„Wie Ware gelagert“: 73 Hunde aus schlimmer Haltung gerettet
Vor acht Wochen übernahm die Arche Noah Graz 73 Hunde aus einer problematischen Haltung. Nun zeigt sich das ganze Ausmaß des Falls - medizinisch, organisatorisch und emotional.
„73 Hunde, darunter 14 Mamas und viele Welpen – das ist die Realität, die wir vor 8 Wochen übernommen haben.“ Mit diesen Worten beschreibt die Arche Noah Graz den Beginn eines außergewöhnlichen Tierschutzfalls. Was die Helfer vor Ort vorfanden, ging weit über gewöhnliche Missstände hinaus. „Auf dem gesamten Grundstück waren Zwinger verteilt, in jedem Stockwerk standen Boxen und Käfige, selbst der Dachboden wurde genutzt.“ Besonders erschütternd sei dabei die Art der Haltung gewesen: „Hunde wurden dort nicht als Lebewesen gehalten, sondern wie Ware gelagert – bereit für den Verkauf.“
Schwere gesundheitliche Folgen
Acht Wochen nach der Sicherstellung zeigt sich das volle Ausmaß der Situation. Alle Tiere wurden tierärztlich untersucht – mit alarmierenden Ergebnissen. „Fast jeder dieser Hunde muss operiert werden“, heißt es in dem Bericht. Eine spezialisierte Augenärztin habe jeden einzelnen Hund begutachtet, viele Eingriffe seien unausweichlich. Doch die Schäden sind nicht nur körperlich. „Die erwachsenen Hunde kennen nichts von einem normalen Hundeleben. Keine Grundkommandos, keine Spaziergänge, keine Struktur, keinen Alltag.“ Selbst grundlegende Dinge wie ein Name fehlen oft: „Viele reagieren nicht einmal auf ihren Namen – wobei ‚Name‘ oft zu viel gesagt ist.“
Aufwendige Rettung und neue Perspektiven
Erst Hinweise aus der Nachbarschaft und von Käufern führten dazu, dass die Behörden einschritten. Die Sicherstellung sei eine enorme Herausforderung gewesen: zahlreiche Transporte, hoher organisatorischer Aufwand und großer Stress für Mensch und Tier. Mittlerweile haben die Hunde erstmals Sicherheit erfahren. „Jetzt sind sie bei uns. Zum ersten Mal erleben sie so etwas wie Ruhe und Sicherheit.“ Ein wichtiger Schritt ist geschafft: Die Tiere dürfen inzwischen vermittelt werden und können, sobald sie bereit sind, in ein neues Zuhause ziehen.
Enorme Kosten und anhaltender Bedarf
Mit der Rettung endet die Arbeit jedoch nicht – im Gegenteil. Die Versorgung der Tiere verursacht immense Kosten. „Die Unterbringung und Versorgung über mehrere Monate hinweg hat bereits enorme Kosten verursacht – Kosten im hohen fünfstelligen Bereich.“ Ob diese Ausgaben ersetzt werden, ist noch unklar. Neben medizinischer Versorgung braucht es intensive Betreuung, Spezialfutter und tägliche Arbeit, um den Hunden ein normales Leben näherzubringen. „Gleichzeitig bedeutet die Versorgung von 72 Hunden eine anhaltende Herausforderung – organisatorisch, emotional und vor allem finanziell.“ Die Arche Noah Graz ist daher weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Jede Spende helfe, die Versorgung sicherzustellen und den Hunden eine neue Perspektive zu geben – ein Leben, das sie bislang nicht kannten.