Silvestertragödie in Graz: Prozess gegen „Stern“-Wirt startet
Das Grazer Lokal „Stern“ wurde in der Silvesternacht 2023/24 zur Todesfalle. Heute, Freitag, beginnt am Straflandesgericht Graz der Prozess gegen den Wirt. Er ist wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst angeklagt.
In der Nacht zum Jahreswechsel 2024 ist in dem Grazer Lokal „Stern“ ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Eine junge Frau aus Niederösterreich verlor dabei ihr Leben, zehn weitere Menschen wurden schwer verletzt, zahlreiche Gäste erlitten leichtere Verletzungen.
Vorwurf: fatale Sicherheitsmängel
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, grundlegende Sicherheitsvorschriften missachtet zu haben. Im Eingangsbereich sollen leicht brennbare Materialien gelagert gewesen sein, die den Fluchtweg blockierten. Ein zweiter Notausgang war verstellt, Notbeleuchtungen entfernt, das Personal nicht ausreichend geschult. Der Betreiber bestreitet die Vorwürfe. Feuerlöscher seien vorhanden und gewartet gewesen. Einen zweiten Fluchtweg habe es nicht gegeben, heißt es von der Verteidigung. Zudem sei der Angeklagte in der Silvesternacht nicht vor Ort gewesen und habe keine Verpflichtung gehabt, sein Personal brandschutztechnisch zu schulen.
Feier endete im Albtraum
Zum Auftakt des Prozesses machte die Staatsanwältin deutlich, dass aus einer unbeschwerten Silvesternacht binnen kürzester Zeit eine Tragödie wurde. Der Vorwurf lautet nicht auf Vorsatz, sondern auf Fahrlässigkeit. Nach Ansicht der Anklage habe der türkische Betreiber seine Pflicht zur Prävention und zur Sicherheit der Gäste verletzt. Besonders schwer wiege, dass neben dem rasch blockierten Eingangsbereich ein weiterer Fluchtweg vorhanden war, der für Besucher jedoch nicht klar erkennbar gewesen sei, schreibt die „Kleine Zeitung“. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer Kette an Fehlern. So seien im Eingangsbereich leicht brennbare Materialien gelagert gewesen, wodurch der gekennzeichnete Fluchtweg sehr schnell unpassierbar
Bis zu drei Jahre Haft möglich
Bei einer Verurteilung drohen dem Wirt bis zu drei Jahre Haft. Parallel dazu laufen Ermittlungen gegen sechs Beamte von Feuer- und Gewerbepolizei. Sie sollen klären, ob es bei den Kontrollen im Vorfeld Versäumnisse gab.
Stadt zieht Konsequenzen
Nach dem Brand führte die Stadt Graz ein neues Überprüfungskonzept ein. Lokale mit erhöhtem Risiko werden seither in kürzeren Abständen kontrolliert.