ÖBB verlagern Jobs nach Villach: Elke Kahr kämpft für Graz-Standort
Die ÖBB wollen künftig auch den Grazer Hauptbahnhof aus Villach steuern. Dagegen regt sich nun Widerstand. BGM Elke Kahr fordert den Erhalt wichtiger Bahn-Arbeitsplätze und eine eigene Betriebsführungszentrale für Graz.
Der Streit um die Zukunft von Bahn-Arbeitsplätzen in der Steiermark nimmt an Fahrt auf. Nachdem die ÖBB bereits seit Jahren Fahrdienstleitungen aus mehreren steirischen Bahnhöfen nach Villach verlagern, könnte nun auch der Grazer Hauptbahnhof betroffen sein. Für die Stadt Graz ist das ein Schritt, den man nicht einfach hinnehmen will.
Graz droht Verlust weiterer Bahn-Arbeitsplätze
Bereits seit 2015 bündeln die ÖBB zahlreiche Steuerungs- und Leitungsaufgaben im Bahnbetrieb in ihrer Betriebsführungszentrale in Villach, so aus einem Bericht der Kleinen Zeitung. Seither werden immer mehr Bahnhöfe in der Steiermark aus Kärnten ferngesteuert. Damals wurden ca. 130 Arbeitsplätze in der Steiermark nach Villach verlagert. Nun soll im Herbst auch die Fahrdienstleitung am Grazer Hauptbahnhof nach Villach verlagert werden. Davon wären dutzende Arbeitsplätze betroffen. Diesmal betrifft die Verlagerung weitere 34 Arbeitsplätze.
Kahr fordert Betriebsführungszentrale in Graz
Graz Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) hat sich deshalb mit einem Schreiben an den ÖBB-Vorstand gewandt. Ihr Ziel: Graz soll künftig neben Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck und Villach ebenfalls Standort einer modernen Betriebsführungszentrale werden. Aus Sicht der Bürgermeisterin sprechen mehrere Gründe dafür. Mit der Koralmbahn, dem Semmering-Basistunnel und dem Cargo Center Graz werde die Steiermark künftig noch stärker zum zentralen Verkehrsknoten im Süden Österreichs. Zudem sei die Region Steiermark-Kärnten-Osttirol eine der größten und komplexesten Bahnregionen des Landes.
Sorge um den Bahnknoten Graz
Kritiker der Pläne befürchten, dass mit der Verlagerung nicht nur Arbeitsplätze verloren gehen, sondern auch wichtige betriebliche Kompetenzen aus der Steiermark verschwinden könnten. Die Stadt verweist dabei auch auf internationale Entwicklungen. In mehreren europäischen Ländern würden Steuerungsfunktionen zuletzt wieder stärker regional organisiert, um Flexibilität und Krisenfestigkeit zu erhöhen.
ÖBB sehen Modernisierung als notwendig
Die ÖBB weisen die Kritik jedoch zurück. Zwar würden Fahrdienstleitungen zunehmend zentral gesteuert, insgesamt gehe es aber um eine Modernisierung des Bahnbetriebs. Das österreichische Bahnnetz müsse heute deutlich mehr Verkehr bewältigen als noch vor wenigen Jahren. Deshalb brauche es moderne und österreichweit abgestimmte Betriebsstrukturen. Nach Angaben der ÖBB sollen in der Steiermark trotz der Verlagerungen keine Arbeitsplätze verloren gehen. Stattdessen würden neue Aufgabenbereiche geschaffen.
Regionale Präsenz soll erhalten bleiben
Laut ÖBB bleibe auch künftig bahnbetriebliche Kompetenz in Graz vorhanden. Geplant sei ein Regionalbahnzentrum, das weiterhin regionale Anforderungen berücksichtigen soll. Zusätzlich bleiben laut Unternehmen Einsatzleiter-Standorte unter anderem in Graz, Feldbach und Werndorf bestehen.