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Ein Bild auf 5min.at zeigt ein Polizeiauto.
Der Verein Društvo Peršman, Betreiber der Gedenkstätte, reagierte mit großer Bestürzung auf das Geschehen.

Nach Polizeieinsatz am Peršmanhof: Kritik von Museumsbetreibern

Am 27. Juli kam es bei einem antifaschistischen Camp am Peršmanhof zu einem Großpolizeieinsatz. Während die Polizei von Widerstand spricht, zeigen sich Veranstalter und Vertreter der Volksgruppe empört und fordern Aufklärung.

von Julia Strammer Das Foto auf www.5min.at zeigt die Onlineredakteurin Julia Strammer von 5 Minuten.
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Am Sonntag, dem 27. Juli 2025, kam es im Zuge eines Polizeieinsatzes beim Antifa-Camp Kärnten zu teils heftigen Auseinandersetzungen auf dem Gelände der Gedenkstätte und des Museums Peršman. Während die Polizei auf Widerstand bei einer Identitätsfeststellung und Verletzungen hinweist, zeigen sich Museumsbetreiber, Zeitzeugen und Vertreter der slowenischen Volksgruppe erschüttert über das Vorgehen der Exekutive – insbesondere angesichts des historischen Ortes und des Gedenkjahres 2025.

Polizei: Widerstand und Festnahmen

Laut Polizei hielten sich rund 60 Teilnehmer des Antifa-Camps auf dem Gelände des Museums in der Unteren Lobnig auf. Die Kontrolle wurde von der Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt, dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl sowie dem Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) begleitet. Im Zuge der Identitätsfeststellungen kam es laut Einsatzkräften zu körperlichen Bedrängungen gegenüber den einschreitenden Beamt. Da sich die Teilnehmer weigerten, ihre Identität bekannt zu geben, wurden weitere Polizeikräfte – darunter auch ein Hubschrauber, Drohnen und eine Hundestaffel – angefordert.

Verein Peršman: „Unverhältnismäßiger Eingriff an einem Ort der Erinnerung“

Der Verein Društvo Peršman, Betreiber der Gedenkstätte, reagierte mit großer Bestürzung auf das Geschehen. In einer Aussendung kritisierte Obmann Markus Gönitzer das Vorgehen als respektlos und unverhältnismäßig: „Ein derart massives Polizeiaufgebot an einem Ort, an dem vor 80 Jahren elf Zivilisten durch ein SS- und Polizeiregiment ermordet wurden, ist nicht nur pietätlos, sondern auch geschichtsvergessen.“

80. Gedenkjahr

Am Peršmanhof fand zum Zeitpunkt des Einsatzes ein mehrtägiges antifaschistisches Bildungscamp statt – organisiert vom Klub slowenischer Studierender in Wien (KSŠŠD). Inhaltlich befasste sich die Veranstaltung mit dem 80. Gedenkjahr an das Ende des Zweiten Weltkriegs, mit Workshops zu Widerstand, Erinnerungskultur und Demokratie. Insbesondere empört zeigte man sich über die Begründung des Einsatzleiters vom LSE, wonach das Camp einen „sittenwidrigen Umgang mit der Gedenkstätte“ darstelle. Diese Aussage sei angesichts der Tatsache, dass Nachfahren von Widerstandskämpfern und NS-Opfern selbst unter den Teilnehmern waren, „eine massive Grenzüberschreitung“, so Gönitzer.

Reaktionen: „Re-traumatisierung und politische Dimension“

Bernard Sadovnik, Nachfahre der am Peršmanhof ermordeten Familie und Vorsitzender des Volksgruppenbeirates, zeigte sich tief betroffen: „So ein massiver Einsatz – genau 80 Jahre nach dem Massaker – reißt Wunden auf. Ich fordere eine lückenlose politische Aufarbeitung.“ Auch Meta Vouk, Mitorganisatorin des Camps, sprach von einer „massiven Re-Traumatisierung“ vieler Teilnehmer. Milan Wutte, Obmann des Verbands der Kärntner Partisanen, betonte: „Friedliche Bildung an einem Ort wie diesem ist unverzichtbar – ein solches Eingreifen ist nicht akzeptabel.“

Forderung nach politischer Aufarbeitung

Die Betreibervereine und die Organisatoren des Camps fordern nun eine eingehende politische und juristische Aufarbeitung des Einsatzes – insbesondere hinsichtlich der Strafanzeigen. Laut Obmann-Stellvertreterin Eva Hartmann sei es „verstörend, dass antifaschistische Bildungsarbeit 80 Jahre nach Kriegsende noch immer kriminalisiert wird.“ Die Frage, wie mit Gedenkorten, ihrer Geschichte und aktuellen Bildungsinitiativen umgegangen wird, sei nun von größter gesellschaftlicher Relevanz – und bedürfe auch klarer Stellungnahmen der politisch Verantwortlichen.

Kritik kommt auch von den Grünen

„Der Einsatz der Exekutive am Sonntag beim antifaschistischen Jugendcamp am Peršmanhof ist in jeder Hinsicht erschütternd“, sagt Olga Voglauer, Volksgruppensprecherin der Grünen. „Ein derart massives Aufgebot an einer der wichtigsten Gedenkstätten Kärntens ist nicht nur überzogen, sondern auch respektlos – gegenüber dem Ort, der Geschichte und den jungen Menschen, die sich mit Antifaschismus, Widerstand und Demokratie beschäftigen“, so Voglauer. Besonders verstörend sei der von den Behörden vorgebrachte Vorwurf eines „sittenwidrigen Umgangs mit der Gedenkstätte“: „Das ist eine inakzeptable Verhöhnung jener, die dort ermordet wurden – und eine gefährliche Umdeutung antifaschistischer Bildungsarbeit.“ Lukas Hammer, Sprecher der Grünen für Gedenkpolitik und Rechtsextremismus, kritisiert eine klare Schieflage im sicherheitspolitischen Umgang mit zivilgesellschaftlichem Engagement: „Es scheint kein Zufall, dass der Einsatz beim Peršmanhofs über den Tisch des Völkermarkter Bezirkshauptmanns gegangen ist. Jener Behördenleiter, der über Jahre das faschistische Ustaša-Treffen in Bleiburg-Pliberk ermöglichte und es bis zu seiner Einstellung verteidigte. Vergleichbare massive Polizeieinsätze beim faschistischen Treffen gab es trotz mehrerer dokumentierten Verstöße kein einziges Mal.“

Die Grünen fordern eine umfassende Aufklärung

Die Grünen fordern eine umfassende Aufklärung durch das Innenministerium sowie politische Verantwortung auf Landesebene und Bezirkshauptmannschaft. Voglauer und Hammer kündigen bereits parlamentarische Anfragen an: „Die heutige Aktion der Exekutive hinterlässt nicht nur Bestürzung, sondern auch viele Fragen – denen werden wir nachgehen. Denn im 80. Jahr nach dem Ende des Holocausts muss klar sein: Antifaschismus ist keine Provokation, sondern Verfassungsauftrag.“

Team Kärnten fordert eine lückenlose Aufklärung

Eine lückenlose Aufklärung fordert Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer und der TK-Volksgruppensprecher im Landtag, Franz Josef Smrtnik, in einer gemeinsamen Stellungnahme: „Es muss beleuchtet werden, welchen Einfluss das Land und insbesondere die Bezirkshauptmannschaft hier hatten und welche Hintergründe genau vorlagen.“ Smrtnik, selbst Vizebürgermeister der Gemeinde Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach, sieht auch offene Fragen bezüglich der Verhältnismäßigkeit, beginnend vom Verwaltungsaufwand bis hin zu den Kosten der Amtshandlung: „Der Peršmanhof ist geschichtlich gesehen ein bedeutungsvoller und äußerst sensibler Ort. Jede Form von Gewalt und Ähnlichem sind strikt abzulehnen.“

Ein Bild auf 5min.at zeigt Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer.
©zVg.
Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer

Memorial Kärnten-Koroška verurteilt Vorgehen „aufs Schärfste“

Kritik kommt auch von der Plattform „MKK Memorial Kärnten-Koroška“. Diese verurteilen „den unerhörten und unangemessenen Polizeieinsatz gegen das internationale antifaschistische Camp auf dem Peršmanhof aufs Schärfste“. Die Betreiber fordern die lückenlose Aufklärung aller Umstände und Hintergründe. „Antifaschistische Arbeit und Engagement, insbesondere von jungen Leuten und länderübergreifend aus Kärnten Italien und Slowenien, an diesem Gedenkort, wo vor 80 Jahren zwei Kärntner slowenische Familien von einer SS-Einheit massakriert wurden, dürfen nicht mit solch beschämendem Aufgebot an Exekutivkräften und ihrem Einsatz desavouiert werden“, heißt es seitens MKK.

FPÖ verteidigt Polizeieinsatz

Anders als die anderen Parteien steht in der Stellungnahme der Freiheitlichen die Verteidigung der Exekutive im Vordergrund. „Dass man der Polizei, die nur ihre Arbeit getan hat, solche Vorwürfe macht, ist für uns Freiheitliche in keiner Weise nachvollziehbar! Wir leben in einem Rechtsstaat, es herrscht geltendes Recht, dieses kann auch von Linksideologen nicht gebeugt werden“, kommentiert heute Kärntens FPÖ-Generalsekretär und Sicherheitssprecher im Kärntner Landtag Josef Ofner den Polizeieinsatz beim Antifa-Camp am Peršmanhof. Kritisiert wird vonseiten der FPÖ, dass die Teilnehmer des Camps ihre Identitäten nicht preisgeben wollten: „Das eigentliche Unrecht ist, dass von den Camp-Teilnehmern, wie medial kolportiert, Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet wurde, weshalb es zu mehreren Anzeigen gekommen sein soll.“

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 28.07.2025 um 13:14 Uhr aktualisiert
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