Wasted Love, aber kein verschwendeter Auftritt: JJ im Finale des ESC
Große Gefühle, schräge Shows und ein Hauch Skandal: Im zweiten Semifinale des Eurovision Song Contest setzte sich JJ mit starker Stimme durch – und qualifizierte sich souverän für das Finale.
Die erste Hürde ist geschafft: JJ, Österreichs Hoffnung beim Eurovision Song Contest, steht im Finale am Samstag. Mit seiner dramatisch inszenierten Performance von „Wasted Love“ – auf einer stürmischen Meeresbühne – überzeugte er sowohl gesanglich als auch visuell. Bei den Wettquoten bleibt JJ weiter auf Platz 2 – hinter dem schwedischen Trio KAJ.
Kostümwechsel, Kitsch und Körperkontakt
Das zweite Halbfinale präsentierte sich deutlich bunter als das düstere erste. Kostümwechsel waren der große Trend – teils kreativ, teils knapp am Skandal vorbei. Auffällig: Bei vielen Acts blieb am Ende weniger Kleidung übrig als zu Beginn. Malta setzte mit explizitem Bühnenbild und provokanten Tänzern neue Maßstäbe in Sachen Grenzüberschreitung, Finnlands Erika Vikman schickte mit „Ich komme“ ein ziemlich eindeutiges Signal – und auch Australien versuchte es mit Haut statt Harmonie. Doch für Go-Jo war mit seinem „Milkshake Man“ trotz großer Show überraschend Schluss.
Balladen-Overload
Der Abend war gesanglich stark, aber streckenweise auch eintönig: Viele Balladen, viel Pathos – aber wenig Wiedererkennungswert. Umso überraschender der Finaleinzug der lettischen Band Tautumeitas mit ihrer atmosphärischen Nummer „Bur man laimi“. Auch Klavdia aus Griechenland überzeugte mit „Asteromata“. Kein Glück hatten dagegen Acts wie Princ aus Serbien, Mariam Shenglia aus Georgien oder Adonxs für Tschechien– Letzterer verpatzte einen wichtigen Einsatz in seiner kraftvollen Ballade „Kiss Kiss Goodbye“.
Israel emotional – Irland eher kurios
Yuval Raphael aus Israel rührte mit „New Day Will Rise“ – gesungen auf einem Glasturm – ohne in diesem Jahr Buhrufe zu kassieren. Dagegen fiel Irland durch eine eher skurrile Idee auf: Der sowjetische Hund Laika soll im All eine Party feiern – die Zuschauer blieben lieber auf der Erde.
Neue Stimmen, alte Klischees
Mit dabei im Finale sind auch Luxemburg mit einem feministischen Update zum 60er-Jahre-Klassiker, Litauens Rockband Kartasis und Dänemarks Außenseiterin Sissal, die trotz Stimmproblemen punktete. Armeniens PARGüberzeugte als tanzender Bergarbeiter – warum genau, bleibt Interpretationssache.
Big Five im Probenstress
Auch erste Proben der „Big Five“ sorgten für Gesprächsstoff: Frankreichs Louane kämpfte mit Sand-Effekten, die mehr durcheinanderbrachten als verzauberten. Deutschland präsentierte mit dem Wiener Duo Abor & Tynna eine Performance, die bislang wenig „ballert“. Auch Großbritanniens Remember Monday konnten bisher weder Publikum noch Kamera für sich gewinnen – teils wortwörtlich, denn sie drehten der Halle oft den Rücken zu.
Fazit: JJ auf Kurs
Österreich darf hoffen: JJ lieferte eine der besten stimmlichen Performances des Abends ab. Der Song Contest zeigt sich wieder einmal als bunte Wundertüte – irgendwo zwischen Popkunst, Provokation und Pathos. Am Samstag entscheidet sich, wer den Titel holt – und ob „Wasted Love“ vielleicht doch ein Happy End findet.