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Frauen fahren laut VCÖ-Analyse viel vorsichtiger Auto als Männer.

Enorme Unterschiede: Männer sterben öfter im Straßenverkehr als Frauen

Wären nur Frauen auf Österreichs Straßen unterwegs, würde es nur halb so viele Verkehrstote geben. Das zeigte eine Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) im Vorfeld des Frauentages.

von APA
3 Minuten Lesezeit(696 Wörter)

In den vergangenen drei Jahren kamen zweieinhalb Mal so viele Männer bei Verkehrsunfällen ums Leben wie Frauen, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. Doch nicht nur für sich selbst, auch für andere Verkehrsteilnehmer sind Frauen sicherer unterwegs. Männer verursachen doppelt so viele Verkehrsunfälle mit Personenschaden wie Frauen und sind sechs Mal so häufig alkoholisiert in Zwischenfälle auf der Straße verwickelt.

Männer zweieinhalb Mal häufiger Verkehrsopfer

„Das Mobilitätsverhalten der Frauen ist in Summe sicherer als jenes der Männer, sowohl für die Frauen selber als auch für die anderen Verkehrsteilnehmer“, sagte VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky. Die Analyse der Mobilitätsorganisation fußt auf Daten der Statistik Austria. Zwischen 2021 und Ende November 2023 verloren 304 Frauen hierzulande bei Verkehrsunfällen ihr Leben. Die Zahl der tödlich verunglückten Männer war mit 806 Personen zweieinhalb Mal so hoch. Es gibt dabei jedoch Unterschiede zwischen den Verkehrsmitteln.

Frauen haben höheres Risiko bei Autounfällen

Als Pkw-Insassen verunglückten doppelt so viele Männer wie Frauen, wie der VCÖ mitteilte. Dabei war bei den tödlich verunglückten Frauen der Anteil der Mitfahrerinnen mit rund einem Drittel doppelt so hoch wie bei den als Pkw-Insassen tödlich verunglückten Männern. In diesem Zusammenhang gebe es auch bei der Fahrzeugsicherheit großen Aufholbedarf: Crashtest-Dummies seien der männlichen Anatomie nachempfunden. Deshalb hätten Frauen in einem Pkw im Fall eines Autounfalls ein rund 70 Prozent höheres Risiko, dabei verletzt zu werden. Auf EU-Ebene sollte der Einsatz weiblicher Crashtest-Dummies verpflichtend vorgeschrieben werden, appellierte der VCÖ.

Unterschied bei Fußgängern am niedrigsten

Auf dem E-Bike starben in Österreich dreieinhalb Mal so viele Männer wie Frauen, mit dem Moped waren es noch drei Mal so viele und mit dem Fahrrad doppelt so viele. Der Unterschied fällt bei Fußgängern am niedrigsten aus. Dabei starben rund 15 Prozent mehr Männer als Frauen. Eklatant ist die Kluft am Motorrad: In den vergangenen drei Jahren verloren 15 Mal so viele Männer bei Unfällen ihr Leben wie Frauen. Auch alkoholisiert sind deutlich mehr Burschen und Männer unterwegs: Zwischen 2020 und 2022 waren sechs Mal so viele Männer wie Frauen als Alko-Lenker in Verkehrsunfälle involviert.

„Männer oft risikobereiter als Frauen“

Alkohol am Steuer sowie Raserei sind Delikte, die bei Männern häufiger vorkommen als bei Frauen. „Dies zeigt auch ein Blick ins Verkehrszentralregister nach Flensburg (Deutschland, Anm.) oder in die Datenbank eines österreichischen Nachschulungsinstituts. Die Gründe dafür sind vielfältig. Im verkehrspsychologischen Persönlichkeitsprofil zeigen sich Männer oft risikobereiter als Frauen. Dies hängt auch mit Genderstereotypen zusammen“, sagte Bettina Schützhofer, Geschäftsführerin des verkehrspsychologischen Instituts „sicher unterwegs“.

Frauen verursachen nur halb so viele Unfälle wie Männer

Auch für andere Verkehrsteilnehmer ist es sicherer, wenn Frauen hinterm Steuer sitzen. Zwischen 2020 und 2022 verursachten Männer 64.238 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, Frauen hingegen mit 30.105 nur halb so viele, berichtete der VCÖ. Auch beim Mobilitätsverhalten gibt es große Geschlechterunterschiede, auch wenn alle etwa gleich viele Wege zurücklegen: Frauen sind in Summe aber häufiger zu Fuß unterwegs, lenken seltener ein Auto und fahren deutlich weniger mit dem Motorrad. Auch öffentliche Verkehrsmittel werden von Frauen etwas häufiger genutzt.

VCÖ fordert mehr Bahn- und Busverbindungen

Auch die Gründe, warum Frauen unterwegs sind, sind anders: Sie müssen deutlich mehr Wege im Zusammenhang mit der Betreuung und dem Begleiten von Kindern zurücklegen. Jaschinsky kritisiert, dass dieser Umstand in der Verkehrsplanung zu wenig berücksichtigt wird. Besonders für Begleitwege mit Kindern sei eine sichere Rad-Infrastruktur zentral. Untertags seien vor allem außerhalb von großen Städten mangelnde öffentliche Verkehrsverbindungen häufig ein Problem. Das treffe berufstätige Frauen doppelt: So arbeiten vier Mal so viele Frauen wie Männer Teilzeit. Öffentliche Verkehrsverbindungen sind in den Regionen laut VCÖ-Analyse aber oft auf die klassischen Pendlerzeiten von Vollzeitjobs abgestimmt. Der VCÖ fordert daher unter anderem mehr Bahn- und Busverbindungen auch tagsüber und zu Tagesrandzeiten. Auch sollte der Anteil von Frauen in der Verkehrsplanung erhöht werden. (APA, 7.3.24)

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