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Bild auf 5min.at zeigt mehrere Personen im Grazer Bezirk Lend.
Das beliebteste Straßenfest in Graz wird künftig Lendwirbel Strassenfest heißen.

Nach dem Alarmruf: Wie der Lendwirbel 2026 ein Comeback schafft

Nach dem dramatischen Weckruf „Der Lendwirbel stirbt“ gibt es nun Entwarnung: Das LENDWIRBEL STRASSENFEST 2026 findet statt. Im exklusiven Gespräch mit 5 Minuten erklärt das Kernteam, wie der Neustart gelingt.

von Leema Mohsenzada-Slaje Auf dem Foto auf www.5min.at sieht man Leema Mohsenzada-Slaje.
3 Minuten Lesezeit(663 Wörter)

„Der Lendwirbel ist tot, lang lebe der Lendwirbel.“ Nach den Alarmrufen des Organisationsteams im Oktober steht nun fest: Das LENDWIRBEL STRASSENFEST 2026 findet statt. Vom 7. bis 10. Mai kehrt eines der prägendsten Stadtfeste von Graz zurück, getragen von neuer Struktur, neuem Team und einem ungewöhnlich offenen Blick in die eigenen Mechanismen.

Weckruf und Neustrukturierung

Als Mitte Oktober Plakate mit der Botschaft „Der Lendwirbel stirbt“ im Viertel auftauchten, war der Schock im Grazer Westen groß. Das Viertelfest, das seit 2007 als Symbol gemeinschaftlicher Stadtgestaltung gilt, stand auf der Kippe. Die Erklärung des LENDWIRBEL-Kernteams war so knapp wie alarmierend: Zu wenige Menschen, zu viel Arbeit, zu hohe Anforderungen. Beim Netzwerktreffen am 18. November zeigte sich ein anderes Bild: volles Haus, neue Gesichter, vorsichtige Erleichterung. „Der Aufruf war drastisch, aber notwendig“, sagt das LENDWIRBEL-Kernteam rückblickend. „In der damaligen Konstellation wäre ein Fest im Jahr 2026 nicht möglich gewesen.“ Der Weckruf zeigte Wirkung. „Was dann passiert ist, hat uns ehrlich gesagt überwältigt. Viele neue Menschen sind auf uns zugekommen, haben ihre Hilfe angeboten, sind zu Netzwerktreffen gekommen und haben angefangen mitzugestalten“, so das Kernteam. So meldeten sich innerhalb weniger Wochen Dutzende neue Interessierte, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen, Strukturen zu hinterfragen und das Fest wieder auf sichere Beine zu bringen.

Vom Eventteam zur Plattform: Eine Struktur wird erneuert

Der Lendwirbel, bislang stark auf ein kleines Organisationsteam zugeschnitten, soll künftig breiter aufgestellt sein. Die Vereinsstruktur wurde überarbeitet, ein Schritt, der nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich weitreichende Folgen hat.  Aus einem klassisch funktionierenden Orga-Team wird ein mehrschichtiges Modell: Kernteam für Koordination und Vereinsebene, Members für kontinuierliche Mitarbeit ohne Leitungsverantwortung, Helping Hands für punktuelle Unterstützung. Die Neustrukturierung sei mehr als eine Reaktion auf den Engpass, betont das LENDWIRBEL-Kernteam: „Wir wollen Verantwortung auf mehr Schultern verteilen und Mitgestaltung einfacher machen. Der Lendwirbel soll nicht an Einzelpersonen hängen.“ Dass das Fest künftig offiziell LENDWIRBEL STRASSENFEST heißt, ist ebenfalls Teil dieser Neuausrichtung: Der Verein will als Plattform für nachbarschaftliche Stadtentwicklung ganzjährig sichtbar bleiben und nicht nur als vier Tage dauerndes Event.

Warum das Ehrenamt ins Stocken geraten ist

Der Lendwirbel kämpft mit denselben Herausforderungen wie viele zivilgesellschaftliche Projekte: weniger verfügbare Zeit, mehr Bürokratie und ein Ehrenamt, das mit beruflichen und familiären Realitäten konkurriert. „Genehmigungen, Sicherheit, Förderlogiken, das ist heute viel komplizierter als vor zehn Jahren“, heißt es aus dem Kernteam. Was früher improvisierbar war, muss heute dokumentiert, beantragt, beaufsichtigt werden. Der Weckruf im Oktober hat zudem ein Missverständnis beseitigt: Viele hielten den Lendwirbel für ein professionell finanziertes Großevent. Tatsächlich wird das Straßenfest ehrenamtlich und nicht kommerziell organisiert.

Was 2026 anders wird

Das LENDWIRBEL STRASSENFEST 2026 konzentriert sich wieder auf das Gebiet rund um den Mariahilferplatz. Die Ausweitung in den Fröbelpark, die 2025 für positive Resonanz sorgte, wird nicht fortgeführt, zumindest nicht im Rahmen des Straßenfestes. Stattdessen könnte der Park 2026 ein eigenes Format bekommen. Ein neues Herzstück ist bereits fix: ein partizipatives Musical, offen für alle, die mitmachen möchten, ob beim Bühnenbild, beim Gesang oder organisatorisch. Die Grazer Murinsel gilt als Favoritin unter den potenziellen Aufführungsorten. Noch fehlt es in manchen Bereichen, vor allem bei Finanzen und Förderwesen, an zusätzlicher Unterstützung. Doch der Grundpfeiler steht: „Das Straßenfest 2026 wird definitiv stattfinden.“

Der Lendwirbel bleibt das, was er immer war und wird zugleich neu erfunden

Was die Atmosphäre beim jüngsten Netzwerktreffen besonders prägte, war etwas, das schwerer wiegt als jede Strukturdebatte: das Gefühl, dass ein Viertel sein Fest nicht aufgeben will. Menschen aus Lend und Gries saßen zusammen, brachten Ideen ein, sprachen über Verantwortung und über die Bedeutung eines Festes, das längst mehr ist als vier Tage im Mai. „Beim Lendwirbel kann jeder mitmachen“, sagt das Kernteam. „Niemand wird ausgeschlossen, solange es den Grundprinzipien entspricht. Rassismus und Sexismus haben hier keinen Platz.“

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