Holt sich JJ den ESC-Sieg? Expertinnen analysieren seine Chancen
Heißt es heute „12 Punkte für Österreich“? JJ liefert Falsett, Funkeln und Gefühl - doch reicht das fürs ESC-Krönchen? Zwei Expertinnen der Uni Graz erklären, warum beim Song Contest mehr zählt als nur der hohe Ton.
Der Countertenor JJ (24) vertritt am Samstagabend Österreich beim 69. Eurovision Song Contest (ESC) in Basel (Schweiz). Mit seinem Song Wasted Love hat der junge Wiener schon jetzt viele Fans hinter sich. Aber kann er wirklich gewinnen? Und wie entscheidet sich beim ESC überhaupt, was „gut“ ist? Zwei Musikwissenschaftlerinnen der Uni Graz haben den Song Contest unter die Lupe genommen und liefern Antworten.
Kunst ist keine Mathematik
Die beiden Musikwissenschaftlerinnen Susanne Kogler und Saskia Jaszoltowski beschäftigen sich seit Jahren mit dem Phänomen ESC. Ihr Fazit: „Es gibt keine objektiven Maßstäbe – weder beim Publikum noch in der Jury“, erklärt Jaszoltowski. Während Fachjurys vielleicht eher auf Komposition oder Stimmnuancen achten, gehe es beim Publikum oft um den Gesamteindruck und um Bauchgefühl. Auch Kogler betont: „Nicht nur die Qualität eines Objekts, sondern auch seine Wirkung auf die Betrachter sind Teil einer ästhetischen Einschätzung.“ Oder anders gesagt: Gefällt uns ein Song, glauben wir automatisch, dass er auch anderen gefallen muss. Deshalb funktioniert der ESC auch so gut – er ist eine Bühne für Meinungen, Emotionen und Geschmack.
Schaust du den Eurovision Song Contest?
JJ singt sich hoch hinaus – mit Falsett und Haltung
Besonders spannend ist JJs Countertenor-Stimme. Seine Stimme fällt nicht nur auf, sie wirkt – emotional und technisch. „Männer, die in hohen Lagen stark und verletzlich zugleich klingen, wirken oft besonders eindrucksvoll – das kennt man schon von Prince oder den Bee Gees“, so Kogler. Der 24-Jährige kombiniert das mit opernhaften Elementen und spielt bewusst mit Geschlechterbildern. „Das Verwischen der Grenzen zwischen Männlich und Weiblich könnte viele ansprechen.“ Genau dieser Bruch verhalf auch Conchita Wurst (Thomas „Tom“ Neuwirth) 2014 in Kopenhagen (Dänemark) zum Sieg.
Mehr als nur ein Musikwettbewerb
Dass der ESC längst mehr als nur ein bunter Abend mit Glitzer ist, steht für Jaszoltowski außer Frage. „Der Song Contest ist auch eine Utopie: kulturelle Vielfalt, Inklusion und friedliches Miteinander – jenseits von Nationalität, Religion oder Gender.“ In Zeiten wie diesen keine schlechte Botschaft. Ob JJ am Ende den Sieg holt? Niemand weiß es genau. Klar ist: Der Song Contest ist mehr als Glitzer – er zeigt, wie Musik verbindet.
Österreich hat den Eurovision Song Contest bisher zweimal gewonnen:
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1966: Udo Jürgens mit dem Lied „Merci, Chérie“
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2014: Conchita Wurst (Thomas „Tom“ Neuwirth) mit dem Lied „Rise Like a Phoenix“