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Das Bild auf 5min.at zeigt den Chor "New Voices" aus Dellach im Drautal mit drei Stammzellenspendern.
Die "New Voices" mit den drei Lebensrettern Manuel Pscharzer, Nikita Unterpirker und Noah Thalmann.

Kärntner Chor rettet drei Leben: „Mehr als ein kleines Wunder“

Der Chor „New Voices“ aus Dellach im Drautal organisierte eine Typisierungsaktion – mit unglaublichem Erfolg: Drei Teilnehmer wurden zu Lebensrettern. Nun will die Obfrau auch andere Vereine zu solchen Aktionen motivieren.

von Gerrit Tscheru Das Bild auf 5min.at zeigt Gerrit Tscheru.
3 Minuten Lesezeit(708 Wörter)

Im Oktober 2022 startete der Kärntner Chor „New Voices“ aus Dellach im Drautal gemeinsam mit dem gemeinnützigen Leukämiehilfeverein „Geben für Leben“ eine Stammzellen-Typisierungsaktion – mit langfristigen Folgen: Mittlerweile konnten dank ihrer Aktion bereits drei Leben gerettet werden. Wir haben mit Chorobfrau Melanie Stattmann über die Hintergründe und den unglaublichen Erfolg ihrer Aktion gesprochen.

„Alle waren voll begeistert“

„Ich war selber vor einigen Jahren bei einer Typisierung in Salzburg, wo ich zu der Zeit noch gewohnt habe, und hab mir damals schon gedacht, das würde ich gern in Kärnten umsetzen“, beginnt Stattmann auf die Frage, wie sie auf die Idee kam, eine solche Typisierungsaktion zu organisieren. Gesagt, getan: Nachdem sie wieder nach Kärnten gezogen war, schlug sie die Idee ihrem Chor „New Voices“ vor, wo diese auf viel Gegenliebe stieß: „Alle waren voll begeistert und sofort dabei“, erzählt Stattmann freudig. Und sofort wurden Nägel mit Köpfen gemacht: „Innerhalb von 14 Tagen haben wir das Projekt aus dem Boden gestampft.“ Gemeinsam mit Julia Neugebauer von „Geben für Leben“ organisierten sie einen Saal im Gasthof Trunk in Dellach im Drautal, der vom Wirt kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Das Bild auf 5min.at zeigt den Chor "New Voices" aus Dellach im Drautal mit drei Stammzellenspendern.
©New Voices
Manuel, Nikita und Noah wurden bei der Aktion der „New Voices“ typisiert.

Eine Typisierungsaktion, drei Leben gerettet

„Mit dem Chor haben wir die Aktion mit einem Video beworben und auf Social Media zum Mitmachen aufgerufen“, erklärt Stattmann die weitere Vorgehensweise. Und das kam gut an: „Ganze Vereine sind zu uns gekommen, auch die Landjugend Dellach und ein Fußballverein aus dem Nachbarort Berg im Drautal.“ Und aus diesen Vereinen stammen die drei Lebensretter Manuel Pscharzer, Nikita Unterpirker und Noah Thalmann. Einige Monate, nachdem sie sich bei der Aktion in Dellach typisieren ließen, wurden sie kontaktiert, da sie als Spender für drei Krebspatienten in den Niederlanden, den USA und in Italien infrage kamen. Die drei Oberkärntner sagten sofort zu und wurden so zu Lebensrettern.

„Mehr als ein kleines Wunder“

Dass gleich drei tatsächliche Spender aus einer Aktion hervorgehen, ist äußerst ungewöhnlich, liegt die Chance, einen passenden Spender zu finden, doch bei 1:500.000. Das war auch Melanie Stattmann bewusst: „Ich hab mir damals gedacht, wenn wir’s nur schaffen, eine einzige Person in den nächsten Jahrzehnten zu finden, wär ich mehr als glücklich. Die Tatsache, dass es dann mehr als drei waren, ist mehr als ein kleines Wunder!“ Als Stattmann vom Erfolg ihrer Aktion erfuhr, war sie fassungslos. „Ich hab das dann in unsere Chor-WhatsApp-Gruppe geschrieben und die Herzen und Likes sind mir nur so zugeflogen. Die Freude bei uns allen war riesengroß und überwältigend“, erzählt sie stolz. Insgesamt sind dem Aufruf der „New Voices“ etwas mehr als 200 Personen gefolgt, zusätzlich zu den Typisierungen konnten sie rund 6.000 Euro an Spendengeldern lukrieren. Die Spenden gingen an den Verein „Geben für Leben“ für die Finanzierung der Typisierungen.

Hast du dich schon typisieren lassen?

Ja, hab ich
Nein, hab ich aber vor
Nein, will ich auch nicht
Bin nicht sicher

Obfrau will andere Vereine motivieren

Was Melanie Stattmann besonders wichtig ist: Sie möchte andere Vereine und Personen dazu motivieren, es ihnen gleichzutun und ebenfalls Typisierungsaktionen zu starten. „Es geht ganz leicht und unkompliziert, zum Beispiel könnten es Vereine im Rahmen eines Sommerfests einbauen“, erklärt sie. Privatpersonen zwischen 16 und 45 können über den Verein „Geben für Leben“ kostenlose Testkits anfordern, um in die Spenderdatenbank aufgenommen zu werden. Wenn Vereine diesbezüglich Fragen haben oder nähere Informationen zur Organisation einer solchen Aktion brauchen, können sie sich gerne an die „New Voices“ wenden.

Das Bild auf 5min.at zeigt den Chor "New Voices" aus Dellach im Drautal.
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Die „New Voices“ haben mit ihrer Typisierungsaktion Großartiges geleistet.

Geringer Aufwand für potenzielle Lebensrettung

Denn nach wie vor herrschen laut der Obfrau viele Vorurteile und unbegründete Ängste, was das Stammzellenspenden betrifft, etwa dass es gefährlich sei und nur über das Rückenmark gehe. Wie der Verein „Geben für Leben“ auf seiner Homepage informiert, erfolgt eine Stammzellenspende jedoch meist so, dass gesunde Stammzellen aus der Blutbahn entnommen werden. Die zweite Möglichkeit ist eine Knochenmarkspende: Dabei werden die Stammzellen mit einer Punktionsnadel direkt aus dem Knochenmark am Beckenkamm entnommen. „Der Aufwand ist so gering im Vergleich zu einem Leben, das man so mit hoher Wahrscheinlichkeit retten kann. Ich möchte jeden dazu ermutigen! Denkt daran, wie dankbar man wäre, wenn man selbst, sein Partner, Kind oder ein anderer Angehöriger betroffen wäre“, betont Stattmann abschließend.

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