Neue Pensionsreform: Diese Änderungen erwarten die Österreicher
Die Regierung plant die größte Pensionsreform seit 20 Jahren: Später in Pension, weniger Geld im ersten Jahr und höhere Beiträge – für viele wird sich ab 2026 einiges ändern.
Die „größte Pensionsreform seit 20 Jahren„, so nennt NEOS-Klubobmann Yannick Shetty die Pläne der Dreierkoalition. Mit dem heutigen Freitag gehen erste Neuerungen in Begutachtung: Unter anderem geht es um die Korridorpension und die künftige Anpassungshöhe im ersten Pensionsjahr (Aliquotierung). Präsentiert wurde der Fahrplan heute von den Klubobleuten der ÖVP und NEOS – die SPÖ war dabei nicht vertreten. Das deute aber nicht auf einen Zwiespalt in der Regierung hin, betonten alle drei Parteien.
Geld reicht nicht mehr
Die geplanten Änderungen im österreichischen Pensionssystem werden jedenfalls für Ärger sorgen. Denn: Die Menschen sollen länger im Erwerbsleben gehalten werden. Sprich, das Pensionsantrittalter soll erhöht werden und die Personen demnach auch länger arbeiten. Die Reform sei laut ÖVP-Klubobmann August Wöginger notwendig, damit das Pensionssystem funktionstüchtig bleibe. Derzeit beziehen rund 2,5 Millionen Menschen in Österreich eine Pension – bis 2045 dürfte diese Zahl auf etwa 3,25 Millionen steigen. Shetty schlägt Alarm: Mit dem Umlageverfahren – der Finanzierung der Pensionen durch die Beiträge der Arbeitenden – würde man zudem nicht mehr auskommen und jedes Jahr 30 Milliarden Euro zuschießen müssen. Geld, das dann für Zukunftsthemen wie Bildung fehlt.
Pensionsantrittsalter wird angehoben – und das schneller als gedacht
Was erwartet die Österreicher jetzt konkret? Zum einen wird die Korridorpension schrittweise verschärft: Das früheste Antrittsalter steigt von 62 auf 63 Jahre, die nötigen Versicherungsjahre von 40 auf 42. Alle drei Monate, also in Quartalsschritten, wird um zwei Monate erhöht – bis das neue Ziel erreicht ist. Die Erhöhung des Antrittsalters wird ziemlich bald schon umgesetzt: Bereits ab 1. Jänner 2026 werden die Pläne umgesetzt. Ab 2029 soll sich der Staat durch diese Maßnahme rund eine Milliarde Euro im Jahr sparen.
Bist du schon in Pension?
Teilpension kommt: Arbeiten und Pension kombinieren ab 2026
Nächster Punkt der geplanten Pensionsreform: Die Teilpension. Sie ist zwar noch nicht in Begutachtung, soll aber bereits im Juli im Nationalrat beschlossen und Anfang 2026 eingeführt werden. Schon bei Blau-Türkis war die Teilpension ein Thema. Mehr dazu in: Länger arbeiten? Das haben FPÖ und ÖVP mit unseren Pensionen vor. Wer Anspruch auf eine Frühpension hat, soll künftig die Möglichkeit bekommen, 50 Prozent der Pension zu nehmen und zu 50 Prozent weiterzuarbeiten, erklärte ÖVP-Klubchef August Wöginger. „Insgesamt soll das 100 Prozent ergeben.“
Mehr Geld durch Teilzeit? Beispiel zeigt, wie es sich auszahlen kann
Laut Wöginger handelt es sich um eine „Win-Win-Situation“ – sowohl für die Betroffenen als auch für das Pensions- und Steuersystem. Ein Beispiel: Ein 63-jähriger Mann mit 4.000 Euro Bruttogehalt, der auf Teilzeit geht und Teilpension bezieht, würde laut Berechnungen rund 350 Euro mehr im Monat erhalten als bei einem kompletten Umstieg in die Korridorpension. Auch die reguläre Pension ab dem 65. Lebensjahr würde dadurch am Ende höher ausfallen.
Ab Juni: Höhere Beiträge für Pensionisten
Ab 2026 wird außerdem die Aliquotierung, der Anpassung der Pensionen im ersten Jahr, 50 Prozent betrage – Und das, egal, in welchem Monat man in Pension geht. Und das ist nicht alles: Schon mit 1. Juni 2025 steigen die Krankenversicherungsbeiträge für Pensionisten von 5,1 auf 6 Prozent. Aus dem Sozialministerium heißt es gegenüber der APA, man sei sich bewusst, dass es Einsparungen brauche. Für Härtefälle soll es aber Entlastungen geben – etwa das Einfrieren der Rezeptgebühr im Jahr 2026.
Wenn die Reform nicht reicht
Für Shetty ist der gesetzliche Nachhaltigkeitsmechanismus der zentrale Reformbaustein. Werden Ziele (diese werden noch definiert) nicht erreicht, muss automatisch nachgeschärft werden. Künftige Regierungen sollen dann ein „Bündel an Maßnahmen, aus denen sie wählen kann“ zur Verfügung haben – etwa neue Regeln bei der Korridorpension. Eine Anhebung des Antrittsalters wäre den NEOS dabei lieber als eine Kürzung der Pensionen. Könne man die Regelung als Verfassungsbestimmung – mit der Hilfe der Grünen oder der FPÖ – beschließen, so würde man das auch tun.
60+ im Job
Außerdem will die Regierung ein Anreiz- und Monitoringsystem für die Beschäftigung von Personen ab 60 schaffen. „Lohnnebenkostensenkende Elemente“ sollen zielgerichteter eingesetzt werden, so Wöginger. Durch das Monitoring soll eruiert werden, in welchen Branchen wie viele Menschen über 60 Jahren tätig sind. (APA/RED. 02.05.2025)