„Entscheidungswoche“: Grazer Modelabel kämpft ums Überleben
Das Grazer Modelabel ZERUM schlägt Alarm: Gegenüber 5 Minuten spricht Gründer Sigmund Benzinger über steigende Kosten und leere Innenstädte. Von 2. bis 7. März läuft die „Entscheidungswoche“ in Graz, Wien, Linz und Salzburg.
Seit 16 Jahren geht das Grazer Modelabel ZERUM seinen Weg – mit der Überzeugung, dass Mode fair und verantwortungsvoll entstehen soll. Was in Graz gewachsen ist, hat sich auch in Wien, Linz und Salzburg etabliert. Doch jetzt steht das Unternehmen an einem Punkt, „der entscheidend für unsere Zukunft ist“. Von 2. bis 7. März rufen die ZERUM-Stores in Graz, Wien, Linz und Salzburg die „Entscheidungswoche“ aus. Eine Woche, die zeigen soll, ob sich dieser Weg weiterhin wirtschaftlich trägt.
Wenn die Innenstadt leiser wird
„Die Situation hat sich seit 2022/23 deutlich verschärft“, erklärt Geschäftsführer Sigmund Benzinger gegenüber 5 Minuten. Die Frequenz in den Innenstädten ist „spürbar volatiler und insgesamt rückläufig“. Das betreffe nicht nur Graz, sondern alle Standorte. Der Druck durch Shoppingcenter und große Onlineshops sei massiv gestiegen. Und selbst das Wetter entscheide mit. „Bei schlechtem Wetter weichen viele Menschen in Shoppingcenter aus, dort ist es komfortabler, wettergeschützt und logistisch einfacher. Die Innenstädte wirken an solchen Tagen teilweise wie ausgestorben.“ Gleichzeitig sind Gewerbeimmobilien weiterhin hoch bewertet, während sich das Konsumverhalten deutlich verändert hat. Energie- und Personalkosten – „insbesondere durch Abgaben“ – sind stark gestiegen. Hinzu kommen Bürokratie und Fixbelastungen wie Tourismusabgaben, Kammerumlagen, ORF-Beitrag und Ausgleichstaxen. „In Summe ist das für kleine Unternehmen kaum noch verhältnismäßig“, so Benzinger.
Kredite drücken bis 2027
Besonders belastend sind laut Benzinger die bestehenden AWS-Kredite aus der Covid-Zeit. Diese müssten halbjährlich bedient werden und laufen noch bis Ende 2027. Während der Pandemie ist ZERUM durch einen formalen Vergleich der Geschäftsjahre knapp durch den Förderraster gefallen. Ende 2021 wurde ein fünfter Shop eröffnet, 2022 waren die Umsätze dadurch höher als mit vier Standorten. Das ht in der Praxis weniger Unterstützung bedeutet als bei vielen anderen Betrieben. Zudem sind Energie-, Produktions- und Personalkosten massiv gestiegen. Faire Produktion sind ohnehin kostenintensiver; Mehrkosten könnten nicht beliebig an Kunden weitergegeben werden. „Kleine Labels stehen hier besonders unter Druck, da sie keine Skaleneffekte großer Konzerne nutzen können“ so Benzinger gegenüber 5 Minuten.
Vielfalt braucht kleine Läden
Auch die Kundenströme hätten sich verändert – in Graz ebenso wie in Wien, Linz und Salzburg. Shoppingcenter an den Stadträndern profitieren, klassische Einkaufsstraßen verlieren an Attraktivität. Parkgebühren, kurze Parkzeiten oder komplizierte Verkehrssituationen beeinflussen das Einkaufsverhalten stark. „Innenstädte leben von Vielfalt – und diese wird vor allem durch kleine, unabhängige Geschäfte geschaffen. Wenn diese verschwinden, verliert die Stadt langfristig an Charakter“, erklärt Benzinger gegenüber 5 Minuten. Für ZERUM bedeutet das stärkere Schwankungen, weniger Planungssicherheit und höhere Abhängigkeit von einzelnen starken Phasen.
Transparenz statt starker Geldgeber
Warum geht das Label jetzt so offen an die Öffentlichkeit? „Weil wir es aus eigener Kraft schaffen wollen und dafür Transparenz wichtig ist“, so der ZERUM-Geschäftsführer. Es gibt keine Bank, die Produktionen zwischenfinanziere, und keinen Investor im Hintergrund. Die Finanzierung erfolgt aus dem laufenden Geschäft. „Deshalb halten wir es für fair, offen zu kommunizieren, wie wirtschaftliche Realität für ein unabhängiges Label aussieht.“ Im Zentrum steht die eigene ZERUM-Kollektion. „Sie ist wirtschaftlich und inhaltlich zentral für uns. Ohne sie wären wir ein reiner Handelsstore – und das würde unsere Identität als eigenständige Marke auflösen.“ Die Kollektion sichert nicht nur die wirtschaftliche Basis, sondern stehe für faire Produktion, kontrollierte Stückzahlen und langfristige Qualität.