NEOS-Spitzenkandidat Pointner: „Keine Koalition mit FPÖ oder KPÖ“
Von möglichen Koalitionen über die Stadiondebatte bis hin zu Kinderbetreuung, Deutschförderung und Öffi-Preisen: NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner stellte sich im Interview den Fragen der Leserinnen und Leser von 5 Minuten.
Am 28. Juni 2026 wird in Graz gewählt. Im exklusiven Interview mit 5 Minuten spricht NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner über seine Prioritäten für Graz und erklärt, wo die pinke Partei klare rote Linien zieht.
Klare Absage an Koalitionen mit KPÖ und FPÖ
Auf die Frage nach möglichen Koalitionspartnern nach der Wahl bezieht Pointner deutlich Stellung. Die NEOS würden sich zwar „als Kontrollkraft und Ideentreiber im Gemeinderat“ sehen und seien bereit, insbesondere im Bildungsbereich Verantwortung zu übernehmen. Eine Zusammenarbeit mit KPÖ oder FPÖ schließt er jedoch aus. „Eine Koalition mit Kommunisten oder FPÖ, die sich in ihrer Haltung zu Putin und der Ablehnung Europas treffen, werden wir nicht eingehen“, sagt Pointner. Gleichzeitig betont er die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei Sachthemen: „Für konkrete und sinnvolle Projekte und Lösungen im Sinne der Grazerinnen und Grazer stehen wir immer zur Verfügung.“
Pascuttini auf Listenplatz drei: „Zeugt von Haltung und Mut“
Kritische Fragen gab es auch zur Kandidatur von Alexis Pascuttini auf Listenplatz drei. Der ehemalige FPÖ- und KFG-Politiker und frühere Burschenschafter sei laut Kritikern schwer mit den Werten der NEOS vereinbar. Pointner verteidigt die Entscheidung entschieden. Er habe Pascuttini „als konstruktiven Politiker in den letzten Jahren im Gemeinderat kennengelernt“ und „nie irgendwelche rechten Rülpser von ihm gehört“. Besonders hebt er dessen Rolle bei der Aufdeckung von Missständen hervor: „Er ist damals zur FPÖ gegangen, weil er genug von Korruption und Postenschacher von Rotschwarz hatte – und hat sich dann von der FPÖ abgewandt, als er merkte, dass diese um nichts besser ist. Sich gegen die eigene Partei und deren interne Vorgänge zu wehren und diese öffentlich zu machen, zeugt von Haltung und Mut.“
Mehr Hundewiesen, freie Fahrt für Hunde
Beim Thema Hundefreundlichkeit fordert Pointner mehr Angebote für Vierbeiner. Konkret wünschen sich die NEOS zusätzliche Hundewiesen und Hundezonen, inklusive Badebereichen und Agility-Geräten. Eine eigene Hunde-Jahreskarte für die Öffis lehnt er hingegen ab. „Sinnvoller wäre eine freie Fahrt für Hunde, noch wichtiger aber eine freie Fahrt für Kinder“, erklärt der Spitzenkandidat.
Kritik an hohen Öffi-Preisen
Auch die Ticketpreise im öffentlichen Verkehr sind für die NEOS ein großes Thema. „Es kann nicht sein, dass man in Graz mehr für ein Öffi-Ticket zahlt als zum Beispiel in Wien“, kritisiert Pointner. Als mögliche Lösung wird ein System genannt, bei dem Fahrgäste nur für tatsächlich gefahrene Strecken bezahlen. Zudem brauche es endlich ein übersichtliches Tarifsystem gemeinsam mit dem Grazer Umland. Als Beispiel nennt Pointner den Flughafen Graz: „Es ist absurd, dass der Flughafen Graz nicht in der Kernzone 101 ist.“
Gegen Sozialkürzungen mit „Ideologiebrille“
Deutliche Kritik übt Pointner an den Einsparungen der Landesregierung im Sozialbereich. „Die unreflektierten und ideologisch motivierten Streichungen der Landesregierung lehnen wir ab“, sagt er. Gleichzeitig sieht er auch auf Stadtebene Reformbedarf. Die NEOS fordern einen Förderstopp für neue Projekte und eine umfassende Überprüfung bestehender Förderungen. Unterstützung soll dort ankommen, „wo sie benötigt wird und wo sie den Grazerinnen und Grazern etwas bringt“.
Stadion ja, aber nicht auf Kosten von Schulen
In der emotional geführten Stadiondebatte schlagen die NEOS einen anderen Weg vor. Grundsätzlich hätten sich Sturm und GAK „ein neues Stadion verdient“, meint Pointner. Die finanzielle Lage der Stadt lasse ein solches Projekt derzeit aber nicht zu. „Wenn die Stadtregierung aus Geldmangel Schulausbauten streicht, können wir nicht 60 Millionen oder mehr in ein Fußballstadion stecken. Da müssen wir Prioritäten setzen.“ Stattdessen spricht sich Pointner für ein Nationalstadion in Graz aus, das mit Bundesmitteln finanziert werden soll.
Drei Baustellen mit höchster Priorität
Für die kommende Gemeinderatsperiode nennt der NEOS-Spitzenkandidat drei zentrale Herausforderungen.
Die drei Baustellen laut NEOS
- Kinderbetreuung ausbauen: „Solange Kinder auf Wartelisten stehen oder von vornherein eine Absage bekommen, erfüllt die Stadt ihre Hausaufgaben nicht“, sagt Pointner. Die NEOS fordern deshalb eine Fixplatzgarantie für jedes Kind ab dem zweiten Lebensjahr.
- Deutschförderung stärken: Mit ihrer „Mission Deutsch“ wollen die NEOS verpflichtende Sprachförderung in Bildungseinrichtungen etablieren. Pointner verweist darauf, dass rund 2.000 Grazer Kinder dem Unterricht aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht ausreichend folgen könnten. „Sprache ist der Schlüssel zu Integration und einem selbstbestimmten Leben.“
- Schulden abbauen: Auch die finanzielle Situation der Stadt sieht Pointner kritisch. Der „Schuldenberg von über zwei Milliarden Euro“ müsse reduziert werden. Einsparungen ortet er vor allem in Verwaltung, Bürokratie und durch verstärkte Digitalisierung.
Rückblick auf das „Bim-Gate“
Zum Abschluss wurde Pointner auf das viel diskutierte „Bim-Gate“ angesprochen. Rückblickend räumt er ein, damals emotional reagiert zu haben. „Ich bin selbst Mariatroster und wie viele andere vom mangelhaften Baustellenmanagement betroffen und habe in dem Moment einfach emotional reagiert“, erklärt er. Die Belastungen für die Bevölkerung seien jedoch real: „Täglicher Ärger, lange Wege und Zeitverlust sind Realität für die Menschen in meinem Bezirk.“ Für ihn bleibe das Thema weiterhin auf der politischen Agenda: „Ich bleibe dran – für alle, die täglich auf einen funktionierenden Öffi-Anschluss angewiesen sind.“