Wenn das eigene Kind süchtig ist: Neue Selbsthilfegruppe in Kärnten
In Kärnten gibt es eine neue Selbsthilfegruppe für Angehörige von Drogensüchtigen. Wir haben mit der Leiterin und betroffenen Mutter Monika Kowatsch über das Projekt "Insiders" gesprochen.
Wenn ein geliebter Mensch in die Drogensucht abrutscht, ist es nicht nur für die Suchterkrankten eine Belastung. Auch die Angehörigen fühlen sich oft hilflos, überfordert und allein und investieren oft viel Zeit, Kraft und auch Geld, um zu helfen. Genau hier setzt die neue Kärntner Selbsthilfegruppe (SHG) „Insiders“ an, die Unterstützung für Familienmitglieder von Drogenabhängigen bietet. In einem geschützten Raum können Betroffene ihre Sorgen teilen, Verständnis erfahren und neue Wege finden, mit der herausfordernden Situation umzugehen. Wir haben mit Monika Kowatsch, deren Sohn ebenfalls von Drogenabhängigkeit betroffen ist und die die Gruppe seit Feber 2025 leitet, ein Interview über „Insiders“ und die Herausforderungen für Angehörige geführt.
Interview mit Insiders-Leiterin Monika Kowatsch
5 Minuten: Wer steckt hinter der SHG Insiders?
Monika Kowatsch: Es sind ausschließlich Angehörige, vor allem Mütter von drogenabhängigen bzw. drogenkranken Kindern (Jugendliche und Erwachsene).
Warum wurde der Name SHG Insiders gewählt?
Unter „Insider“ versteht man das Mitglied einer Gemeinschaft, der bestimmte Situationen oder Verhältnisse als Eingeweihter genau kennt. Und dies soll unsere SHG repräsentieren. Es soll ein sicherer Ort für diejenigen sein, die zusehends mit dem übermäßigen Konsum illegaler Substanzen eines geliebten Menschen konfrontiert werden.
Wie ist die Idee zur Gründung der Selbsthilfegruppe entstanden?
Der Dachverband Selbsthilfe Kärnten hat immer wieder Anfragen von Betroffenen erhalten, da es leider in ganz Kärnten keine SHG dieser Art gegeben hat. Sechs Studierende der Fachhochschule Kärnten vom Studienzweig Soziale Arbeit wandten sich im Rahmen ihres Masterstudiums an den Dachverband. Sie wollten ein Projekt zum Thema Selbsthilfe durchführen. Der Dachverband half ihnen dann, mit Angehörigen von Drogenabhängigen in Kontakt zu treten.
Seit wann gibt es die Gruppe?
Welche Unterstützung bietet die Gruppe?
Wie läuft ein typisches Treffen ab?
Was sind die größten Belastungen für Angehörige von Drogenabhängigen?
Man lebt immer mit der Angst, was wird als Nächstes passieren (Polizei, Überdosis …). Und wenn sie sich für einen Entzug entschlossen haben, immer die Sorge: Wird es jetzt klappen, und wird er/sie es durchhalten, bis die Langzeitreha angetreten wird? Weil ohne Reha klappt es so meistens nicht. Wenn sie wieder Arbeit haben, die Hoffnung, hoffentlich klappt es jetzt. Dann ist bei vielen auch noch der finanzielle Druck. Von außen bekommt man eigentlich auch kaum Hilfe und irgendwie zieht man sich auch immer mehr von der Gesellschaft zurück, da das Thema sehr heikel ist und in der Gesellschaft wird man ja als Drogenabhängiger und zum Teil auch als Angehörige sehr diffamiert. Es ist eigentlich interessant, da hat ein Alkoholiker fast noch den besseren Status. Liegt es daran, dass es legal ist? Oder weil es die einzige Droge ist, bei der es heißt, warum trinkst denn heute nichts, sei nicht so fad?
Welche häufigen Fehler machen Angehörige oft im Umgang mit suchtkranken Personen?
Für mich ist das eine sehr heikle Frage, in die sich die Leute schwer hineinversetzen können, wenn sie nicht selbst betroffen sind. Weil wir Angehörige wissen sehr wohl, was wir nicht machen sollten. Aber das beim eigenen Kind umzusetzen, ist sehr schwierig. Man will das Kind nicht obdachlos unter der Brücke sehen oder vielleicht stirbt das Kind mit einer Überdosis und man hat es gerade vor die Tür gesetzt. Sicher kann es auch so passieren, aber ich könnte damit nicht leben. Also die Fehler wären dann, die ich jedoch nicht als Fehler sehe, sondern einfach als familiäres Verhalten:
- Schulden zurückzahlen
- Wohnung zahlen, obwohl der Betroffene selbst genug Geld hätte
- Essen bezahlen usw.
Also man unterstützt sie in Dingen, in denen man es nicht mehr tun sollte.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit der Selbsthilfegruppe?
Hast du schon einmal Drogen konsumiert?
Treffen: SHG Insiders – Angehörige von Drogenabhängigen
Die Treffen finden immer am ersten Donnerstag im Monat (außer an Feiertagen) beim Dachverband Selbsthilfe Kärnten (Gutenbergstraße 7) in Klagenfurt statt. Der nächste Termin ist aufgrund des Feiertags am 1. Mai erst am 8. Mai.