Vom Aussterben bedroht: Seltener Vogel auf Kurzurlaub in Tanzenberg
Am Sonntag, dem 7. April 2024 wurde der außergewöhnliche Vogel das erste Mal in Tanzenberg gesichtet. Daniela Trobe, Birdmanagerin beim Waldrappteam, klärt auf.
Am Sonntag, dem 7. April 2024 wurde der Waldrapp „Paride“ das erste Mal in Tanzenberg gesichtet. Leser Daniel S. schickte dankenswerterweise ein Foto an 5 Minuten. Daniela Trobe, Birdmanagerin beim Waldrappteam, erklärt im Interview mit 5 Minuten, wieso sich der Vogel in Tanzenberg verirrt hat und was diese seltene Vogelart so besonders macht.
„Komischer Vogel“
Auf den ersten Blick sieht der Vogel mit dem langen, roten Schnabel recht merkwürdig aus. Bei genauerer Betrachtung fällt einem aber direkt sein schwarzes Federkleid auf, welches im Sonnenlicht außergewöhnlich metallisch-violett schimmert. Er ist ein Zugvogel, der bis ins 17. Jahrhundert auch in Mitteleuropa heimisch war. Allerdings wurde er aufgrund von exzessiver Bejagung ausgerottet.
Zwischenlandung in Tanzenberg
Daniela Trobe begründet die Zwischenlandung des seltenen Vogels damit, dass ihm Kärnten einfach zu gut gefällt. Normalerweise sollte „Paride“ im Brutgebiet am Bodensee sein, er hatte allerdings andere Pläne. Zeitweise einen Abstecher nach Graz oder einen Ausflug nach Tanzenberg. „Paride“ ist anders und hat seinen eigenen Kopf. Daniela Trobe erwähnt auch, dass er nach seinem Ausflug in Tanzenberg wieder zum Klagenfurter Flughafen flog, um dort nach Futter zu suchen. Für die Futtersuche stehen auch Golfplätze hoch im Kurs. Warum die Birdmanagerin die Standorte so genau mitteilen kann? Die Vögel werden mit speziellen Sendern ausgestattet und somit getrackt.
Live-Tracking-App für alle
Das Coole bei der ganzen Sache: Jeder kann sich die Live-Tracking-App holen und selbst die Waldrapp-Migration verfolgen. Alle Waldrappe des Artenschutzprojekts „LIFE20“ sind mit GPS-Sendern ausgestattet, die regelmäßig in Echtzeit die Positionen auf eine Datenbank übertragen. Die Vögel fliegen nämlich im Winter in den Süden. Laut den Informationen auf der Waldrappteam-Homepage ist auch heuer wieder eine menschengeführte Migration nach Andalusien geplant. Die Vorbereitungen dazu haben bereits begonnen, es sollen wie im Vorjahr 35 Küken mit der Hand aufgezogen werden. Beginn der Handaufzucht ist voraussichtlich Anfang April. Statt in das Wintergebiet in der Toskana wollen sie in den Süden Spaniens fliegen, um die Jungvögel dort auszuwildern. Die globale Klimaerwärmung wird auch für die Waldrappen zur Herausforderung. Die Vögel der Kolonien des nördlichen Alpenvorlandes haben zunehmend Probleme im Herbst die Alpen zu überfliegen. Ein neuer Migrationskorridor nach Andalusien soll ihnen ermöglichen, ein geeignetes Wintergebiet zu erreichen, ohne durch die Barriere der Alpen daran gehindert zu werden.
Wo ist „Paride“ jetzt?
Seinen Abstecher in Tanzenberg konnte der Weltenbummler nur für kurze Zeit genießen. Die Birdmanagerin erklärt, dass der Waldrapp „Paride“ jetzt in Burghausen ist, weil es dort so viele Weibchen gibt und sie männliche Verstärkung benötigen. Die Stadt Burghausen liegt an der Salzach in Oberbayern, unmittelbar an der Grenze zu Österreich. Dort darf er sich den schönen Damen widmen. Kleiner Fun Fact: „Paride“ flirtet ab und zu auch mit Menschen. Der Grund für sein Balzen ist die Liebe zum Menschen, da er mit der Hand aufgezogen wurde. Aber Achtung! Es gibt wichtige Verhaltensweisen, wenn du so einem seltenen Vogel begegnest. Auch wenn der Vogel zutraulich wirkt, bitte nur mit Abstand bewundern und auf keinen Fall streicheln oder füttern. Am besten einfach das Waldrappteam verständigen.