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Auf dem Foto von www.5min.at sieht man Greta Ziegler von faaya collective.
Mit ihrem Startup faaya collective verfolgt Greta Ziegler eine klare Vision: Kunst soll nicht nur sichtbar sein, sondern auch ein faires Einkommen ermöglichen.

„Leidenschaft ersetzt keine Bezahlung“: Grazerin revolutioniert Szene

Junge Kunst ist sichtbar wie nie, aber oft kaum etwas wert. Genau das will Greta Ziegler ändern. „Zu oft wird erwartet, dass Leidenschaft Bezahlung ersetzt“, sagt sie und stellt mit faaya collective das System auf den Kopf.

von Leema Mohsenzada-Slaje Auf dem Foto auf www.5min.at sieht man Leema Mohsenzada-Slaje.
4 Minuten Lesezeit(982 Wörter)

Viele junge Künstler schaffen beeindruckende Werke, doch Sichtbarkeit und faire Bezahlung bleiben oft aus. Genau hier setzt ein Grazer Startup an, das die Branche neu denken will. „Zu oft wird in der Kunst erwartet, dass Leidenschaft Bezahlung ersetzt“, sagt die faaya collective-Gründerin Greta Ziegler im Exklusivinterview mit 5 Minuten und genau das soll sich ändern. Kunst ist heute überall: Auf Instagram, in Online-Shops, in digitalen Galerien. Und doch bleibt für viele junge Künstler eine zentrale Realität bestehen: Ihre Arbeit wird gesehen, aber selten bezahlt. Genau an diesem Punkt setzt die gebürtige Kärntnerin und Wahl-Grazerin Greta Ziegler an. Mit ihrem Startup faaya collective verfolgt sie eine klare Vision: Kunst soll nicht nur sichtbar sein, sondern auch ein faires Einkommen ermöglichen.

Auf dem Foto von www.5min.at sieht man Greta Ziegler von faaya collective.
©Kurt Remling
„Ich wollte eine Lösung schaffen, bei der Künstlerinnen sichtbar werden können, ohne selbst enorm viel Zeit und Ressourcen investieren zu müssen“, erklärt Ziegler.

Zieglers Werdegang und ihr Weg zu faaya collective

„Kreativität begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben,  ich war auf einem Gymnasium mit Kunst Schwerpunkt in Viktring und habe später Umweltsystemwissenschaften mit Fokus auf nachhaltige Unternehmen studiert. Danach war ich Projektleiterin für Startups im Green Tech Valley und habe eng mit jungen grünen Unternehmen gearbeitet, was mir einen sehr starken Zugang zu unternehmerischem Denken und nachhaltigen Strukturen gegeben hat. faaya ist für mich genau die Verbindung daraus: Kunst, Kreativität und der Anspruch, ein sinnvolles, nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen. Und ganz persönlich: Ich habe durch faaya auch selbst wieder zur Kunst gefunden und bin inzwischen auch wieder als Künstlerin Teil der Plattform“, erzählt Ziegler über ihren persönlichen Werdegang.

Auf dem Foto von www.5min.at sieht man Greta Ziegler von faaya collective.
©Kurt Remling
Ziegler: „Künstler werden über unsere Website und Social Media aktiv sichtbar gemacht und sind Teil einer kuratierten Plattform. Ihre Werke werden als hochwertige Fine-Art-Prints umgesetzt (Druck erfolgt direkt durch mich in Graz), und sie erhalten eine faire Beteiligung an jedem Verkauf.“

Eine Idee, die nicht mehr losließ

Die Wurzeln des Projekts reichen zurück ins Jahr 2020. Für Ziegler war es eine Phase der Orientierung und der entscheidenden Frage, was sie eigentlich tun möchte. „Ich habe mich gefragt, was mir wirklich Freude macht und was ich in meinem Leben machen will“, erzählt sie. Die Antwort kam schnell: etwas Kreatives, das gleichzeitig einen echten Mehrwert für andere schafft. Aus dieser Überlegung entstand die Idee zu faaya collective, einer Plattform, die junge Kunstschaffende sichtbar macht und ihnen gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnet. „Ich möchte Geschichten erzählen und die Menschen hinter den Werken zeigen“, sagt Ziegler.

Auf dem Foto von www.5min.at sieht man Greta Ziegler von faaya collective.
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Aus dieser Überlegung entstand die Idee zu faaya collective, einer Plattform, die junge Kunstschaffende sichtbar macht und ihnen gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnet.

Sichtbarkeit allein reicht nicht

Was sie dabei besonders beschäftigt hat: Viele talentierte Künstler kämpfen nicht an fehlender Kreativität, sondern an fehlenden Strukturen. „Es hat mich nicht losgelassen, dass es keine Plattform gibt, die Künstlerinnen niederschwellig sichtbar macht und gleichzeitig eine einfache Möglichkeit bietet, ein Einkommen zu generieren“, sagt sie. Denn genau hier liegt das Problem: Wer Kunst macht, muss oft gleichzeitig Marketingprofi, Verkäufer und Produzent sein und das neben Studium oder Ausbildung. faaya collective setzt genau hier an. Die Plattform übernimmt jene Aufgaben, die viele Kreative überfordern: Marketing, Social Media, Produktion, Versand und Vertrieb. Die Werke werden als hochwertige Fine-Art-Prints umgesetzt, gedruckt direkt in Graz. Die beteiligten Künstler erhalten eine faire Beteiligung an jedem Verkauf. „Ich wollte eine Lösung schaffen, bei der Künstlerinnen sichtbar werden können, ohne selbst enorm viel Zeit und Ressourcen investieren zu müssen“, erklärt Ziegler.

Wenn Kunst plötzlich Türen öffnet

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich bereits in ersten Erfolgen. Einige Künstler konnten über die Plattform nicht nur Prints verkaufen, sondern auch ihre Originale. „Kunden sind über faaya auf sie aufmerksam geworden und haben direkt Kontakt aufgenommen“, erzählt sie. Für viele sei das ein entscheidender Schritt, weg von der Unsichtbarkeit hin zu echten Chancen. Im Zentrum von faaya steht ein klares Verständnis von Fairness. Für Ziegler ist es ein grundlegendes Problem der Branche, dass kreative Arbeit oft nicht als echte Leistung anerkannt wird. „Zu oft wird in der Kunst erwartet, dass Leidenschaft Bezahlung ersetzt – und genau das halte ich für problematisch“, sagt sie. Fairness bedeute für sie mehr als nur eine Beteiligung am Verkauf: Es gehe um transparente Strukturen, respektvollen Umgang und langfristige Perspektiven.

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Qualität, Nachhaltigkeit und lokale Produktion spielen dabei eine zentrale Rolle.

Zwischen Anspruch und Realität

Der Weg dorthin war allerdings kein einfacher. Über mehrere Jahre hinweg arbeitete Ziegler an der Umsetzung, testete verschiedene Ansätze und entwickelte das Konzept weiter. Eine der größten Herausforderungen war es, den richtigen Weg zwischen wirtschaftlicher Realität und eigenen Werten zu finden. Qualität, Nachhaltigkeit und lokale Produktion spielen dabei eine zentrale Rolle. „Ein ganz wichtiger Punkt ist es, meiner Vision zu vertrauen und meinen eigenen Werten treu zu bleiben“, sagt sie.

Mehr als ein Onlineshop

faaya collective versteht sich bewusst nicht nur als Verkaufsplattform. Vielmehr geht es darum, Kunst in einen größeren Kontext zu stellen, mit Geschichten, Persönlichkeiten und Hintergründen. Die Künstler sollen nicht anonym bleiben, sondern als Menschen sichtbar werden. „Ich möchte junge Kunstschaffende in ihrer Sichtbarkeit stärken und ihnen gleichzeitig ein einfaches Nebeneinkommen ermöglichen“, beschreibt Ziegler ihren Anspruch.

Bewusster Wandel: Weniger Masse, mehr Bedeutung

Aktuell befindet sich das Startup in einer Phase der Weiterentwicklung. Der Fokus verschiebt sich weg vom schnellen Onlinehandel hin zu einem bewussteren, kuratierten Angebot. „Die Zukunft von faaya ist langsamer, kuratierter und hochwertiger“, sagt Ziegler. Geplant sind limitierte Prints, mehr Storytelling und der Aufbau einer echten Community. Die Entwicklung der Kunstwelt sieht sie dabei kritisch. Noch nie war Kunst so sichtbar, gleichzeitig drohe sie, ihren Wert zu verlieren. „Kunst ist heute schneller konsumierbar, aber oft weniger wertgeschätzt“, sagt sie. Die Herausforderung liege darin, genau diese beiden Aspekte wieder zusammenzuführen.

Ein persönliches Projekt mit größerer Vision

Für Greta Ziegler ist faaya collective mehr als ein Startup. Es ist ein Versuch, ein System zu verändern und gleichzeitig auch ein persönlicher Weg zurück zur eigenen Kreativität. Denn durch das Projekt hat sie selbst wieder begonnen, künstlerisch zu arbeiten und ist inzwischen Teil der Plattform. Was bleibt, ist eine klare Haltung: Kunst soll nicht nur gesehen werden, sondern auch etwas zurückgeben. Für die Menschen, die sie schaffen.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 07.04.2026 um 12:59 Uhr aktualisiert
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