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/ ©Österreichische Post AG/Werner Streitfelder

Dropshipping: So erkennst du, ob dein Produkt eigentlich aus China kommt

Auch bei einem Firmensitz in Österreich oder Deutschland kann es sich um Dropshipping-Händler mit Direktversand von Billigware aus Fernost und eventueller Rücksendepflicht von Retouren nach Fernost handeln. Die AK warnt nun davor.

von Amélie Meier
3 Minuten Lesezeit(504 Wörter)

Fünf ÖIAT-Testbestellungen im Auftrag der AK zeigen: Lieferungen dauern lange oder kommen nie, bei Rücksendung gibt’s kein oder weniger Geld und Rücktritte werden erschwert oder gar abgelehnt. Die AK fordert von der EU mehr Transparenz. Die EU soll im Rahmen ihrer aktuellen „Digital Fairness Initiative“ Webhändler verpflichten, schon vorvertraglich und gut sichtbar die Rücksendeadresse anzugeben. Für Konsumenten soll sofort erkennbar sein, wenn diese in einem anderen Land als der Sitz des Online-Händlers liegt.

Dropshipping legitimes Logistik-Modell

Dropshipping ist ein an sich legitimes Logistik-Modell, ein Versandhandel ohne große Investitionen in Lagerhaltung und Logistik durch Direktversand der Hersteller:innen oder Großhändler:innen. Bestellungen werden über den Shop abgewickelt, die Ware kommt von einem Dritten (meist Fernost). „Dubiose Händler:innen werben aber über Social Media für angeblich günstige Lifestyle-Produkte, die direkt aus China versendet werden und im Rücktrittsfall dorthin zurückzustellen sind. Sie vernachlässigen oft rechtliche Vorgaben und Service. Angebot und Händler:innen verschwinden rasch, Konsument:innen bleiben oft geprellt zurück“, sagt AK Konsumentenschützerin Daniela Zimmer. Das Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) ging im Auftrag der AK bei fünf österreichischen und deutschen Onlineshops einkaufen, etwa Schmuck, Yogakleidung, Haustierartikel. Denn in der AK und Internet-Ombudsstelle häufen sich Beschwerden über unseriöses Dropshipping – konkret über verweigerte Rücktrittsrechte, vorab nicht erkennbare Rückversandpflichten nach China, Lieferung minderwertiger Ware, lange Lieferzeiten, fehlende Erreichbarkeit, und, und, und. Ihre Shops, Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Widerrufsbelehrungen lassen kaum Rückschlüsse auf Dropshipping oder einen Versand aus China zu.

Der AK Test zeigt:

Der AK Test zeigt eine große Palette an Widerrufsproblemen und teils kreative Reaktionen: „Aus Kulanz würden wir dir gerne 30 Prozent vom Verkaufspreis rückerstatten und du kannst den Artikel behalten,“ boten etwa zwei Shops nach erklärtem Vertragsrücktritt an. Sonstige Erfahrungen: keine Lieferung, kein Kontakt möglich, beschränktes oder kein Widerrufsrecht oder es war an den Kauf eines überteuerten Rücksendeetiketts gebunden. Mit der Unterschrift unter einer Rücktrittserklärung sollte bestätigt werden, dass bei Gebrauchsspuren kein Rückgaberecht bestehe. Bezahltes gab es nicht (ganz) retour, die Lieferzeit aus China wich stark von der Online-Zusage ab und auf den Versuch, Probleme über angegebene E-Mail-Adressen zu lösen, wurde nicht oder nur mit automatisierten Nachrichten reagiert. Von 15 Shops, die es zu Studienbeginn in eine Vorauswahl geschafft hatten, waren drei Monate später nur noch acht online. Positiv: Manche haben ihre Logistik geändert, nutzen Großhändler Europa und ermöglichen nun Konsumenten den Rückversand in der EU. Zimmer schlussfolgert: „Es gibt keine ausgewiesene Marktaufsicht für den Online-Handel im Vergleich zum Finanz-, Energie- oder Telekommarkt. Regelmäßige Verstöße werden oft sehr spät identifiziert. Dropshipping-Händler:innen informieren Konsument:innen vorm Kaufabschluss oft nicht oder nur unauffällig darüber, dass sie die bestellte Ware auf eigene Kosten in ein weit entferntes Land, meist nach China, zurücksenden müssen.“

Tipps von der Arbeiterkammer:

Damit Konsument:innen nicht lange auf ihre Bestellungen warten müssen, ein minderwertiges Produkt aus China erhalten oder spätestens beim Widerruf auf Probleme stoßen – AK gibt Tipps:

  • Achtung bei Social Media-Werbung: Vorsicht bei Werbung von äußerst günstigen Produkten auf TikTok, Facebook, Instagram und Co. Unseriöse Dropshipping-Händler:innen setzen auf Werbekampagnen mit besonders attraktiven Produkten auf diesen Plattformen, um Sie auf ihre Webseiten zu locken.
  • Lieferbedingungen checken: Achten Sie auf die Lieferbedingungen. Bei problematischen Dropshipping-Händler:innen können Sie oft Ungereimtheiten entdecken. Sie lesen auf den Produktseiten, dass die Ware sofort lieferbar ist, erfahren aber gut versteckt in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von mehrwöchigen Lieferzeiten. Das deutet etwa auf Lieferungen aus China hin.
  • + Rücksendeadresse für allfällige Retouren eruieren: Lesen Sie in den Geschäftsbedingungen nach: Konsument:innen werden vor dem Kaufabschluss zumindest manchmal (an unauffälliger Stelle) darüber informiert, dass sie die bestellte Ware, wenn sie ihr gesetzliches Rücktrittsrecht in Anspruch nehmen, auf eigene Kosten in ein weit entferntes Land, in der Regel nach China, zurücksenden müssen.
  • Zollkosten zahlen: Sie sollen Zollkosten zahlen, obwohl der Händler einen Sitz in Österreich oder Deutschland angibt? Das ist ein klarer Hinweis für Dropshipping aus dem entfernten Ausland.
  • Preise vergleichen: Dropshipping-Händler:innen preisen ihre Waren sehr häufig als einmalige Schnäppchen an – mit einem Preisvergleich im Internet ist der günstige Preis häufig entzaubert.
  • Achtung beim Bezahlen: Nutzen Sie bei der Zahlung PayPal oder Kauf auf Rechnung, um bei Problemen Ihr Geld zurückholen zu können.
  • Erfahrungsberichte lesen: Suchen Sie vor einer Bestellung nach Erfahrungsberichten im Internet. Bei den meisten problematischen Dropshipping-Händler:innen tauchen bald nach den ersten Verkäufen negative Erfahrungsberichte auf.
  • Hilfe suchen: Bei Problemen mit einem Dropshipping-Unternehmen mit Sitz in Österreich oder Deutschland wenden Sie sich an die AK Konsumentenschutzberatung oder Internet-Ombudsstelle (www.ombudsstelle.at).

SERVICE: Die Analyse findest du hier.

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