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Das Bild auf 5min.at zeigt einen Fliegenpilz und im Vordergrund ist ein Bild auf dem eine Frau von einer Schokolade abbeißt. Daneben befindet sich ein "Achtung" Zeichen.
Muscimol könnte in Kombination mit Opiaten sogar bis zu einer Atemlähmung führen.

Schokolade mit psychoaktiven Pilzen: So gefährlich kann der Rausch werden

Ein Klagenfurter Paar erlitt nach dem Verzehr von Muscimol-Schokolade Halluzinationen und Orientierungslosigkeit, die Frau verletzte sich schwer. Doch wie sieht die rechtliche Lage zu Lebensmitteln mit Muscimol in Österreich aus?

von Julia Mannsfeld Logo 5 Minuten
2 Minuten Lesezeit(284 Wörter)
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Ein Paar aus Klagenfurt konsumierte in der Nacht zum 7. Januar 2025 Schokolade, die mit psychoaktiven Pilzen versetzt war. Die Schokolade, die sie aus einem Automaten bezogen hatten, war offenbar mit einer zu hohen Dosis des Wirkstoffs Muscimol, der unter anderem im Fliegenpilz vorkommt, angereichert. Aufgrund der intensiven Wirkung verloren die beiden die Orientierung, und die 40-jährige Frau zog sich vermutlich während eines Drogenrausches eine Verletzung zu.

Frau schwer verletzt und blutend aufgefunden

Am Vormittag suchte der 46-jährige Mann einen Friseursalon auf, da er verwirrt war und sich zunächst nur schwer verständigen konnte. Schließlich gelang es ihm, der Mitarbeiterin zu erklären, dass er und seine Partnerin eine Substanz eingenommen hätten und nun Hilfe benötigten. Zusammen mit der Polizei kehrte der Mann in die gemeinsame Wohnung zurück. Dort wurde die Frau schwer verletzt und blutend aufgefunden. Die Rettungskräfte brachten sie ins Krankenhaus.

Frau zog sich Verletzungen selber zu

Zunächst bestand der Verdacht, dass der Mann für die Verletzungen verantwortlich sein könnte, doch die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass dies nicht der Fall war. Es wurde auch eine Tat durch eine andere Person ausgeschlossen, da keine entsprechenden Spuren gefunden wurden.

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Muscimol in Österreich

Doch wie sieht die rechtliche Lage in Österreich in Bezug auf Lebensmittel mit Muscimolzusatz aus? 5 Minuten hat für euch beim Amanita Muscaria Institut nachgefragt, das sich mit der Aufklärung über die kulturelle, historische und rituelle Verwendung des Fliegenpilzes beschäftigt. Marco Cruz da Silva, der Präsident des Instituts, und Melanie Kühnlein (aktives Mitglied) von der Amanita-Öffentlichkeitsarbeit geben Antworten auf Fragen rund um Musicmol und dessen Gefahren.

Interview mit Marco Cruz da Silva und Melanie Kühnlein

5 Minuten: Dürfen Lebensmittel mit Muscimol überhaupt verkauft werden?

Marco Cruz da Silva: Der Fliegenpilz ist gemäß der novel food Verordnung der Europäischen Union ein nicht verkehrsfähiges Lebensmittel, da es kein erfolgreiches Zulassungsverfahren für den Fliegenpilz gab und eine Zulassung als Lebensmittel sehr unwahrscheinlich erscheint. Der Verkauf in Form von Shots, Gummibären oder Schokolade verstößt daher gegen diese Verordnung. Wir verurteilen es ausdrücklich, solche Produkte in den Verkehr zu bringen. Gerade der Verkauf in Automaten, welche die Menschen mit bunten Verpackungen zum spontanen Konsum zu jeder Tageszeit animieren, stellen ein großes Risiko dar.

Welche Auswirkungen hat Muscimol auf den Körper eines Menschen? Und was könnte die schlimmste Folge sein?

Marco Cruz da Silva: In niedrigen Dosen wird Muscimol entspannend. In hohen Dosierungen kann es zu unkontrollierten Handlungen, Delirium und Verwirrung führen. Muscimol kann – ähnlich wie Benzodiazepine – im Mischkonsum gefährlich werden, insbesondere in Kombination mit Opiaten/Opioiden, was bis zu einer Atemlähmung führen kann.

Melanie Kühnlein: Muscimol wirkt entspannend und angstlösend auf das vegetative Nervensystem. Sanftere Alternativen sind hier Klassiker wie Kamille, Lavendel und Passionsblume. Je höher die Dosierung, desto stärker ist die Wirkung – bis hin zu Rausch, Delirium und komatösem Zustand. Andere Auswirkungen, wie intensive emotionale Erregung (z. B. Rage), sind bei reinem Muscimol eher nicht zu erwarten, auch wenn diese Teil der Erfahrung mit dem Fliegenpilz sein können.

Ab welcher Dosierung gilt der Inhaltsstoff als gefährlich?

Marco Cruz da Silva: Das lässt sich leider nicht pauschal sagen, da jeder Mensch anders reagiert.

Melanie Kühnlein: Menschen reagieren höchst unterschiedlich und die Schwankungsbreite von als verträglich erlebten Dosierungen schwankt enorm. Es ist nicht mit der relativ gut eingrenzbaren Schwankungsbreite von psilocybinhaltigen Pilzen vergleichbar.

Was würden Sie jemandem raten, der Muscimol eingenommen hat und dem es dadurch nicht gut geht?

Marco Cruz da Silva: Sich ärztliche Hilfe suchen und eine Probe des Produkts analysieren lassen, um herauszufinden, ob wirklich Muscimol oder andere Stoffe enthalten waren.

Melanie Kühnlein: Das kommt auf den Zustand an, jedoch ist es immer hilfreich, Ruhe zu bewahren und für körperliche Sicherheit zu sorgen, um Unterkühlung oder Gefährdung durch Erbrechen zu vermeiden. Viele Menschen erleben es als unterstützend, wenn sie Begleitung durch einen Freund oder eine Freundin haben. Die meisten werden nach einer erhöhten Dosis tief schlafen und ohne weitere Auswirkungen am nächsten Tag wach werden.

Gibt es Personen, die empfindlicher auf den Wirkstoff reagieren, als andere?

Marco Cruz da Silva: Ja, es gibt Menschen, die schon auf ein Milligram reagieren können, obwohl die Wissenschaft von fünf Milligram als spürbare und psychoaktive Menge Muscimol ausgeht.

Melanie Kühnlein: Oft werden intensivere Erfahrungen dann als herausforderd erlebt, wenn man wenig Erfahrung mit bewusstseinsbeeinflussenden Substanzen hat, insbesondere dem Fliegenpilz. Vorsicht geboten ist bei bekannten Vorbelastungen des Herz-Kreislaufsystems oder psychischen Erkrankungen wie bipolaren Störungen oder Schizophrenie. Hier kann es angeraten sein, ärztliche Unterstützung hinzuzuziehen, ebenso, wie wenn sich die betroffene Person überfordert fühlt von der Situation.

Das Bild auf 5min.at zeigt Marco Cruz da Silva Präsident vom Amanita Muscaria Institut.
©amanita-muscaria-institut
Marco Cruz da Silva leitet das Amanita Muscaria Institut.

Häufig gestellte Fragen:

Muscimol ist eine psychoaktive Substanz, die hauptsächlich in bestimmten Pilzen vorkommt, insbesondere im Fliegenpilz (Amanita muscaria).

Benzodiazepine sind eine Gruppe psychoaktiver Substanzen, die aufgrund ihrer beruhigenden, angstlösenden, sedierenden und muskelrelaxierenden Eigenschaften häufig in der Behandlung von Angststörungen, Schlafstörungen, Muskelverspannungen sowie in der Anästhesie verwendet werden.

Opiate sind eine Gruppe von natürlichen oder halbsynthetischen chemischen Substanzen, die aus dem Schlafmohn  gewonnen werden oder auf diesen Substanzen basieren.

Das Amanita Muscaria Institut klärt über die kulturelle, historische und rituelle Verwendung des Fliegenpilzes auf und fördert die Wiederentdeckung der Amanita-Kultur.

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