„Krötentaxi“ rettet tausende Amphibien vor dem Straßentod in der Steiermark
In Graz und Umgebung sind derzeit wieder tausende Amphibien unterwegs. Dank freiwilliger Helfer und dem „Krötentaxi“ konnten heuer bereits über 8.500 Tiere sicher über Straßen gebracht werden.
Wenn es wärmer wird und feuchte Nächte einsetzen, beginnt in der Steiermark ein besonderes Naturschauspiel. Kröten, Frösche und Molche machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Es ist eine Reise zurück zu jenem Ort, an dem sie selbst geschlüpft sind. Doch genau dieser Weg wird für viele zur tödlichen Falle.
Gefährlicher Weg
Neben natürlichen Feinden wie Krähen oder Füchsen lauern vor allem Straßen als große Gefahr. Besonders nachts sind die Tiere für Autofahrer kaum sichtbar. Kröten bewegen sich langsam und brauchen bis zu 15 Minuten, um eine zweispurige Straße zu überqueren. Viele schaffen es nicht rechtzeitig ans Ziel und sterben noch vor der Fortpflanzung.
Zäune und Kübel helfen
Um das zu verhindern, ist die Naturschutzjugend Steiermark seit über 27 Jahren im Einsatz. Entlang bekannter Wanderstrecken rund um Graz werden temporäre Schutzzäune aufgestellt. Diese halten die Amphibien von der Straße fern und leiten sie zu eingegrabenen Kübeln. Zweimal täglich werden diese kontrolliert. Die Tiere werden dann per „Krötentaxi“ sicher auf die andere Straßenseite gebracht.
Mehr als 8.500 Tiere gerettet
Die Methode zeigt Wirkung: Heuer konnten bereits über 8.500 Amphibien vor dem Straßentod bewahrt werden. Aufgrund der warmen Temperaturen sind aktuell noch einige Nachzügler unterwegs, während der Großteil die Fortpflanzung bereits abgeschlossen hat und sich auf dem Rückweg befindet.
Auch Landesrat hilft mit
Unterstützung kam heuer auch von Landesrat Hannes Amesbauer (FPÖ). Er packte selbst mit an und transportierte Amphibien über die Straße. Für ihn ist klar: „Naturschutz beginnt mit konkretem Handeln. Man muss sich nicht auf Straßen festkleben, sondern kann auch ganz ergebnisorientiert dazu beitragen, unsere heimische Biodiversität und Tierwelt zu schützen. Der Einsatz der Naturschutzjugend zeigt eindrucksvoll, wie viel mit Engagement und positivem Gestaltungswillen erreicht werden kann”.
Neue Gefahr im Blick
Parallel dazu läuft ein weiteres Projekt: „Amphibien quacken um Hilfe“. Dabei werden Wasserproben entnommen, um einen möglichen Befall mit dem gefährlichen Chytridpilz zu untersuchen. Dieser kann Amphibien töten und wurde im Vorjahr bereits vermutet. „Durch dieses Projekt möchten wir frühzeitig diese neue mögliche Gefahr für die Amphibien erfassen, bevor sie uns unvorbereitet überrascht”, erklärt Oliver Gebhardt von der Naturschutzjugend.