Arbeitgeber-Kritik: Österreicher gehen „zu früh“ in Pension
Laute Kritik von Arbeitgeberseite am Pensionssystem hat es in den vergangenen Wochen. So wurde unter anderem ein höheres Antrittsalter gefordert. Kritik an vielen Arbeitgebern gibt es nun von Finanzminister Marterbauer.
Menschen in Österreich würden „zu früh“ in Pension gehen, so die Kritik von Institutionen wie der Industriellenvereinigung (IV) und damit einhergehend auch so mancher Arbeitgeber. Gleichzeitig würden diese aber auch Ältere kaum bis gar nicht beschäftigen. Das passe nicht zusammen, so Finanzminister Markus Marterbauer in der „Krone“. Er denkt in dem Artikel laut über ein „Bonus-Malus-System“ für Arbeitgeber im Zusammenhang mit der Beschäftigung Älterer. „Über solche Dinge kann man diskutieren, tun wir im Moment aber nicht, es gibt keine Regierungseinigung darüber“, erklärt Marterbauer allerdings auch. Die Arbeitgeber fordert er dennoch dazu auf, „ihren Teil“ zu machen.
IV fordert Arbeiten bis 70
Vor allem seitens der IV und deren Präsident Georg Knill hat es in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder geheißen, man müsse das Pensionsantrittsalter anheben. Etwa in der „Zeit im Bild“ hat er ein Antrittsalter von 70 Jahren ins Spiel gebracht – und auf das Beispiel Dänemark verwiesen, wo das seit kürzerem der Fall ist. Die Arbeiterkammer (AK) hat daraufhin erklärt, wieso das nicht möglich sein wird. Alle Informationen dazu hier: Arbeiten bis 70? AK: „Wir kämpfen für faire Pensionen“.
Bist du schon in Pension?
Marodes Budget bringt Einsparungen im Pensionssystem
Die Pensionen in Österreich sind aktuell generell Dauerthema. Vor allem aufgrund des maroden Budgets muss gespart werden, wo geht – und das wird in großem Maße auch bei den Ältesten gemacht. So wurden etwa bei den meisten Pensionisten mit 1. Juni 2025 die Krankenversicherungsbeiträge (KV-Beiträge) von 5,1 auf sechs Prozent erhöht, auch das Antrittsalter und die Versicherungsmonate für die Korridorpension werden 2026 ansteigen. Alles, was ihr dazu wissen müsst, erfahrt ihr hier: Pensionen werden gekürzt, Österreicher müssen länger arbeiten.
Teilpension kommt, Pflege wird zur Schwerarbeit
Gleichzeitig wird auch eine Teilpension mit Jänner 2026 eingeführt, Pflegekräfte werden in die Schwerarbeitsregelung aufgenommen und zahlreiche andere Maßnahmen werden eingeführt, die unter anderem dafür sorgen sollen, dass Österreicher teils länger arbeiten werden. Auch Entlastungsmaßnahmen sind geplant. Mehr dazu hier: Wie Pensionisten in Österreich trotz Kürzung profitieren könnten.
Diese Maßnahmen sollen das Pensionssystem in Österreich revolutionieren:
Monetäre Maßnahmen:
- e-Card-Gebühr ab November 2026 auch für Pensionisten
- KV-Beiträge mit 1. Juni 2025 von 5,1 auf sechs Prozent erhöht
Reformen:
- Ab 1. Jänner 2026: Ausweitung der Schwerarbeitsregelung auf Pflegeberufe und Überarbeitung der Schwerarbeitsverordnung
- Neuregelungen und Minderauszahlungen bei Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension
- Ab 2026: Eintritt in Korridorpension wird verschärft (Antrittsalter von 62 auf 63 Jahre, Beitragsmonate von 480 auf 504)
- Ab 1. Jänner 2026: Teilpension wird eingeführt
- Älteren-Beschäftigungspaket ist geplant
- Ab 2026: Pensionsaliquotierung von 50 Prozent
- Neues Zuverdienstmodell soll Arbeiten im Alter attraktivieren
- Altersteilzeit wird ausgestaltet
- Beschäftigung von Personen ab dem 60. Lebensjahr soll durch Anreize deutlich angehoben werden
Entlastungsmaßnahmen:
- Anhebung der Sozialversicherungs-Rückerstattung
- Rezeptgebühren werden 2026 eingefroren
- Rezeptgebühren-Obergrenze von zwei auf 1,5 Prozent herabgesetzt
- Arzneimittelobergrenze eingeführt