich dafür ist die Insolvenz der SIGNA Holding GmbH. Weiters hat sich die Zahl der betroffenen Mitarbeiter um 45 Prozent auf 22.500 Personen erhöht, jene der Gläubiger um 41 Prozent auf 44.000 Betroffene.

Handel als Insolvenztreiber

Wie die aktuelle KSV1870 Hochrechnung belegt, wurde im Handel mit exakt 1.003 insolventen Unternehmen erstmals seit Jahren die Tausendergrenze überschritten – zum überwiegenden Teil ist hier insbesondere der Einzelhandel betroffen. Die Hauptgründe dafür liegen, neben dem hohen Energiebedarf und damit verbunden hohen Energiekosten, häufig in nicht eingetretenen Nachholeffekten aus Pandemiezeiten, einem zuletzt erfolgten Strukturwandel und der aktuell sinkenden Kaufkraft von Privatpersonen.

Größter Zuwachs bei Insolvenzen in Baubranche

An Position zwei folgt die Bauwirtschaft (936 Fälle), die mit einem Anstieg von 21 Prozent zugleich den größten prozentuellen Zuwachs aufweist. Hier trifft es vor allem Projektentwickler im Wohnbau und in weiterer Folge damit beauftragte Bauunternehmen hart, zumal die Baukosten in den vergangenen Monaten massiv gestiegen sind. Aufgrund der vorherrschenden Kostensituation stagniert in weiterer Folge die Nachfrage, da eine Finanzierung wegen hoher Zinsen und verschärfter Rahmenbedingungen in der Kreditvergabe immer schwieriger wird. „Die Baubranche wird immer mehr zum Sorgenkind. Konnten in der Vergangenheit übervolle Auftragsbücher über die Probleme hinwegtäuschen, so trifft es die Bauwirtschaft langsam, aber sicher mit voller Wucht“, so Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Eine Situation, die sich aus heutiger Sicht auch im Jahr 2024 nicht maßgeblich verbessern wird.

Personalmangel macht Gastro zu schaffen

Dahinter folgt der Sektor Beherbergung/Gastronomie (709 Fälle), wo unter anderem der akute Personalmangel und ein geändertes Konsumverhalten der Gäste zum Tragen kommt. Hinzu kommt, dass Corona-Förderungen massiv genutzt wurden und sich die Betriebe so über Wasser halten konnten – das fällt jetzt weg. Auf den Plätzen dahinter folgen die Bereiche „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ (425 Fälle) und „Verkehr und Lagerei“ mit 406 Fällen.

Signa, die größte Pleite der österreichischen Wirtschaftsgeschichte

SIGNA treibt Passiva gravierend in die Höhe Angesichts der größten Unternehmenspleite der österreichischen Wirtschaftsgeschichte ist es keine Überraschung, dass sich die vorläufigen Passiva mit einem Anstieg von 286 Prozent auf 8,53 Mrd. Euro massiv vervielfacht haben. Doch auch ohne den Insolvenzfall der SIGNA Holding GmbH mit Verbindlichkeiten von rund 5,27 Mrd. Euro wäre im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Zuwachs bei den Passiva zu vermelden gewesen – und zwar um 48 Prozent auf 3,26 Mrd. Euro.

Ausblick auf 2024

Der KSV1870 geht aus heutiger Sicht jedenfalls von einem weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen im kommenden Jahr aus. Dieser wird aller Voraussicht nach in einer ähnlichen Dimension erfolgen wie heuer. Das würde bedeuten, dass Ende 2024 in etwa zwischen 5.800 und 6.000 Unternehmensinsolvenzen zu Buche stehen werden, womit das diesjährige Ergebnis um etwa 500 Fälle übertroffen wäre.

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