Skip to content
/ ©kk
Bild auf 5min.at zeigt eine Frau.
Steirerin erzählt im Gespräch mit 5 Minuten von ihrem Alltag mit Long Covid: "Man fühlt sich, wie immer noch krank zu sein.“

Steirerin kämpft mit Long Covid: „…wie nach mehreren durchzechten Nächten“

Seit ihrer Corona-Infektion im November 2021 kämpft die 50-jährige Astrid Moretti aus Kumberg mit den Folgen von Long Covid. Selbstständige Physiotherapeutin, Sportlerin und Trainerin, ihr Alltag ist seitdem massiv eingeschränkt.

von Elisa Auer Elisa Auer 5 Minuten Redaktion
3 Minuten Lesezeit(627 Wörter)

Astrid Moretti (50) aus Kumberg (Bezirk Graz-Umgebung) ist ganzheitliche Physiotherapeutin seit 30 Jahren, Geräteturnerin und Trainerin für Kinder seit über 35 Jahren. Sie war sportlich, aktiv und voller Energie – bis November 2021, als sie sich im Turnsaal mit Corona ansteckte. „Ich habe die Krankheit zuerst normal durchgemacht“, erzählt sie. Doch was folgte, ist für Long Covid-Betroffene nur zu vertraut: „Es fühlt sich so an, wie wenn man immer noch krank ist, obwohl man nicht krank ist.“ Die Symptome sind vielfältig und zermürbend: Nackensteife, Gelenkschmerzen, extreme Licht- und Geräuschempfindlichkeit und eine rasche Erschöpfung, die sie selbst im Gespräch mit 5 Minuten folgendermaßen beschreibt: „Man fühlt sich, wie wenn man ein paar Nächte durchgezecht hätte und gleichzeitig noch unter Alkoholfluss steht. Man ist einfach nicht da.“

Große Unterstützung durch Familie

Wochen und Monate nach der Infektion konnte sie kaum Treppen steigen und lebte ausschließlich ebenerdig. Erst nach einem halben Jahr war es möglich, wieder das Obergeschoss zu erreichen. Zunächst wurde Astrid mit der Krankheit medizinisch allein gelassen. Unterstützung fand sie bei ihrer Schwester, die selbst Ärztin ist, sowie über Selbsthilfegruppen und Online-Plattformen für Long Covid-Betroffene. Finanzielle Hilfe erhielt sie von ihren Eltern, ihrem Partner und ihrem Umfeld, dennoch brachte die Krankheit enorme Kosten mit sich. „Nach 14 Monaten habe ich erstmals mein Übergangsgeld von 800 Euro brutto bekommen“, sagt sie. Die Steirerin hat zwischenzeitlich wieder versucht, zu arbeiten. Nach aber nur einem Patienten ist sie bereits so ausgelaugt, „dass gar nichts mehr geht“.

„Für mich ist das Zuschauen reinste Psychotherapie“

Regelmäßige Tiefs wechselten sich mit kurzen Erholungsphasen ab: „Nach einem Jahr konnte ich hundert Meter in der Ebene gehen“, erzählt sie. Um wenigstens ein wenig Mobilität zu gewinnen, kaufte sie sich einen E-Scooter mit Sitz, um kurze Spaziergänge mit dem Hund zu machen. Diverse Therapien, von Reha über Akupunktur, Nahrungsergänzungsmittel bis zur Blutwäsche, brachten nur minimalen Erfolg. „Die Blutwäsche war das Einzige, das nachhaltig geholfen hat. Alles andere war eher Millimeterarbeit.“ Astrid versucht dennoch, ihr Leben so gut es geht zurückzugewinnen. Sie startete wieder das Geräteturnen mit Kindern, allerdings nur als Zuschauerin. „Für mich ist das Zuschauen reinste Psychotherapie“, so die Steirerin im Gespräch mit 5 Minuten. Zu sehen, wie die Kinder lachen, ist Balsam für ihre Seele.“

Kostspielige Behandlungen

Trotz der körperlichen Einschränkungen bleibt sie mental stark. Ihre Hoffnung ruht nun auf einer Behandlung namens Inuspherese, die pro Sitzung 2.600 Euro kostet. „Drei Behandlungen in der ersten Woche, insgesamt zehn, könnten die Antikörper im Blut ausspülen“, erklärt Astrid. Ein teures Unterfangen, das sie nur mithilfe von Spenden stemmen kann. Ihr Ziel: wieder mehr als 300 Meter gehen zu können, lesen, malen, unter Menschen sein, wandern, Schifahren, Klavierspielen – kurz: ihr altes Leben zurückgewinnen.

„Weniger ist mehr, langsamer ist schöner“

„Den Angehörigen und Freunden von Long-Covid-Betroffenen würde ich sagen: Glaubt den Leuten. Sie sollen sie nicht ermutigen, über ihre Grenzen zu gehen sondern sie motivieren, sich helfen zu lassen.“ Astrid Moretti kämpft Tag für Tag, Schritt für Schritt, auf der Suche nach ein wenig Normalität und der Hoffnung, dass die Krankheit irgendwann nicht mehr ihr Leben bestimmt. „Weniger ist mehr, langsamer ist schöner“, so ihre Leitsätze, mit denen sie sich zurzeit durch ihren Alltag kämpft. Immer wieder stellt sie sich selbst die Frage: „Was würde ich meinen Patienten sagen?“ Eben genau diese Ratschläge versucht sie selbst zu berücksichtigen. Dabei hilft ihr auch ihr Umfeld: „Ich bekommen viel mehr Unterstützung als die meisten“, so schätzt sich die Steirerin glücklich.

Spendenkonto

Du willst Astrid mit einer Spende helfen? Du kannst ihr über GoFundMe eine finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Du hast einen #Fehler gefunden? Jetzt melden.
Mehr Interessantes