70 Zentimeter: Vor 40 Jahren versank Graz im Schnee
Vor nun 40 Jahren verwandelte ein Jahrhundertschneefall Graz in eine weiße Ausnahmezone. Der Februar 1986 brachte Schneemassen, wie sie Graz kaum erlebt hat.
Es war der Februar 1986, als der Winter Graz mit voller Wucht traf. Innerhalb weniger Tage verwandelte sich die steirische Landeshauptstadt in eine weiße Landschaft. „Von 9. bis 12. Februar ist alles auf einmal heruntergekommen“, erinnert sich Alexander Podesser von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik an das außergewöhnliche Wetterereignis.
„Für eine Stadt eine Katastrophe“
Über 70 Zentimeter Neuschnee bedeckten Graz und brachten den Alltag zum Erliegen. „Für eine Stadt eine Katastrophe“, hält Podesser fest. Der öffentliche Verkehr kam vollständig zum Stillstand, Straßenbahnen und Busse konnten nicht mehr fahren. Schließlich musste sogar das Bundesheer im Katastropheneinsatz ausrücken, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Der Katastrophenbereitschaftsdienst war rund um die Uhr gefordert. Einsatzkräfte kämpften sich Tag und Nacht durch die Schneemassen, während Straßen, Plätze und Dächer unter der Last des Schnees verschwanden. Für viele Grazerinnen und Grazer wurde selbst der Weg vor die Haustür zur Herausforderung.
Welle der Hilfsbereitschaft und kreative Wege durch den Schnee
Bei aller Härte brachte der Jahrhundertwinter auch eine besondere Stimmung mit sich. Viele Zeitzeugen erinnern sich an eine Welle der Hilfsbereitschaft: Nachbarn halfen einander beim Schneeschaufeln, Fremde rückten zusammen und der Ausnahmezustand schuf ein ungewohntes Gemeinschaftsgefühl. Gleichzeitig wurden die Grazerinnen und Grazer erfinderisch. Wo Bus und Bim längst kapituliert hatten, suchte man neue Wege der Fortbewegung. Historische Aufnahmen zeigen Menschen auf Langlaufskiern, die ihre Spuren quer durch die Innenstadt zogen – vorbei an verschneiten Straßenkreuzungen und stillstehenden Straßenbahnen. Der Schnee legte die Stadt lahm, doch der Einfallsreichtum ihrer Bewohner blieb in Bewegung.