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Foto auf 5min.at zeigt mehrere Personen in die Kamera lächeln.
Mehr als 150 Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft diskutierten in der Aula der Universität Graz über wissenschaftliche Freiheit und die Rolle von Neutralität in der Forschung.

Hochschulkonferenz in Graz: Wie neutral muss Wissenschaft sein?

Wie neutral muss Wissenschaft sein? Darüber diskutierten mehr als 150 Gäste bei der Steirischen Hochschulkonferenz in der Aula der Universität Graz. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Werte in der Forschung spielen.

von Julia Waldhauser Teamfoto von 5min.at: Julia Waldhauser ist für die Online-Redaktion Graz tätig.
3 Minuten Lesezeit(507 Wörter)

Wie viel Neutralität braucht Wissenschaft und wo beginnt Verantwortung? Genau darüber diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der steirischen Hochschulen am Mittwoch, dem 11. März, in der Aula der Universität Graz. Mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zum Empfang der Steirischen Hochschulkonferenz gekommen. Musikalisch begleitet wurde der Abend von einer Band des Universitätsorchesters.

Hochschulen als Motor für die Region

Zum Auftakt betonte der Rektor der Universität Graz, Peter Riedler, die Bedeutung der Zusammenarbeit der Hochschulen in Südösterreich. „Die Steiermark und Kärnten sind heute enger verbunden als je zuvor. Und in den aktuell herausfordernden Zeiten sind es die Hochschulen, die mit ihrer Lehre und Forschung die Innovationskraft der Region stärken und uns so resilienter gegenüber Krisen machen.“ Auch der steirische Landesrat für Wirtschaft, Arbeit, Finanzen sowie Wissenschaft und Forschung, Willibald Ehrenhöfer, unterstrich die Rolle der Forschung für die Entwicklung des Bundeslandes. „Unsere Hochschulen leisten einen zentralen Beitrag dazu, dass unser Bundesland in vielen Bereichen zu den innovativsten Regionen Europas zählt“, sagt er. Für die Zukunft brauche es daher „eine offene Gesellschaft und eine freie Wissenschaft, frei von Grenzen“.

60.000 Studierende an neun Hochschulen

Wie stark die Hochschulen in der Steiermark miteinander vernetzt sind, zeigte Andrea Seel, Rektorin der Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum. „Die fünf Universitäten, zwei Fachhochschulen und zwei Pädagogischen Hochschulen stehen für mehr als 60.000 Studierende in rund 500 Studien. 15.000 Beschäftigte finden an hier ihre berufliche Heimat.“ Diese Zusammenarbeit zeige sich in gemeinsamen Studien, Forschungsprojekten und Kooperationen. Auch Initiativen wie der Science Garden, die Kinderuniversität oder die Earth Talks sollen Wissenschaft für die Gesellschaft sichtbar machen.

Keynote: Kritik an falsch verstandener Neutralität

Im Zentrum des Abends stand die Keynote von David Beaver von der University of Texas in Austin. Er beschäftigte sich mit der Frage, wie wissenschaftliche Freiheit und Neutralität zusammenpassen. „Wenn wir über Neutralität sprechen, denken wir oft, dass es gewisse unumstößliche Fakten gibt. Dabei sind wir aber selbst nicht immer ganz objektiv und versuchen, über die Sprache Fakten als neutral darzustellen“, erklärte Beaver. Er warnte davor, Neutralität im gesellschaftlichen Diskurs automatisch als Gegenpol zu Extremismus zu sehen. „Der Friedens-Nobelpreisträger Eli Wiesel erinnert uns daran, dass Neutralität stets dem Unterdrücker hilft, nicht den Opfern. Schweigen ermutigt den Peiniger, niemals den Gequälten.“

Mut zu klaren Werten

Für Beaver steht daher fest: Wissenschaft müsse ihre Werte offen vertreten. „Ich glaube auch nicht, dass Universitäten sich in einem kritischen Diskurs mit dem Argument der wissenschaftlichen Neutralität verteidigen sollen. Man sollte den Mut haben, zu einem klaren Wertesystem zu stehen und das auch laut zu verkünden.“ Zum Abschluss griff FH-Joanneum-Rektorin Corinna Engelhardt-Nowitzki das Thema Sprache auf. „Sprache ist ein Werkzeug, das uns verbindet. Sie ist die Basis eines jeden Diskurses und hilft uns als Vertreter der Hochschulen bei drei wichtigen Punkten, die uns verbinden: Unsere Offenheit, die gesellschaftliche Relevanz sowie die Sichtbarmachung dessen, was unsere Institutionen auszeichnet.“

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