Steirerin bricht Schweigen über Misshandlungen im SOS-Kinderdorf Stübing
In der "ZIB 2"-Ausgabe am Donnerstagabend hat eine einstige Bewohnerin des SOS-Kinderdorf in Stübing (Graz-Umgebung) ausgepackt. Sie erzählte von qualvollen Erziehungsmethoden und Bestrafungen.
Eine Frau, die als Kind im SOS-Kinderdorf im steirischen Stübing nördlich von Graz gelebt hat, berichtete über ihre Leidenserfahrungen mit ihrer Kinderdorf-Mutter, bei der sie von 1989 bis 1993 aufwuchs. Die heute in Tirol lebende Betroffene habe 2002 bei der Staatsanwaltschaft Graz eine Anzeige wegen der Misshandlungen eingebracht. Diese sei aber wegen Verjährung nicht weiter verfolgt worden. Die gebürtige Steirerin erzählte von qualvollen Erziehungsmethoden und Bestrafungen, denen auch ihre Geschwister ausgesetzt gewesen seien.
SOS-Kinderdorf reagiert: „Wir glauben ihr“
SOS-Kinderdorf-Geschäftsführerin Anne Schlack sprach von erschütternden Schilderungen: „Wir glauben ihr und wir nehmen das sehr ernst.“ Bereits heute, Freitag, soll ein Treffen der beiden stattfinden, „um zuzuhören und – wenn sie das möchte – Unterstützung im Rahmen des unabhängigen Opferschutzverfahrens anzubieten. Wir übernehmen Verantwortung. Und wir wollen verstehen, zuhören und helfen, wo es möglich ist“, so Schlack.
Betroffene sollen sich melden
SOS-Kinderdorf hat mehrere Anlaufstellen für Personen eingerichtet, die in der Vergangenheit „Unrecht erlebt haben“. „Wir hören zu und nehmen jedes Anliegen ernst – unabhängig davon, wie lange es zurückliegt“, sagte Schlack am Freitag in einer Aussendung. Man stelle sich allen Themen, „weil wir Ordnung schaffen und Verantwortung übernehmen wollen“. Betroffene können sich demnach auf mehreren Wegen an SOS-Kinderdorf wenden: anonym über eine Whistleblowing-Plattform, persönlich bei einer der sechs unabhängigen Ombudsstellen in Österreich, bei den regionalen Anlaufstellen für sogenannte Care Leaver oder bei der unabhängigen Reformkommission, die ihre Arbeit am Mittwoch aufgenommen hat.
Meldungen werden vertraulich behandelt
Alle Meldungen würden vertraulich behandelt, unabhängig geprüft und gegebenenfalls in das bestehende Opferschutzverfahren eingebracht, hieß es. Dieses ermögliche Unterstützung in Form von Therapie oder finanzieller Anerkennung. Darüber hinaus können sich Betroffene auch an die Gewaltschutzzentren in den Bundesländern wenden. „Viele Menschen, die bei SOS-Kinderdorf aufgewachsen sind, tragen ihre Geschichte ins Erwachsenenleben mit“, so Schlack. In den Anlaufstellen können sich volljährige ehemalige Betreute jederzeit – freiwillig, vertraulich und ohne Hürden – an die Einrichtung wenden, wurde versichert.
Ermittlungen laufen
Die Vorwürfe gegen das SOS-Kinderdorf am Standort in Moosburg in Kärnten hatten Mitte September die Missbrauchscausa ausgelöst. 5 Minuten berichtete: Von Schlägen bis Nacktfotos: Schwere Vorwürfe gegen SOS Kinderdorf. Kurze Zeit später kamen auch Vorwürfe gegen weitere Kinderdörfer ans Licht. Mittlerweile ermitteln die Staatsanwaltschaften in Klagenfurt, Innsbruck sowie Salzburg aufgrund der Vorwürfe. (APA/RED, 10.10.25)