Blindenpaar am Flughafen Graz abgewiesen: „Das ist Diskriminierung“
Nach einem langen Tag am Flughafen stehen zwei blinde Menschen vor dem Terminal, müde, angewiesen auf Hilfe, bereit für den Heimweg. Doch das Paar wird von sämtlichen Taxifahrern abgewiesen.
Ein Vorfall am 13. März um 22.15 Uhr am Flughafen Graz wirft derzeit ein Schlaglicht auf ein sensibles Thema: Ein blindes Ehepaar wurde von mehreren Taxifahrern nicht mitgenommen, trotz gesetzlich garantierter Rechte. Der Grund: Ihr Blindenführhund. Was folgt, ist nicht nur ein Einzelfall, sondern ein Beispiel für ein Problem, das Betroffene immer wieder erleben. Dabei war alles vorbereitet. Der Assistenzhund war zertifiziert, alle notwendigen Unterlagen vorhanden. Selbst eine Decke hatten die beiden mitgebracht, um den Transport so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Dennoch blieb jede Tür verschlossen. Kein einziges Taxi war bereit, das Paar mitzunehmen. Auch ein Anruf bei der Taxizentrale brachte keine Lösung. Dort wurde erklärt, dass ein Assistenzhund als „Tiertransport“ vorab angemeldet werden müsse, eine Aussage, die den gesetzlichen Bestimmungen widerspricht.
Situation eskaliert
Als der Vorfall zur Beweissicherung dokumentiert wurde, reagierte ein Fahrer zusätzlich mit aggressiven Beschimpfungen und haltlosen Datenschutzvorwürfen. Gegen ihn wurde von der Fachgruppe für die Beförderungsgewerbe mit PKW der Wirtschaftskammer Steiermark bei der Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung Anzeige eingebracht und die schwerwiegenden Verstöße gegen das Gelegenheitsverkehrsgesetz, die Steiermärkische Personenbeförderungs-Betriebsordnung und das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz gemeldet.
Klare Rechtslage und trotzdem passiert es
Die gesetzliche Situation ist eindeutig: „Dienstleistungen wie Taxifahrten müssen barrierefrei angeboten werden, ansonsten liegt eine Diskriminierung vor. Assistenzhunde müssen daher mit befördert werden“, betont Christine Steger, Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen. Dass es dennoch zu solchen Vorfällen kommt, sorgt für große Besorgnis. „Dieser Vorfall ist umso erschütternder, als zur Diskriminierung noch verbale Attacken hinzukamen“, sagt Elmar Fürst von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs.
Kein Einzelfall
Was besonders alarmierend ist: Der Vorfall steht offenbar nicht allein. Immer wieder berichten Betroffene von ähnlichen Erfahrungen, nicht nur im Zusammenhang mit Assistenzhunden, sondern auch bei anderen Formen von Behinderung. Die Organisationen sprechen daher von einem strukturellen Problem. Es fehle an Sensibilisierung, Ausbildung und konsequenter Kontrolle. Ein Schlichtungsverfahren wurde bereits eingeleitet. Gleichzeitig starten die beteiligten Organisationen eine Initiative, um auf solche Fälle aufmerksam zu machen und Veränderungen anzustoßen.
Zu den Forderungen zählen unter anderem:
- verpflichtende Schulungen für Taxifahrer
- konsequente Durchsetzung der Beförderungspflicht
- klare Sanktionen bei Verstößen