Kärntens Baubranche steht weiter massiv unter Druck
Die Lage für Kärntens Gewerbe- und Handwerksbetriebe bleibt trüb: Steigende Preise für Rohstoffe, Energie, Steuern und Abgaben sowie hohe Lohnkosten treiben ihnen die Sorgenfalten auf die Stirn. Von Erholung noch keine Spur.
Die anhaltende Konsumzurückhaltung der Verbraucher macht Kärntens Gewerbe- und Handwerksbetrieben schwer zu schaffen. „Das Handwerk blickt auf ein durchwachsenes Jahr zurück. Lichtblicke waren leichte Umsatzsteigerungen. Schattenseiten zeigten sich in Form von Lieferengpässen, Materialknappheit, inflationsbedingten Preissteigerungen und einem Fachkräftemangel. Die Aussichten für die kommenden Monate sind verhalten“, weiß Klaus Kronlechner, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten.
Rückblick auf das Jahr 2023
Die Umsätze sind im Vorjahr nominal gestiegen, inflationsbereinigt jedoch real um
6,1 Prozent gesunken. Ein gutes Drittel der Betriebe meldete für 2023 Steigerungen von durchschnittlich 13,1 Prozent gegenüber 2022, bei 41 Prozent der Betriebe blieb der Umsatz auf Vorjahresniveau. Rund ein Viertel verzeichnete Rückgänge von durchschnittlich 12,5 Prozent. Der Anstieg der Verkaufspreise lag mit 7,5 Prozent nahezu auf dem Niveau der Inflationsrate. Kleiner Lichtblick: Die Exportquote stieg auf 8,6 Prozent.
Baubranche weiter massiv unter Druck
Die Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe beurteilen die Geschäftslage im 1. Quartal 2024 schlechter als im Vorjahresquartal. Auch für das 2. Quartal 2024 sind die Erwartungen sowohl für den Auftragseingang als auch für den Umsatz eingetrübt. Sorgenkind bleibt das Bauhauptgewerbe, das auf den Haus- und Wohnungsbau spezialisiert ist. Kronlechner führt aus: „Die Kärntner Bauwirtschaft, mit rund 2,3 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und 40.000 Beschäftigten in 5.000 Betrieben ein wichtiger Konjunkturmotor, steht beim Wohnungsneubau massiv unter Druck. Eigenheimbauwillige warten auf die Ausgestaltung der Kreditgewährung und der von der Bundesregierung beschlossenen Zinsenstützung. Im Bereich der Eigentumswohnungen verhindert die Kärntner Wohnbauförderung, die von unrealistisch niedrigen Preisen ausgeht, eine positive Entwicklung. Wer eine Eigentumswohnung von einem Bauträger kaufen möchte, geht bei einer Förderung meist leer aus. Hier muss die Politik endlich nachbessern.“ Fahrt aufnehmen könnte die Branche mit dem Handwerkerbonus plus, die Beschlussfassung im Parlament steht jedoch noch aus.
Unsicherheit widerspiegelt sich in den Erwartungen
„Sowohl in den investitionsgüter- als auch in den konsumnahen Branchen sind die Erwartungen für das 2. Quartal 2024 zwar negativ, aber nicht mehr so stark wie im Vorjahr. Der Pessimismus hat abgenommen“, so Kronlechner. Während die konsumnahen Branchen wie Lebensmittel, Personaldienstleister aber auch Kfz-Werkstätten mit positiven Erwartungen in Bezug auf Auftragseingänge und den Umsatz ins 2. Quartal 2024 gehen, blickt die Sparte Gesundheit/Wellness und vor allem das Bauhauptgewerbe negativ auf die kommenden Monate. Am meisten und am häufigsten „drückt“ das Gewerbe und Handwerk im Jahr 2024 die Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit durch Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien (62 Prozent) sowie Energie (51 Prozent). Der Fachkräftemangel wird von 47 Prozent der Befragten massiv empfunden.
Ausblick
Für das Jahr 2024 herrscht grundsätzlich Zuversicht, welche die Unternehmen verhalten, aber positiv in die Zukunft blicken lässt. Sorgen bereiten ihnen die flaue Kundennachfrage und steigende Kosten. Der Fachkräftemangel wird zunehmend zum Engpass. Mit zu wenigen Arbeitskräften kann es keine erfolgreiche Entwicklung geben“, betont Kronlechner abschließend.