Alles weiß! Hagelunwetter verwandelte Tirol in Winterlandschaft
Und plötzlich war alles weiß: Heftige Gewitter und Hagel verwandelten Teile Tirols in eine Winterlandschaft. Über 230 Einsätze vermeldete die Feuerwehr am frühen Samstagabend.
Heftige Gewitter zogen am gestrigen Samstag, dem 19. Juli, über Tirol. Zwischen 17 und 21 Uhr rückten Tirols Feuerwehren zu insgesamt 237 Einsätzen aus. Besonders betroffen war der Raum Schwaz. Gegen 19 Uhr überrollte ein kräftiges Gewitter mit Starkregen, stürmischen Böen und Hagel das Gebiet. Allein hier mussten insgesamt 109 Schadensstellen abgearbeitet werden. Im Einsatz standen nicht nur die Feuerwehr Schwaz, sondern auch die Feuerwehren aus Pill, Weer, Terfens, Buch, Stans, Hall und Völs.
Hagel ließ Schwaz wie eine Winterlandschaft erscheinen
Das Sturmjäger-Kollektiv Unwetter-Freaks aus Deutschland lieferte auf Facebook einen Eindruck von der „Winterlandschaft“ im Schwazer Stadtgebiet: „Vor knapp zwei Stunden bewegte sich ein kräftiges und langsam ziehendes Gewitter über die Stadt und brachte dabei große Hagelmengen mit sich. Die Straßen ähnelten nach dem Abzug des Unwetters beinahe einer verschneiten Landschaft, teilweise waren Straßen durch Überflutungen nicht mehr passierbar.“
Aufräumarbeiten dauern an
Laut Polizei wurden außerdem Unterführungen und Keller überflutet. „An der Innsbrucker Straße und der Arzbergstraße entstanden Schäden durch die starken Regenfälle und mehrere Straßen wurden vermurt“, heißt es in der Pressemeldung. Laut der Freiwilligen Feuerwehr Schwaz dauern die Aufräumarbeiten heute noch ein. Umgeleitet werden kann über die alte Arzbergstraße.
Dramatischer Rettungseinsatz in der Wolfsklamm
Dramatische Szenen spielten sich in der Wolfsklamm in Stans ab: Eine Frau mit ihren drei Kindern beim Abstieg vom Unwetter überrascht. Umgestürzte Bäume versperrten den Weg. Die Bergrettung Schwaz rückte aus und brachte die Familie unverletzt in Sicherheit.
Hagel-Alarm im Tiroler Oberland:
In Mieming im Tiroler Oberland (Bezirk Imst) glich die Landschaft nach einem Hagelunwetter einer Winterkulisse: Alles war weiß, die Straßen von Eiskörnern bedeckt. Auch in Ehrwald (Bezirk Reutte) ging nach heftigen Regenfällen eine Mure auf einer Skipiste bei der Gans Alm ab. Die betroffene Strecke wird im Winter normalerweise von Skifahrern genutzt. Eindrücke dazu lieferte die Plattform „Sturm- und Gewitterjagd Tirol“.
Murenabgänge in Vorarlberg
Auch Vorarlberg wurde nicht von Gewittern verschont: In Gaschurn-Partenen im Montafon gingen am späten Nachmittag nach heftigen Niederschlägen mehrere Muren ab. Eine Mure erreichte den Tschambreubach. Erneut betroffen ist auch die Silvretta-Hochalpenstraße: Sie bleibt weiterhin gesperrt, eine für dieses Wochenende geplante Öffnung war bereits vor dem Unwetter abgesagt worden. „. Die Ill lief kurzzeitig über. Die Feuerwehr Partenen konnte in Zusammenarbeit mit Helfern und schwerem Gerät (Radlader, Bagger) der Überschwemmung entgegenwirken, weshalb keine Personen verletzt und keine Wohnhäuser beschädigt wurden. Es entstanden jedoch Flurschäden am Radweg Partenen und im Bereich der Mautstelle. Die Arbeiten dauern noch an“, so die Landespolizeidirektion Vorarlberg.
Auch am Sonntag bleibt die Gewitterlage angespannt
Ganz gebannt ist die Gewitter-Gefahr auch am heutigen Sonntag nicht. Laut Unwetter Österreich können sich „in schwülwarmer Luftmasse am Nachmittag wieder ein paar Gewitter bilden, bevorzugt im Westen und im Bergland“. Zwar treten diese deutlich seltener auf als am Vortag, doch dort, wo sie entstehen, drohen „lokaler Starkregen, (meist kleinkörniger) Hagel und stürmische Böen“. Besonders im Norden von Vorarlberg und Tirol könnte es am Abend ungemütlich werden: Aus der Schweiz ziehen laut Prognose teils kräftige Gewitter heran. „Dort ist die Gefahr für Sturmböen, lokalen Hagel und Starkregen erhöht. Der Schwerpunkt könnte aber auch im angrenzenden Bayern liegen.“ Auch in der Nacht bleibt die Lage angespannt: Im Westen breiten sich flächendeckend Niederschläge aus, Gewitter sind erneut möglich.