Trinkwasser-Verunreinigung: So lange müssen sich Klagenfurter noch gedulden
Die Stadt Klagenfurt gab in der heutigen Pressekonferenz ein Update zum aktuellen Status des Trinkwassers. Es wird darüber informiert, wie lange diese Situation noch dauert und wann frühestens mit einer Freigabe zu rechnen ist.
Seit Mitte September ist das Wasser in Klagenfurt verunreinigt. In einigen Gebieten ist es jedoch wieder sauber und man kann es ohne Bedenken trinken. Doch die Ursache ist bis heute noch nicht bekannt. Am heutigen Mittwoch, dem 9. Oktober, gab es einige Informationen zum aktuellen Status. Die heutige Pressekonferenz gibt Aufschluss darüber, wie lange diese Situation noch andauern soll.
Scheider: „Uns ist wichtig transparent zu informieren“
Bürgermeister Christian Scheider eröffnet die Pressekonferenz mit den Worten: „Uns ist wichtig, transparent zu informieren.“ Die 14. Sitzung des Einsatzstabes hat gestern getagt, beinahe täglich wird die Lage besprochen und Maßnahmen gesetzt. „Am 20. September um 12 Uhr habe ich die Info von einer Wasserverunreinigung bekommen, dann haben wir uns sofort zusammengesetzt. Um 12.40 Uhr haben wir bereits die Medien informiert und dann am Nachmittag bereits die Organisationen getroffen“, so Scheider. Am Samstag habe es bereits erste Wasserausgaben auf dem Parkplatz der Stadtwerke gegeben. Schon am Sonntag wurde diese Aktion ausgebreitet. Gemeinsam mit den Stadtwerken Klagenfurt sei es organisiert worden, dass für ganz Klagenfurt täglich Wasser ausgegeben wurde, sowie beispielsweise am Messeparkplatz. Hier erfolgte auch eine Zulieferung an Menschen, die nicht persönlich erscheinen konnten. Am Messeparkplatz konnten bereits 130.000 Liter am Messeparkplatz ausgegeben werden.
Scheider: „Aus unserer Sicht alles richtig gemacht“
Die Freigaben erfolgten stets in Absprache mit Medizinern. „Wenn wir ein Gebiet freigeben, müssen wir zu 100 Prozent sicher gehen. 70.000 Menschen können das Wasser wieder aus dem Wasserhahn trinken, der Rest ist noch nicht freigegeben“, so der Bürgermeister. Zur Kritik äußerte sich Scheider ebenfalls: „Dass wir anscheinend nicht mit dem Land kooperieren – wir haben von mehreren Abteilungen das Land beim Stab dabeigehabt, die Landesbeteiligten haben gesagt, dass die richtigen Schritte von der Stadt eingeleitet wurden.“ Auch sei Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie (Umweltmedizin) als ausgewiesener Experte außerhalb des Landes Kärnten hinzugezogen worden. „Er wird über die Schritte informiert und bringt seine Meinung ein“, so der Bürgermeister weiter. Überdies bedankt sich Scheider für die angebotene Hilfe seitens des Villacher Bürgermeisters Günther Albel und des Bürgermeisters von St. Veit Martin Kulmer. Abschließend folgte noch ein Appell des Bürgermeisters: „Das ist ein hochsensibles Thema, es sollen keine Fehlinfos verbreitet werden, das geht insbesondere an die Politik. Wir können jede Frage beantworten und wir haben aus unserer Sicht alles richtig gemacht.“
Smole: „In den nächsten zwölf Tagen nicht mit einer Freigabe zu rechnen“
Stadtwerke Klagenfurt AG Vorstand DI Erwin Smole informiert darüber, warum es so schwer sei weitere Gebiete freizuschalten. „Wir haben sofort mit weiteren Proben begonnen, es haben damals hauptsächlich im Westen die Werte angeschlagen, rasch wurden einige Gebiete freigegeben. Wir sind auf einem guten Weg“, so Smole. „Wir hatten es ein paar mal, dass die Proben nicht angeschlagen haben, aber einzeln doch, deswegen kann noch nicht alles freigegeben werden“, informiert Smole weiter. Es benötige eine amtliche Prüfung mit einer Dauer von drei Tagen, und diese sei die Basis für die Entscheidung der Behörde. Smole informiert weiters, dass eine Woche lang grüne Proben vorliegen müssen, bis über eine Freigabe gesprochen werden kann. „Wir müssen sicher noch zwei Wochen oder mehr durchhalten, die letzten 30 Prozent sind am schwersten. In den nächsten zwölf Tagen ist nicht mit einer Freigabe zu rechnen“, heißt es von Smole abschließend. Aktuelle Informationen bezüglich der Trinkwassersituation können auf der Website der Stadtwerke Klagenfurt eingesehen werden.
Smole: „Wir sind noch auf der Suche“
Smole informiert weiter zur Frage, von wo die Verunreinigung kommt: „Es ist ein einmaliger Eintrag, es ist kein Loch, wo immer mehr reinkommt, wir sind noch auf der Suche, aber es ist nichts undicht.“ Die Werte seien sehr gering und es komme kein höherer Wert nach. „Es könnte zum Beispiel von einem Privatbrunnen sein, der zum Wassersystem dazu gekommen ist, man weiß es aber nicht“, heißt es von Smole. Manche Proben werden innerhalb von 15 Minuten ausgewertet und manche nach 24 Stunden. Überdies informiert Smole darüber, dass sich die Kosten bis jetzt auf eine halbe Million Euro belaufen.
Germ: „Halbe Million Liter Wasser für Bevölkerung ausgegeben“
Leiter des Einsatzstabes Wolfgang Germ informiert zur aktuellen Lage: „14 Mal schon wurde der Stab zusammengesetzt. Die Lage wird immer aufs Neue bewertet und neu festgestellt.“ Bis Freitagabend wird noch Wasser am Messeparkplatz ausgegeben, danach wieder bei den Stadtwerken in der Kraßnigstraße. Für die Bevölkerung der Stadt Klagenfurt sei eine halbe Million Liter Wasser ausgegeben worden. „Durch die vielen Petflaschen sind die gelben Säcke voll – es wird extra eine Einsammeltour geben“, so Germ. Es gäbe keine Wasserbeschränkung bei der Wasserausgabe. Sechs Liter pro Person werden ausgegeben, aber bei Bedarf können auch Kanister mit mehr Wasser ausgegeben werden. Abschließend gibt Germ Auskunft über eine wichtige Information: „Ab Samstag 8 Uhr werden alle Schulen, Kindergärten und Personen, die das Haus nicht verlassen können, von den Stadtwerken mit Wasser beliefert.“
Hutter: „Es gelten extrem strenge Grenzwerte, ob Trinkwasser genießbar ist“
Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie (Umweltmedizin), informiert darüber, dass es grundlegende Säulen und extrem strenge Grenzwerte braucht, ob das Trinkwasser genießbar ist oder nicht. „In dem Moment, wo das überschritten ist, ist es egal, ob es eine Bakterie oder 1000 sind, es sind Maßnahmen zu ergreifen aufgrund der Vorsorge und zum Schutz der Bevölkerung.“ Außerdem müsse die Bevölkerung mit ausreichend Trinkwasser versorgt werden, mittels Wasserausgabestellen oder auch Abkochen des Wassers. Außerdem müsse durchgehend offensiv transparent informiert werden, was passiert, was geplant ist und warum etwas länger dauert. „Wenn es eine Freigabe gibt, dann nur, wenn es innerhalb der strengen Grenzwerte liegt. Wir müssen mit gutem Gewissen freigeben, damit so etwas nicht noch einmal passiert“, heißt es weiter seitens Hutter. Die Werte, die jetzt vorliegen, sind Enterokokken und eine Verunreinigung. „Es können andere Erreger mitschwimmen, eine Verunreinigung besteht nicht aus einem, sondern kann mehrere Gründe haben. Die Verunreinigung ist eigentlich minimal, aber der strenge Grenzwert schreibt dies so vor und es dient der Vorsorge“, so Hutter.
Hutter: „Können nicht freigeben und drei Tage später wieder nicht“
Der Facharzt informiert weiter: „Es benötigt ein genaues Hinschauen, für einige dauert es ’sehr‘ lange. Nüchtern betrachtet kann man sagen, dass es schnell war, aufgrund der Komplexität des Falles müssen wir Schritt für Schritt vorgehen und keine Fehler machen, wir können nicht freigeben und drei Tage später wieder nicht“. Es sei für alle möglich, sauberes Trinkwasser zu bekommen und zum Duschen etc. sei das Leitungswasser nutzbar. „Wir bitten um Geduld und Verständnis, dass es nicht so rasch geht“, so Hutter abschließend.