Augartenbrücke soll Alfred Stingl ehren, jetzt kommt ein Gegenvorschlag
Graz will die Augartenbrücke nach Altbürgermeister Alfred Stingl benennen. Die Koalition sieht darin eine Würdigung seines langjährigen Wirkens. Die FPÖ erhebt jedoch Einspruch und fordert stattdessen eine „Alexander-Götz-Brücke“.
Im September des heurigen Jahres einigte sich die Grazer Stadtkoalition darauf, die Augartenbrücke künftig nach Alfred Stingl zu benennen. Der Altbürgermeister war am 29. Mai 2025 verstorben. Die Entscheidung wurde in enger Abstimmung mit seiner Familie getroffen. Ziel ist es, eine Persönlichkeit zu würdigen, die Graz über Jahrzehnte geprägt hat.
Sein Herzensprojekt: Die Wiedererrichtung der Grazer Synagoge
Stingl war von 1985 bis 2003 Bürgermeister, der fünfte in der Zweiten Republik. Sein politisches Wirken ist eng mit zentralen Errungenschaften verknüpft: Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Förderung eines friedlichen Miteinanders, Modernisierung der Verkehrspolitik, der interreligiöse Dialog, der Schutz der Menschenrechte sowie die Aufnahme der Grazer Altstadt ins UNESCO-Weltkulturerbe. Auch das Kulturhauptstadtjahr 2003 trägt seine Handschrift. Ein besonderes Herzensprojekt war die Wiedererrichtung der Grazer Synagoge, die 1938 zerstört worden war. Sie liegt nur wenige Meter von der Augartenbrücke entfernt, ein symbolischer Standort, der von der Stadt bewusst gewählt wurde.
Politik würdigt Altbürgermeister
Für die Grazer Stadtverantwortlichen ist dies ein wichtiger Schritt zur Ehrung des ehemaligen Bürgermeisters, dessen langjähriges Wirken in der gesamten Landeshauptstadt sichtbar ist. Bürgermeisterin Elke Kahr sagt: „Alfred Stingl wurde durch seine Persönlichkeit und sein Wirken weit über Graz hinaus geschätzt. Sein Vorbild ist ein Auftrag für kommende Generationen.“ Vizebürgermeisterin Judith Schwentner betont: „Eine Brücke für den Brückenbauer: Alfred Stingl hat Graz geprägt wie kaum jemand sonst. Wir würdigen sein Vermächtnis an einem zentralen Ort unserer Stadt.“ SPÖ-Vorsitzende Doris Kampus ergänzt: „Altbürgermeister Alfred Stingl hat Menschen und Kulturen wie kaum ein anderer verbunden. Die Umbenennung ist ein starkes Symbol für sein Wirken, gerade in der Nähe der Synagoge.“
FPÖ fordert Umbenennung zu Ehren von Alexander Götz
Laut einem Bericht von MeinBezirk sieht die FPÖ die Entscheidung jedoch kritisch. Sie fordert, die Augartenbrücke nach Alexander Götz zu benennen, dem bislang einzigen FPÖ-Bürgermeister in Graz. Götz war von 1958 bis 1983 in der Stadtregierung tätig, davon die letzten zehn Jahre als Bürgermeister. Die FPÖ hebt seine Rolle bei der „politischen, infrastrukturellen und städtebaulichen Weiterentwicklung“ hervor und sieht sein Engagement als würdig für eine besondere Ehrung im öffentlichen Raum. FPÖ-Spitzenkandidat René Apfelknab erklärt: „Es ist legitim, Persönlichkeiten wie Alfred Stingl zu würdigen. Solche Ehrungen sollten aber ausgewogen und politisch unabhängig sein. Daher ist es nicht nachvollziehbar, dass Alexander Götz seit Jahren nicht berücksichtigt wird.“ Seine Forderung: „Wir fordern, die Augartenbrücke in Alexander-Götz-Brücke umzubenennen.“ Die FPÖ brachte diese Position bereits im Rahmen des Anhörungsrechts in den Bezirksräten Gries und Jakomini ein.