
Montanuniversität Leoben erforscht die Zukunft des grünen Bergbaus
Nachhaltigkeit unter Tage: Europas Bergbau steht vor einem Umbruch. Denn für grüne Technologien braucht es mehr Rohstoffe – aber umweltfreundlich und sozial verträglich abgebaut. Die Montanuni Leoben zeigt, wie das geht.
Die Energiewende rollt an, E-Autos fahren, Windräder drehen sich, Solaranlagen glänzen auf Dächern – doch für die Technologie-Revolution braucht es Rohstoffe. Und die kommen oft aus dem Bergbau. Doch wie lässt sich das mit Nachhaltigkeit vereinbaren? Die Montanuniversität Leoben liefert Antworten. „Das stellt den Bergbau vor große Herausforderungen. Im Kontext der Energietransformation, wo wir aus der Abhängigkeit von fossilen Energierohstoffen wie Öl und Gas uns zu lösen versuchen, kommt ein nachhaltiger Bergbau ins Spiel“, sagt Michael Tost, Leiter des Lehrstuhls für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft. Der Experte betont: „Ein Bergbau, den wir aufgrund seiner bisherigen ökologischen Auswirkungen nun signifikant anders gestalten müssen.“

SUMEX: Nachhaltigkeit auf drei Säulen
Die Montanuni Leoben startete gemeinsam mit Partnern das Projekt SUMEX. Ziel: Ein europäischer Nachhaltigkeitsrahmen für den Bergbau. „In SUMEX wurden über 370 Good Practice Beispiele für Nachhaltigkeit in der mineralgewinnenden Industrie Europas in einer öffentlich zugänglichen Datenbank gesammelt“, so Tost. Drei Dimensionen stehen im Fokus: Ökologie, Soziales und Wirtschaft. Besonders spannend: Digitale Gebirgsanker mit GPS und KI könnten künftig für mehr Sicherheit im Bergwerk sorgen. „Ändert sich die Spannung signifikant, schlägt der digitale Anker Alarm – und der Abbauort kann evakuiert werden, noch bevor etwas passiert.“
Green Deal braucht Rohstoffe
Ob E-Mobilität oder Energiespeicher: Laut Prognosen werden bis 2050 rund drei Milliarden Tonnen Mineralien und Metalle benötigt. „Der Bedarf an Kobalt steigt um 330%, an Nickel um 100 %“, rechnet Tost vor. Recycling ist ein Teil der Lösung, aber eben nur ein Teil. Denn: „Der Materialinput soll vermehrt aus sekundären Quellen stammen und unabhängiger von Rohstoffimporten sein.“ Die Vision: Ein geschlossener Rohstoffkreislauf, wo Ressourcen effizient genutzt, Produkte länger verwendet und am Ende wiederverwertet werden. „Die Kreislaufwirtschaft wird den Rohstoffsektor weit über das Recycling hinaus beeinflussen“, so Tost. Hoffnung gibt’s also genug – jetzt heißt’s: anpacken, bohren und recyceln!