2023: „Ein schwarzes Jahr für den heimischen Handel“
Die Zahlen der letzten zwölf Monate sprechen eine klare Sprache. 2023 war für den Handel ein schwarzes. Besonders hart es Kärnten getroffen. Die Aussichten für die kommenden Monate sind dennoch positiv.
Die Handelssparte der Wirtschaftskammer Kärnten präsentierte kürzlich den Konjunkturbericht für 2023. Während der gesamte österreichische Handel ein nominelles Umsatzminus von minus 0,4 Prozent gegenüber 2022 verzeichnete, betrug es in Kärnten minus 1,9 Prozent, der reale Rückgang lag bei minus 4,9 Prozent. Dennoch sind die Kärntner Handelsunternehmen überzeugt, dass die Talsohle nun durchschritten ist. „Wir spüren erste Anzeichen, dass sich das Konsumklima verbessert und der Handel das Konjunkturtief endlich hinter sich gelassen hat“, betont Raimund Haberl, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Kärnten. Die Erholung werde sich aber im Schneckentempo vollziehen.
2023 war für den Handel ein schwarzes Jahr
Handelsforscher Peter Voithofer vom Institut für Österreichische Wirtschaft (iföw) wies darauf hin, dass sich die Konjunktur in den einzelnen Handelsbranchen sowohl bei der Umsatz- als auch bei der Preisentwicklung sehr unterschiedlich entwickelt habe. Konkret ergab seine Analyse, dass der Kärntner Einzelhandel zwar ein nominelles Umsatzwachstum von plus 2,1 Prozent auf insgesamt rund 14,3 Milliarden Euro netto erzielen konnte, preisbereinigt bedeutet dies jedoch ein reales Konjunkturminus von minus 4,3 Prozent. „Das ist der stärkste Rückgang der letzten zehn Jahre“, stellt Voithofer klar. Im Großhandel fiel der reale Umsatzrückgang noch stärker aus. Weitaus besser lief es im dritten Handelssegment, der Kfz-Wirtschaft: Nach Rückgängen im Jahr 2022 konnte die Kfz-Wirtschaft ein nominelles Umsatzplus von plus 13,5 Prozent erzielen, wenngleich die Pkw-Neuzulassungen das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht haben.
Insolvenzen gestiegen
Betrachtet man die Zahlen der einzelnen Branchen, so ergibt sich folgendes Bild: Alle Bereiche des Einzelhandels – mit Ausnahme des Elektro- und Möbelhandels (- 4,7 Prozent) -verzeichneten ein nominales Umsatzplus von 2,1 Prozent. Nur zwei Einzelhandelsbranchen können auch ein reales Umsatzwachstum erzielen: der Online-Handel und der Einzelhandel mit Blumen. Insgesamt wurden im Vorjahr in Kärnten 288 Handelsunternehmen insolvent – das sind um 20,9 Prozent mehr als 2022. Österreichweit gab es einen Anstieg von 13 Prozent. Für mehr als die Hälfte sind die Wirtschaftsbereiche Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, Bau sowie Grundstücks- und Wohnungswesen verantwortlich. „Die weit über die EU liegende Inflation wird auf dem Rücken der Unternehmen ausgetragen. Neben den Energiekosten sind es vor allem die Lohnnebenkosten, die für viele Kleinbetriebe kaum mehr zu stemmen sind“, so Haberl.
Trotz allem positiver Ausblick auf 2024
Auch die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen sei laut Haberl nicht zuletzt eine Folge der hohen Lohnkostensteigerungen. 32.634 Menschen waren 2023 im Kärntner Handel beschäftigt, dies entspricht einem Rückgang von 1,6 Prozent. „Auch wenn es für 2023 wenig Positives zu berichten gibt, haben wir erste Anzeichen, die uns vorsichtig optimistisch auf 2024 blicken lassen“, resümiert Haberl dann. Die Vorzeichen seien jedenfalls positiv. „Im Jänner und Feber haben wir bereits ein Abflachen der Inflation gespürt, der Großhandelspreisindex ist in den ersten beiden Monaten gesunken und auch die Energiepreise erholen sich langsam.“