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Das Bild auf 5min.at zeigt eine verzweifelte Frau, im Hintergrund sind Drogen zu sehen.
Auch für Angehörige ist die Drogenabhängigkeit ihrer Liebsten oft eine schwere Belastung.

Wenn das eigene Kind süchtig ist: Neue Selbsthilfegruppe in Kärnten

In Kärnten gibt es eine neue Selbsthilfegruppe für Angehörige von Drogensüchtigen. Wir haben mit der Leiterin und betroffenen Mutter Monika Kowatsch über das Projekt "Insiders" gesprochen.

von Gerrit Tscheru Das Bild auf 5min.at zeigt Gerrit Tscheru.
1 Minute Lesezeit(131 Wörter)
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Wenn ein geliebter Mensch in die Drogensucht abrutscht, ist es nicht nur für die Suchterkrankten eine Belastung. Auch die Angehörigen fühlen sich oft hilflos, überfordert und allein und investieren oft viel Zeit, Kraft und auch Geld, um zu helfen. Genau hier setzt die neue Kärntner Selbsthilfegruppe (SHG) „Insiders“ an, die Unterstützung für Familienmitglieder von Drogenabhängigen bietet. In einem geschützten Raum können Betroffene ihre Sorgen teilen, Verständnis erfahren und neue Wege finden, mit der herausfordernden Situation umzugehen. Wir haben mit Monika Kowatsch, deren Sohn ebenfalls von Drogenabhängigkeit betroffen ist und die die Gruppe seit Feber 2025 leitet, ein Interview über „Insiders“ und die Herausforderungen für Angehörige geführt.

Interview mit Insiders-Leiterin Monika Kowatsch

5 Minuten: Wer steckt hinter der SHG Insiders?

Monika Kowatsch: Es sind ausschließlich Angehörige, vor allem Mütter von drogenabhängigen bzw. drogenkranken Kindern (Jugendliche und Erwachsene).

Warum wurde der Name SHG Insiders gewählt?

Unter „Insider“ versteht man das Mitglied einer Gemeinschaft, der bestimmte Situationen oder Verhältnisse als Eingeweihter genau kennt. Und dies soll unsere SHG repräsentieren. Es soll ein sicherer Ort für diejenigen sein, die zusehends mit dem übermäßigen Konsum illegaler Substanzen eines geliebten Menschen konfrontiert werden.

Wie ist die Idee zur Gründung der Selbsthilfegruppe entstanden?

Der Dachverband Selbsthilfe Kärnten hat immer wieder Anfragen von Betroffenen erhalten, da es leider in ganz Kärnten keine SHG dieser Art gegeben hat. Sechs Studierende der Fachhochschule Kärnten vom Studienzweig Soziale Arbeit wandten sich im Rahmen ihres Masterstudiums  an den Dachverband. Sie wollten ein Projekt zum Thema Selbsthilfe  durchführen. Der Dachverband half ihnen dann, mit Angehörigen von Drogenabhängigen in Kontakt zu treten.

Seit wann gibt es die Gruppe?

Seit dem Sommer 2024 fand monatlich immer ein Treffen statt, wobei immer Studierende von der Fachhochschule Feldkirchen dabei waren.
Im Jänner 2025 fand das letzte Treffen statt, wo die Studierenden auch noch dabei waren. Seit Februar 2025 hab ich dies mit noch einem Mitglied der Insiders übernommen.

Welche Unterstützung bietet die Gruppe?

Die Gruppe bietet vor allem Austausch und Erfahrungen bezüglich der Abhängigkeit und auch bezüglich psychologischer Hilfe bzw. Informationen  über Therapiestellen für die Drogenkranken. Es sei aber gesagt, dass wir alle Angehörige sind und keine professionelle Ausbildung bezüglich dieser Angelegenheit haben. Wir sind aber leider Profis in dem, was alles passieren kann, und es braucht sich keiner zu schämen, darüber zu reden. Dafür ist die Gruppe ja gedacht. Hier kann man sich ohne Vorbehalt austauschen. Und wenn jemand einen besonderen Wunsch hat, hilft uns der Dachverband, dass man dies eventuell verwirklichen kann.

Wie läuft ein typisches Treffen ab?

Jeden ersten Donnerstag des Monats um 18 Uhr außer an Feiertagen, daher ist es im Mai am zweiten Donnerstag (8. Mai). Es kann jeder kommen, der sich angesprochen fühlt, es können auch Geschwister oder Großeltern usw. kommen. Und dann wird einfach geredet, jeder, der will, kann seine Geschichte oder was ihn gerade bedrückt, erzählen oder man kann einfach auch nur zuhören.

Was sind die größten Belastungen für Angehörige von Drogenabhängigen?

Man lebt immer mit der Angst, was wird als Nächstes passieren (Polizei, Überdosis …). Und wenn sie sich für einen Entzug entschlossen haben, immer die Sorge: Wird es jetzt klappen, und wird er/sie es durchhalten, bis die Langzeitreha angetreten wird? Weil ohne Reha klappt es so meistens nicht. Wenn sie wieder Arbeit haben, die Hoffnung, hoffentlich klappt es jetzt. Dann ist bei vielen auch noch der finanzielle Druck. Von außen bekommt man eigentlich auch kaum Hilfe und irgendwie zieht man sich auch immer mehr von der Gesellschaft zurück, da das Thema sehr heikel ist und in der Gesellschaft wird man ja als Drogenabhängiger und zum Teil auch als Angehörige sehr diffamiert. Es ist eigentlich interessant, da hat ein Alkoholiker fast noch den besseren Status. Liegt es daran, dass es legal ist? Oder weil es die einzige Droge ist, bei der es heißt, warum trinkst denn heute nichts, sei nicht so fad?

Welche häufigen Fehler machen Angehörige oft im Umgang mit suchtkranken Personen?

Für mich ist das eine sehr heikle Frage, in die sich die Leute schwer hineinversetzen können, wenn sie nicht selbst betroffen sind. Weil wir Angehörige wissen sehr wohl, was wir nicht machen sollten. Aber das beim eigenen Kind umzusetzen, ist sehr schwierig. Man will das Kind nicht obdachlos unter der Brücke sehen oder vielleicht stirbt das Kind mit einer Überdosis und man hat es gerade vor die Tür gesetzt. Sicher kann es auch so passieren, aber ich könnte damit nicht leben. Also die Fehler wären dann, die ich jedoch nicht als Fehler sehe, sondern einfach als familiäres Verhalten:

  • Schulden zurückzahlen
  • Wohnung zahlen, obwohl der Betroffene selbst genug Geld hätte
  • Essen bezahlen usw.

Also man unterstützt sie in Dingen, in denen man es nicht mehr tun sollte.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit der Selbsthilfegruppe?

Wir stehen noch sehr am Anfang. Uns ist es jetzt vor allem einmal wichtig, dass Betroffene sich in der Gruppe austauschen können. Ich hab eventuell auch einmal vor, Präventionsarbeit in Schulen zu machen, aber dafür ist es jetzt noch zu früh, und auch weiß ich nicht, wie weit ich bzw. wir die Kraft dazu haben, da wir ja auch immer mit der Krankheit des Kindes konfrontiert sind.

Hast du schon einmal Drogen konsumiert?

Nein, das würde ich mich nie trauen.
Ich bin total gegen Drogen.
In meiner Jugend ein paar Mal.
Ich habe „nur“ gekifft.
Hin und wieder konsumiere ich etwas.

Treffen: SHG Insiders – Angehörige von Drogenabhängigen

Die Treffen finden immer am ersten Donnerstag im Monat (außer an Feiertagen) beim Dachverband Selbsthilfe Kärnten (Gutenbergstraße 7) in Klagenfurt statt. Der nächste Termin ist aufgrund des Feiertags am 1. Mai erst am 8. Mai.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 20.03.2025 um 08:58 Uhr aktualisiert
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