Nach Kritik am Einsatz am Peršmanhof: Polizei offen für Aufarbeitung
Die Polizei reagiert auf Kritik am Einsatz beim Antifa-Camp am Peršmanhof: Der Vorfall werde aufgearbeitet, ein runder Tisch zur Deeskalation, wie von Peter Kaiser vorgeschlagen, wird ausdrücklich begrüßt.
Nach einem größeren Polizeieinsatz am Sonntag bei einem Antifa-Camp mit rund 60 Teilnehmern am Gelände des Museums Peršmanhof in der Kärntner Gemeinde Bad Eisenkappel (Bezirk Völkermarkt) möchte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) möglichst zeitnah zu einem gemeinsamen Treffen mit Museumsleitung, Verfassungsschutz, Bezirkshauptmannschaft und Gemeinde laden, um die Situation zu deeskalieren. Einen konkreten Termin gab es zunächst noch nicht.
Mann wurde bei dem Einsatz verletzt
Polizei, Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl sowie Bezirkshauptmannschaft waren am Sonntag wegen angeblicher Verwaltungsübertretungen angerückt. Laut Polizei verweigerten alle anwesenden Camp-Teilnehmer Identitätsfeststellungen, woraufhin Verstärkung angefordert wurde. Als Beamte das Museumsgebäude betreten wollten, kam es zu einer Rangelei, bei der ein Mann verletzt wurde. Er wurde von der Rettung ambulant versorgt und bekommt eine Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Drei weitere Personen wurden nach dem Fremdenpolizeigesetz festgenommen. Nachdem ihre Identität geklärt war, kamen sie wieder frei. Mehrere Verwaltungsübertretungen wurden angezeigt. Der Einsatz dauerte von 11 bis 15.30 Uhr. Genaueres zu den Hintergründen gab es auf APA-Anfrage bei der Polizei und bei der Bezirkshauptmannschaft zunächst nicht.
Kaiser will deeskalieren
„Noch ohne alle Details zum heutigen Polizeieinsatz am Peršmanhof zu kennen, rufe ich alle Beteiligten zur Zusammenarbeit und zum Gespräch auf“, sagte Kaiser in einer Aussendung am Sonntagabend. Um solche Eskalationen in Zukunft zu verhindern, leite er dafür erste Schritte ein. „Der Peršmanhof ist ein Ort des Gedenkens. Ein Ort, der uns daran erinnern soll, dass Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.“
Herbe Kritik nach Polizeieinsatz
Die Polizei wurde für den Einsatz scharf kritisiert, insbesondere seitens der Kärntner Slowenen. Am Peršmanhof hatten am 25. April 1945 Teile einer Spezialeinheit des I. Bataillons des SS-Polizeiregiments 13 ein Massaker an elf Zivilisten verübt. Die Südkärntner Regionalpartei Enotna Lista ortet in einer Aussendung „eine gezielte Aktion, die enormes Potenzial hat, wieder Unfrieden in unser Land zu bringen“. Als politische Organisation der Volksgruppe sei man über derartiges Vorgehen der Staatsgewalt 80 Jahre später „zutiefst erschüttert“, der Innenminister werde aufgefordert, die Hintergründe der „gezielten Aktion“ offenzulegen. (APA/Red., 28.7.2025)
Polizei zeigt sich offen für runden Tisch
Auch seitens des Team Kärnten und der Grünen Kärnten folgten Stellungnahmen mit einer Aufforderung zu einer lückenlosen Aufklärung der Causa und der Gedenkverein „Memorial Kärnten-Koroška“ verurteilt „den unerhörten und unangemessenen Polizeieinsatz aufs Schärfste“. Am 28. Juli meldete sich nun auch die Kärntner Polizei zu Wort: Aufgrund der Irritationen, welche dieser Einsatz in der Öffentlichkeit ausgelöst hat, hält Landespolizeidirektor-Stellvertreter Markus Plazer fest: „Orte von grausamen NS-Verbrechen, wie der Peršmanhof, sind Orte einer modernen und regional verankerten Erinnerungskultur zu den Gräueltaten des NS-Verbrecherregimes, aber vor allem sind sie auch Orte des Gedenkens an den österreichischen Widerstand. Jede polizeiliche Maßnahme an einem derartigen Ort bedarf besonderer Sensibilität und Bewusstsein über die Geschehnisse vor mehr als 80 Jahren. Es wird eine umfassende Analyse der polizeilichen Maßnahmen erfolgen. Der runde Tisch – wie von Landeshauptmann Peter Kaiser angeregt – wird ausdrücklich begrüßt.“