Conchitas Eltern sperren zu: Neuwirth-Gasthaus macht nach Ostern dicht
Nach über 30 Jahren ist Schluss: Das Gasthaus der Familie Neuwirth in Bad Mitterndorf sperrt nach Ostern für immer zu. Mit ihm verschwindet auch ein Stück Conchita-Geschichte – und eine steirische Institution.
In einem Wirtshaus, das mehr Geschichte als Speisekarten auf Lager hat, wird bald der Ofen ausgeschaltet – wortwörtlich. Nach Ostern sperrt das Gasthaus der Familie Neuwirth für immer zu. Die Küche bleibt kalt, das letzte Stammtischglas ist bald ausgeschenkt. Und mit dem Ende dieser Gaststätte endet auch ein Stück steirischer Popkultur. Denn hier, in diesem unscheinbaren Gasthof, ist niemand Geringerer als Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst aufgewachsen.
Wirtshaus mit Weltkarriere im Schlepptau
Was einst als kleine Stube in einem Kaufhaus begann, entwickelte sich unter der Ägide von Helga und Sigi Neuwirth zur inoffiziellen Pilgerstätte für Fans aus aller Welt. Zwischen Backrohr-Ripperln, Bierzapfanlage und Familienanschluss suchten Gäste nicht nur kulinarische Nähe, sondern auch ein Stück Conchita-Vergangenheit. Denn während in der Gaststube Theater gespielt und Bier gezapft wurde, versteckte sich der junge Thomas oft lieber am Dachboden – fernab der neugierigen Blicke, mit Stift, Musik und viel Fantasie. Später wurde aus der schüchternen Rückzugsecke eine internationale Bühne, aus dem Kind im Wirtshaus die ESC-Sensation von 2014.
Hendl statt Haute Couture – aber immer mit Herz
Helga stand jahrzehntelang am Herd, Sigi am Stammtisch – beide mit vollem Einsatz und einer ordentlichen Portion Schmäh. Dass die treue Stammkundschaft beim Endspurt gleich reihenweise anrückt, wundert niemanden. Wer will schon Abschied nehmen von einem Ort, wo selbst das Schnitzel einen Namen hatte? Das Ripperl ist mittlerweile Legende, die Speisekarte ein begehrtes Sammlerstück, die personalisierten Stammtischgläser heiß begehrt, und zwar nicht nur wegen der emotionalen Bindung, sondern auch wegen der Jahrzehnte Trinkleistung, die sie symbolisieren.
Die Wurst bleibt – das Gasthaus auch
Verkauft wird das Gasthaus übrigens nicht, wie die „Steirerkrone“ berichtet. Es bleibt in Familienbesitz, auch wenn unklar ist, was künftig daraus wird. Die Söhne schlagen andere Wege ein, Helga wechselt vom Gastraum zur Großstadt: mehr Zeit für Wien, für ihre Kinder und für das Leben nach dem Küchendienst.