Regierung plant große Änderung bei Pensionen in Österreich
Mittlerweile schon im dritten Jahr ist die anteilige Pensionsaliquotierung ausgesetzt, alle Neu-Pensionisten bekommen also bei der ersten Erhöhung die volle Inflation abgegolten. Die Regierung plant hier aber eine Neuerung.
Mit den Pensionen hat die neue Regierung bestehend aus ÖVP, SPÖ und NEOS generell viel vor. So soll das faktische Antrittsalter durch mehrere Maßnahmen, die Arbeiten im Alter fördern, angehoben werden. Generell sind in diesem Punkt Einsparungen in der Höhe von fast drei Milliarden Euro bis 2031 geplant. Dazu sollen auch schon bald die Krankenversicherungs-Beiträge erhöht werden. Mehr dazu hier: Ab diesem Tag werden Pensionen in Österreich gekürzt.
50 prozentige Aliquotierung bei erster Pensionsanpassung?
Doch wer das 210 Seiten lange Regierungsprogramm genau durchliest, wird noch einen weiteren Passus finden: „Aliquotierung: 50 Prozent bei der erstmaligen Pensionsanpassung“. Für die Pensions-Neulinge aus den Jahren 2023, 2024 und 2025 wurde die anteilige Streichung der ersten Inflations-Anpassung generell ausgesetzt, man hat also direkt die volle Erhöhung bekommen. Nun sieht es jedenfalls danach aus, dass die Regierung diese wieder zurückbringen will – mit einer gewichtigen Änderung. Wir haben für euch nachgeforscht.
Was ist die Pensions-Aliquotierung?
Bei der Aliquotierung der Pensionen handelt es sich um eine anteilige „Kürzung“ der ersten Inflations-Anpassung im Jahr nach dem Ruhestands-Antritt. „Das ursprüngliche Modell bedeutet, dass es vom Antrittsmonat abhängt, wie hoch die Anpassung ausfällt. Je später im Jahr man den Ruhestand antritt, umso geringer wird die Erhöhung“, weiß dazu Pensionistenverband-Präsident Peter Kostelka gegenüber 5 Minuten.
Ziel ist, „Pensionssystem nachhaltig fit zu gestalten“
Aus der ÖVP-Bundespartei heißt es gegenüber 5 Minuten, dass sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt habe, „unser Pensionssystem nachhaltig fit zu gestalten“, damit sich jeder auf das System auch verlassen könne. Eines der Ziele sei dabei „die Neugestaltung der Aliquotierung“ und „gleichmäßigere Ergebnisse“. Die 50 Prozent würden dabei „einheitlich für alle gelten, unabhängig vom Zeitpunkt des Pensionsantritts“, so die ÖVP-Bundespartei weiter. Man betont allerdings, dass es sich dabei „nicht um eine Sparmaßnahme, sondern um eine gerechtere Regelung“ handle. Weitere Details müssten erst ausverhandelt werden.
Neue Pensions-Aliquotierung ist „schwacher Kompromiss“
Sowohl Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec als auch Pensionistenverband-Präsident Peter Kostelka erklären auf Nachfrage von 5 Minuten, dass man stets für die dauerhafte Aussetzung der Aliquotierung eingetreten sei. Man wolle über diesen Punkt „mit der Regierung jedenfalls noch verhandeln“, so Korosec. Kostelka sieht hier „höchstens“ einen „schwachen Kompromiss“: „Es ist zwar kein Lotteriespiel mehr, bei dem man immer weniger bekommt, je später man im Jahr in Pension geht. Von einer ‚gerechteren Regelung‘ kann aber wirklich keine Rede sein.“
Wie viel Pension bekommst du netto?
Das bedeutet die 50 prozentige Aliquotierung für Neu-Pensionisten
Die nun angedachte Regelung, wonach jeder den gleichen Abschlag hinnehmen müsste, sei „zwar gerechter, aber trotzdem nimmt man den Betroffenen im ersten Jahr die Hälfte weg“, beklagt Kostelka. Geht man nun von einer drei-prozentigen Inflation aus, würden bei einer Pension von 2.000 Euro immerhin einen Abschlag von 420 Euro pro Jahr ergeben, auf 20 noch realistische Lebensjahre gesehen sind das mehr als 8.400 Euro brutto, die Pensionisten weniger bekommen. „Und je höher die Inflationsanpassung ausfällt, desto stärker wirkt sich das natürlich auf den Pensions-Neuling aus“, wissen die beiden Seniorenrats-Präsidenten.
Beispiele: So viel verlieren Pensionisten durch 50 prozentige Aliquotierung
- monatlich 1.300 Euro: Verlust von über 5.000 Euro auf 20 Jahre gesehen
- monatlich 1.700 Euro: Verlust von fast 6.000 Euro auf 20 Jahre gesehen
- monatlich 2.000 Euro: Verlust von 420 Euro pro Jahr
Häufig gestellte Fragen
Prinzipiell gibt es eine Pensions-Aliquotierung, allerdings wurde diese für die Antritts-Jahre 2023, 2024 und 2025 ausgesetzt. Die Regierung plant nun eine Neuerung bei den Pensionen und damit einhergehend eine 50 prozentige Aliquotierung für alle Neupensionisten.
Die Pensionserhöhung hat mit Jänner 2025 insgesamt 4,6 Prozent betragen, womit genau die Inflation ausgeglichen wurde.
Ja, die Krankenversiccherungs-Beiträge für Pensionisten sollen in Österreich mit 1. Juni von 5,1 auf sechs Prozent erhöht werden.
Transparenzhinweis:
Korrektur: In einer früheren Version des Artikels wurde behauptet, die Regierung wolle bis 2031 mit den Pensionen fast drei Millionen Euro einsparen. Es handelt sich natürlich um geplante Einsparungen in der Höhe von drei Milliarden Euro. Der Artikel wurde dahingehend am 14. März 2025 um 11.58 Uhr aktualisiert.