10. Juni bleibt für immer im Gedächtnis: Graz erinnert still an Opfer des Amoklaufs
Ein Jahr nach dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse gedenkt Graz der Opfer bewusst im kleinen Rahmen. Auf Wunsch der Angehörigen und Schüler wird es keine öffentliche Gedenkfeier geben.
Der 10. Juni 2025 hat sich tief in die Geschichte der Stadt Graz eingebrannt. An diesem Tag wurden am BORG Dreierschützengasse 10 Menschen aus dem Leben gerissen, 11 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Jahr später steht Graz erneut vor diesem Datum und entscheidet sich bewusst für ein stilles, geschütztes Gedenken. Eine große öffentliche Gedenkfeier wird es zum ersten Jahrestag nicht geben. Die Stadt Graz steht nach eigenen Angaben seit Monaten in engem Austausch mit den Angehörigen der Opfer. Auf deren Wunsch hin soll der Jahrestag nicht zu einem öffentlichen Ereignis werden.
Gedenken im Rathaus
Bereits am Vorabend des Jahrestags, am 9. Juni, findet im Grazer Rathaus eine nicht öffentliche Gedenkveranstaltung statt. Eingeladen sind Angehörige, Vertreter der Stadtregierung, Gemeinderatsmitglieder sowie Mitglieder der Landesregierung. Insgesamt werden rund 100 bis 150 Personen erwartet. Fotos sollen bei der Veranstaltung nicht gemacht werden. Auch das entspricht dem Wunsch der Angehörigen.
Schule gedenkt ohne Öffentlichkeit
Am 10. Juni selbst wird es auch am BORG Dreierschützengasse ein Gedenken geben. Dieses findet ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Schüler hatten ausdrücklich darum gebeten, diesen Moment ohne Kameras und ohne Medienandrang erleben zu können. Medien werden ersucht, keine Interviews vor der Schule zu führen und respektvollen Abstand zu wahren. Für die Schulgemeinschaft soll der Jahrestag ein Moment des Erinnerns sein, nicht ein weiterer Tag der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Blumen im Grazer Dom
Auch Vertreter der Landesregierung werden am Jahrestag ein Zeichen des Gedenkens setzen. Im Grazer Dom sollen Blumen niedergelegt werden. Damit wird an die Opfer erinnert, ohne die Trauer der Angehörigen und Betroffenen öffentlich in den Mittelpunkt zu drängen. Bereits zuvor hatte das Rote Kreuz Steiermark innegehalten. Fast Mitarbeiter, die am Tag der Tat und in den Tagen danach im Einsatz waren, wurden gewürdigt. Auch dort standen die Opfer, ihre Familien und der Zusammenhalt in schwersten Stunden im Mittelpunkt.
Ermittlungen abgeschlossen
Die Staatsanwaltschaft Graz hat die Ermittlungen zum Amoklauf mittlerweile abgeschlossen. Nach den Ergebnissen der Ermittler handelte der 21-jährige Täter allein. Hinweise auf Mitwisser wurden nicht gefunden. Als ein wesentliches Motiv wurde die intensive Beschäftigung des Täters mit früheren School Shootings genannt. Die Tat war nach Angaben der Ermittler detailliert geplant und vorbereitet worden. Der Mann hatte die verwendeten Waffen legal besessen.
Konsequenzen nach der Tat
Nach dem Amoklauf wurden auch politische und gesetzliche Konsequenzen gezogen. Unter anderem wurde das psychosoziale Unterstützungspersonal aufgestockt. Zudem wurde das Waffengesetz verschärft. Auch beim Datenaustausch zwischen Stellungskommission des Bundesheeres und Waffenbehörde gab es Änderungen. Künftig kann relevanter Informationsaustausch ermöglicht werden, wenn Zweifel an der Verlässlichkeit im Umgang mit Waffen bestehen.
Spendenkonto bleibt geöffnet
Die Stadt Graz hatte nach dem Amoklauf ein Spendenkonto eingerichtet. Mit den Geldern werden Betroffene unterstützt, etwa bei Kosten, die nicht durch bestehende Opferhilfen oder Versicherungen abgedeckt sind. Bisher sind laut Stadt Graz fast 300.000 Euro eingegangen. Das Konto steht weiterhin zur Verfügung.
Eine Stadt erinnert sich
Ein Jahr nach der Tat bleibt vieles unaussprechlich. Für die Öffentlichkeit ist der Amoklauf ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte. Für Angehörige, Verletzte, Mitschüler, Lehrkräfte und Einsatzkräfte ist er Teil ihres Lebens geworden. Graz gedenkt daher nicht laut, sondern leise. Nicht mit großen Bildern, sondern mit Rücksicht. Nicht im Scheinwerferlicht, sondern dort, wo Trauer Raum braucht: im geschützten Kreis der Menschen, die den Verlust jeden Tag spüren.