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Über 20 Jahre an der Spitze: Deshalb kandidiert Günther Goach erneut

Die AK-Wahl steht vor der Tür und Präsident Günther Goach zieht nach zwei Jahrzehnten wieder als Spitzenkandidat für die FSG (Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter) ins Rennen.

von Sabrina Tischler
1 Minute Lesezeit(212 Wörter)

Im Interview mit 5 Minuten spricht Goach über seine erneute Kandidatur und aktuelle Probleme in Politik und Wirtschaft. Seine klare Position für die Zukunft der Arbeitnehmer: „Wir vertreten die Interessen und Anliegen aller, egal welche Farbe und welches Parteibuch!“

5min.at: Sie stehen seit über 20 Jahren an der Spitze der Arbeiterkammer in Kärnten. Wenn Sie nunmehr wiedergewählt werden und diese Periode fertig machen, wären Sie 70 Jahre alt. Wäre es nicht an der Zeit gewesen, den Weg für jüngere Kandidaten in Ihrer Fraktion freizumachen?

Günther Goach: „Es stimmt, meine Lebensplanung hat eigentlich anders ausgesehen. Aber in dieser spannungsgeladenen Zeit wurde die Bitte an mich herangetragen, aufgrund meiner langjährigen Erfahrung noch einmal zu kandieren und zur Beruhigung der unterschiedlichen Dinge beizutragen; sozusagen als Konstante. Nachdem ich mit meiner Familie gesprochen habe und bei bester Gesundheit bin, mache ich das nun aus voller Überzeugung. Wenn sie mein Team ansehen, werden sie auch bemerken, dass wir einen sehr guten Mix aus jungen und erfahrenen Kandidatinnen und Kandidaten haben.“

5min.at: Inwieweit haben die anderen fünf Fraktionen wie die Freiheitlichen Arbeitnehmer oder der ÖAAB bei einer so deutlichen Mehrheit überhaupt noch eine Mitsprachemöglichkeit? Eigentlich können Sie ja alles alleine entscheiden.

Goach: „Wir sind als stärkste Fraktion natürlich mit einem großen Vertrauen der Wählerinnen und Wähler ausgestattet. Wir haben dies aber noch nie zum Anlass genommen, um anderen Fraktionen die Mitsprachemöglichkeit zu nehmen. Wer mich kennt weiß, wenn es um Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geht, gibt es für mich keine Parteipolitik. Wir vertreten die Interessen und Anliegen aller, egal welche Farbe und welches Parteibuch!“

5min.at: Sie kritisieren immer wieder die Handelnden in der Bundesregierung. Würde politisch die SPÖ den Kanzler in Österreich stellen, wären dann all ihre Sorgen vom Tisch?

Goach: „Gemeinsam mit anderen Kolleginnen und Kollegen aus der Arbeiterkammer und Gewerkschaft habe ich auch schon einem SPÖ Kanzler rund 900.000 Unterschriften mit der Forderung einer Lohnsteuerreform übergeben. Wer in der Bundesregierung sitzt und gegen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Politik macht, hat damit zu rechnen, dass wir uns das nicht gefallen lassen. Zugegeben ist es aber so, dass die aktuelle Bundesregierung aus ÖVP und Grünen nicht gerade durch Arbeitnehmerfreundlichkeit auffällt. Ich möchte hier nur die Abschaffung der Hacklerregelung und die Zerstörung der Sozialversicherung als Beispiel nennen. In der Sozialversicherung hat man den Arbeitnehmern ihre Gesundheitskasse, in welche sie ihre Beiträge einzahlen, weggenommen und die Gremien mit Arbeitgebervertretern mehrheitlich besetzt.“

5min.at: Ihr Druck auf die Energieversorger rund um höhere Preise bei Strom und Gas war immer wieder ein mediales Thema. Hat es sich wirklich ausgezahlt oder wären ohnehin die Preise aufgrund der Entwicklung rückläufig gewesen?

Goach: „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die täglich zum Erfolg des Landes beitragen und das Land am Laufen halten, müssen sich auch ein gutes Leben leisten können – dazu zählt bezahlbare Energie! Ohne das Engagement und dem Druck der Arbeiterkammer, hätte es bestimmt anders ausgesehen. Wer nun die Lorbeeren für eine Senkung erntet, ist für mich nicht wichtig. Letztendlich zählt nur, dass die Menschen die Senkung der Tarife auch wieder in ihrer Brieftasche spüren.“

5min.at: Die Lohnanpassungen und Lohnverhandlungen bringen quer durch alle Branchen deutliche Erhöhungen. Damit werden ja auch die Preise steigen. Ein Beispiel wäre die Baubranche, wo sich wiederum Mieten und Kosten für Neubauten erhöhen. Ist das nicht eine Spirale, die sich immer weiter nach oben dreht?

Goach: „Faktum ist, dass die Bundesregierung nichts gegen die hohe Inflation getan hat. Die Einmalzahlungen sind gleich verpufft. Andere europäische Länder haben mit Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel oder Mietpreisbremsen in den Markt eingegriffen und konnten so die Inflation flach halten. Die Kollektivvertragsverhandlungen haben den Menschen ihren finanziellen Lohnverlust durch die Inflation abgegolten. Dadurch konnte die Kaufkraft im Land erhalten bleiben. Ich fordere nach wie vor umfangreiche Maßnahmen zur Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, darunter eine Offensive für gemeinnützigen Wohnbau, die temporäre Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Energie, einen Preisdeckel beim Sprit oder etwa eine befristete Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.“

5min.at: Wie stehen Sie zu einer Lohnnebenkostensenkung? Eine Entlastung der Unternehmen würde wohl auch mehr Netto für die Dienstnehmer ergeben?

Goach: „‚Lohnnebenkosten‘ ist ein Begriff, der unterstellt, es handle sich um unnötige Ausgaben. Tatsächlich geht es um Sozialstaatsbeiträge, die alle Menschen bei Krankheit, Unfall und im Alter absichern oder Familien unterstützen. Sie zu senken, kommt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehrfach teuer. Es ist eine Irreführung, bei der Senkung der Sozialstaatsbeiträge von einer Entlastung der Beschäftigten zu sprechen. Diese wandert nämlich zuerst einmal in die Taschen der Arbeitgeber. In den Sozialstaat reißt das massive Budgetlücken. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen doppelt drauf, denn sie finanzieren den allgemeinen Staatshaushalt zu 80 Prozent. Damit ist die Lohnnebenkosten-Senkung ein trojanisches Pferd für die arbeitenden Menschen: Sie zahlen doppelt drauf, während die Arbeitgeberinnen profitieren.“

5min.at: Bei der letzten Wahl legten Sie mit der FSG um 0,7 Prozent auf 77,6 % zu. Die Latte liegt nunmehr hoch. Die Wahlbeteiligung hingegen sank auf unter 40 %. Wie ist Ihre Prognose? Rechnen Sie mit Zuwächsen?

Goach: „Wir haben ein großes Vertrauen durch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Darauf bin ich stolz! Ich lege mich aber nicht auf Prozentsätze fest. Mein Team und ich tun alles, damit die Arbeiterkammer auch zukünftig ihre Leistungen vom Konsumentenschutz, Arbeits – und Steuerrecht bis hin zum Wohn – und Mietrecht für die Menschen anbieten kann. Und die Angriffe von politischen Kräften auf die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben in der Vergangenheit schon öfter gezeigt, dass es klare Mehrheiten benötigt, um diesen zerstörerischen Kräften entgegenzuwirken.“

Bild auf 5min.at zeigt den AK-Präsidenten Günther Goach.
©Jost&Bayer

Über Günther Goach

Günther Goach wurde am 4. Juli 1957 in Sankt Stefan ob Stainz (Steiermark) geboren. Im Juli 1989 wurde Goach zum Kammerrat in die Vollversammlung der Kärntner Arbeiterkammer gewählt, seit Oktober 2002 ist er Präsident der Arbeiterkammer Kärnten. Seit September 2014 ist Goach auch Vizepräsident der Bundesarbeitskammer. Bei der AK-Wahl 2019 erzielte er als Spitzenkandidat der FSG mit 77,6 Prozent das österreichweit beste je eingefahrene Ergebnis für die FSG insgesamt. Goach ist zudem Landesvorsitzender der PRO-GE Kärnten und der FSG Kärnten, Mitglied des ÖGB Landes- und Bundesvorstandes und stellvertretender Bundesfraktionsvorsitzender der PRO-GE.

AK-Wahl steht vor der Tür

Vom 4. bis 13. März wird in Kärnten gewählt: Rund 200.000 Arbeitnehmer haben in diesem Zeitraum die Chance, ihre Interessenvertretung bei der Arbeiterkammer für die kommenden fünf Jahre zu wählen. Bei der Wahl können die Mitglieder je nach politischer Zusammensetzung bestimmen, für welche Themen sich die Interessenvertretung in der nächsten Zeit stark macht.

Diese Gruppen können gewählt werden

Heuer stehen sechs wahlwerbende Gruppen samt ihrer Spitzenkandidaten zur Wahl:

  • Liste 1: Sozialdemokratische Gewerkschafter:innen in der AK – Günther Goach
  • Liste 2: Freiheitliche Arbeitnehmer – FPÖ (FA-FPÖ) – Manfred Mischelin
  • Liste 3: Kärntner Arbeitnehmer:innen (FCG-ÖAAB) – Christian Struger
  • Liste 4: Alternative, Unabhängige Gewerkschafter*innen Kärnten (AUGE/UG) – Roland Ressmann
  • Liste 5: GLB Gewerkschaftlicher Linksblock (GLB) – Cristina Tamas
  • Liste 6: Allgemeine Liste Gesundheitspersonal (ALG) – Roswitha Tomic

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