
OMV zieht sich zurück: Streit um Haftung spaltet Partner
Das geplante Geothermie-Großprojekt zur Versorgung des Großraums Graz mit klimafreundlicher Fernwärme steht vor dem Aus. Der Grund: Stadt will keine Haftung über 200 Millionen Euro übernehmen.
Eigentlich sollte das Tiefengeothermie-Vorhaben zur „Wärmewende für Graz“ werden: Ab 2030 hätte heißes Wasser aus der Oststeiermark rund die Hälfte des Stadtgebiets mit Fernwärme versorgen sollen. OMV und Energie Steiermark gründeten dafür heuer die gemeinsame Firma mit dem Namen „Tiefenkraft“, das Investitionsvolumen lag bei rund 500 Millionen Euro. Doch in den vergangenen Tagen überschlugen sich die Ereignisse. Nachdem die Stadt Graz keine Haftung über 200 Millionen Euro hinaus übernehmen wollte, zog die OMV die Notbremse, alle Pläne wurden gestoppt.
Energie Steiermark will übernehmen
Kaum war der Rückzug der OMV bekannt, sorgte der nächste Paukenschlag für Aufsehen: Die Energie Steiermark bot an, den Fernwärme-Bereich der Energie Graz zu übernehmen, um das Projekt doch noch zu retten. Laut einem Schreiben an die Stadtpolitik, das mehreren Medien vorliegt, ist ein Kaufpreis von rund 120 Millionen Euro vorgesehen. Damit, so das Unternehmen, könne man das Projekt eigenständig weiterführen und im bisherigen Zeitplan umsetzen. „Wir nehmen unsere Verantwortung ernst und bieten unsere Hilfe an“, betonte Energie-Steiermark-Sprecher Urs Harnik am Wochenende in einem Bericht der Kronen Zeitung. Das Ziel bleibe klar: Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit für den Großraum Graz. Die Stadt erhielt einen Monat Zeit, auf das Angebot zu reagieren.
Kahr reagiert scharf
Die Reaktion von Bürgermeisterin Elke Kahr fiel deutlich aus. Sie sprach von einem Vertrauensbruch: „Dass nur wenige Stunden nach der Absage der OMV ein Übernahmeangebot der Energie Steiermark einlangt, lässt vermuten, dass dies schon länger vorbereitet war.“ Ein Verkauf der städtischen Fernwärme komme für sie nicht infrage. Die Eigentumsverhältnisse bei der Energie Steiermark seien offen, zudem wolle man die Kontrolle über die Energieversorgung in öffentlicher Hand behalten. Zur OMV-Absage erklärte Kahr, die vorgeschlagenen Vertragsbedingungen hätten bedeutet, dass Graz zwar bloße Abnehmerin der Wärme gewesen wäre, aber die volle Haftung getragen hätte, ein Risiko, das sie nicht eingehen könne.