Kärntner Feuerwehr: „Wohnhäuser gleichen immer mehr kleinen Kraftwerken“
Im Frühjahr 2024 setzt die Kelag die zweite Photovoltaik-Ausbaustufe auf Dächern des Landesfeuerwehrverbandes um. Das haben wir zum Anlass genommen, um mit Landesfeuerwehrkommandant Rudolf Robin über das Thema zu sprechen.
Tatsächlich überraschten die Daten, die Landesfeuerwehrkommandant Rudolf Robin für uns bereithielt. Denn entgegen der landläufigen Meinung, sind die Photovoltaikanlagen kein großes, zusätzliches Thema für die Kärntner Feuerwehren. „Laut Schadensstatistik standen von 6.000 Brandfällen nur 20 in Verbindung mit Photovoltaik- oder solarthermische Anlagen“, erläutert Robin. „Von den Speichern, die teilweise in den Technikräumen und Wohnhäusern stationiert sind, gab es im vorherigen Jahr überhaupt keine Aufzeichnungen.“ Auch seien die Florianis im Bereich der Photovoltaik und Solarthermie bestens geschult und werden bei entsprechenden Schulungsanlagen in der Landesfeuerwehrschule ausgebildet.
Robins Tipp: „Auf Fachleute vertrauen“
Ebenso verhält es sich übrigens auch mit Elektrofahrzeugen. „Hier sieht es so aus, dass wir bei 2.000 Verkehrsunfällen in Kärnten zwei bis drei Ereignisse hatten, in die Elektrofahrzeuge verwickelt waren. Ob die Batterie hier das Problem gewesen ist, lässt sich aus den Daten nicht herauslesen.“ Es sei jedenfalls kein zusätzliches Problem, mit dem die Feuerwehr nicht umgehen können, betont Robin. „Seit zehn Jahren arbeiten wir daran, die Feuerwehrleute auf das Thema der alternativen Antriebssysteme zu sensibilisieren. Auch haben wir Kooperationspartner, die uns unterstützen, sollte es wirklich zu einem Brand kommen.“ Generell rät der Landesfeuerwehrkommandant auch anderen dazu, auf Fachleute zu vertrauen: „Sie können anlassbezogen darüber urteilen und euch genau erklären, wie ihr eure E-Scooter am besten handhabt oder wo die Photovoltaikpanels, Speicher und Wechselrichter positioniert werden sollten.“ Laut Robin würden unsere Wohnhäuser immer mehr kleinen Kraftwerken gleichen. „Da braucht es eben einen Experten, der individuell berät.“
LAWZ bis zu zehn Tage Energie-autark
Echte Herausforderungen seien für die Feuerwehr hingegen ein mögliches Blackout, also ein längerfristiger Stromausfall, oder Extremwetterereignisse. Darauf bereite man sich intensiv vor. So kann die Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) bis zu zehn Tage Energie-autark agieren. „Immerhin handelt es sich hierbei um kritische Infrastruktur, die immer funktionieren muss“, so Robin. Er ist sich sicher: „Gerade, wenn es um Extremwetterereignisse geht, steht uns noch einiges bevor. Wir befinden uns mitten im Klimawandel und die Entwicklung der Temperaturkurve vom Jahr 2000 bis 2024 verhält sich gleich, wie die Entwicklung der Einsätze.“ Beide steigen exponentiell an. „Darum versuchen wir, die Feuerwehren bestmöglich auszurüsten, zu unterstützen und auszubilden“, versichert Robin abschließend.