70 Zentimeter Schnee: So erlebten Grazer den Jahrhundertwinter
70 Zentimeter Schnee legten Graz im Februar 1986 lahm. Öffis standen still, das Bundesheer war im Einsatz und die Menschen halfen zusammen. Ob zu Fuß oder auf Skiern - so erinnern sich Grazer an den Jahrhundertschnee.
Der Jahrhundertschnee im Februar 1986 hat sich tief ins Gedächtnis der Grazer eingebrannt. Viele erinnern sich an eine Stadt, die mit jeder Stunde leiser wurde. „Man hat in der Stadt beim Fenster rausgeschaut und jede Stunde ist es mehr und mehr und noch mehr geworden. Und immer leiser. Wunderschön alles ganz weiß“, so ein Kommentar. Autos verschwanden unter dicken Schneeschichten, Straßenbahnen standen still, der Alltag war plötzlich angehalten.
Zu Fuß durch Graz und niemand war gestresst
Während Bus und Bim kapitulierten, fanden die Grazer andere Wege. Eine Leserin schreibt: „Ich war dabei, ich habe es genossen. Keine Autos, Straßenbahnen… alle zu Fuß und happy“. Der Schnee machte vieles unmöglich, schuf aber auch eine besondere Stimmung. Für manche wurde der Schnee zur echten Herausforderung. Besonders eindrücklich ist die Erinnerung eines Vaters: „Oh ja! Da kommen Erinnerungen hoch. Meine Freundin bekam am Sonntagabend die Wehen. Sie hatte eine Einweisung nach Graz ins Lkh. Es kam keine Rettung!“ Die Fahrt nach Graz wurde zum Abenteuer, Schneepflüge bahnten den Weg. „Es ist zum Glück alles gut ausgegangen“, schreibt er – und sein Sohn feiert heuer seinen 40. Geburtstag.
Jede Hand half – vom Hotel bis zur Mur
Auch in den Stadtteilen war Zusammenhalt gefragt. Eine Zeitzeugin aus Maria Trost erinnert sich an ihren Arbeitsalltag im Hotel: „Wir wollten im Hotel gemütlich frühstücken vor der Arbeit haben aber nicht gedacht dass der Bäcker den Weg nicht schafft“. Stattdessen half man gemeinsam, „die Schneemassen in die Mur zu kippen“. Zusammenhalt prägte den Alltag: „Da ist keiner rumgestanden und hat blöd geschaut“.
Bundesheer, Langlaufskier und Staunen
Der Ausnahmezustand brachte ungewöhnliche Bilder. Das Bundesheer war im Einsatz und manche Grazer waren sogar mit Langlaufskiern unterwegs. „Bundesheer war im Einsatz und ganz mutige mit Langlaufskier unterwegs“, schwelgt eine Leserin in Erinnerungen. Für viele blieb trotz aller Mühen ein Gefühl, das bis heute nachwirkt: „Es war wunderbar und großartig zugleich, ein Wunder von Mutter Natur“.