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/ ©Martin Papst
Bild auf 5min.at zeigt zwei Männer stehend nebeneinander.
Harry Stampfer (links) und Martin Papst (rechts) bilden das Kernteam der „Volles Programm“-Drogenfilme aus Graz.

„Kenne viele von früher“: Grazer dreht Film über Drogenszene

Ausgestattet mit einer Handkamera und einer klaren Vision dreht Martin Papst derzeit quer durch die Stadt. Der 40-jährige Grazer arbeitet an einem Filmprojekt über die Drogenszene.

von Jasmin El-Ashi-Pöstinger
3 Minuten Lesezeit(650 Wörter)
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Die Filme, die derzeit in Graz entstehen, sind nah dran. Parks, Hauptplatz, private Wohnungen oder die Klinik St. Radegund werden dabei zu Schauplätzen. „Die Idee einen eigenen Film zur Drogen-Thematik in Graz zu drehen hatte ich schon lange“, sagt Martin Papst. „Ich möchte die persönlichen Geschichten der Menschen beleuchten, ihren Alltag zeigen und auch Aufklärung betreiben.“

Vom Set zur eigenen Geschichte

Papst kennt die Film-Branche aus nächster Nähe. Er hat an der Kunstuniversität Graz Schauspiel studiert und war schon in mehrere österreichischen Produktionen wie zum Beispiel „Heile Welt“ oder „Irgendwas mit Liebe“ zu sehen. 2025 führte ihn ein Projekt auf die Berlinale. „Dieser Besuch hat mir den Anstoß gegeben, meine eigene Film-Vision umzusetzen“, erzählt er.

Zwei Filme, ein Thema

Aus einer ursprünglichen Idee wurden schließlich zwei eigenständige Projekte. „Zu Beginn war ein Dokumentarfilm mit Spielfilm-Elementen geplant“, sagt Papst. „Vor einigen Monaten habe ich mich entschieden, das in zwei Filme aufzuteilen.“ Entstanden sind „Volles Programm – What you never wanted to know about drugs“ und „Volles Programm – Die Interview Doku“. „Der Titel ist eine Anlehnung an das Substitutionsprogramm, wo mehr oder weniger jeder Süchtige irgendwann landet. Und das mittlerweile ziemlich überfüllt ist.“

„Kenne viele von früher“

Dass Menschen vor der Kamera so offen sprechen, hat viel mit Papsts persönlichem Zugang zu tun. „Ich kenne viele aus der Szene von früher“, sagt er. „Graz ist nicht so groß, vor allem wenn man links sozialisiert ist, kennt jeder irgendwie jeden.“ Dieses gewachsene Vertrauen öffnet Türen. Gleichzeitig zieht er eine klare Linie. „Ich selbst nehme keine Drogen und trinke auch keinen Alkohol.“

Zwischen Realität und Erzählung

Die Dokumentation setzt auf echte Stimmen. „Ich interviewe Menschen, die von ihrem Alltag erzählen“, erklärt Papst. „Aber auch Fachpersonal wie Dr. Ulf Zeder, den Suchtkoordinator der Stadt Graz.“ Der Spielfilm geht einen anderen Weg. „Er ist fiktiv erzählt, basiert aber auf Gegebenheiten, die in den letzten 20 Jahren in Graz wirklich passiert sind.“ Außerdem enthalte er auch fantastische Elemente verrät der Filmemacher ohne dabei zuviel zu spoilern. Die Perspektiven aus beiden Werken ergänzen einander und beschäftigen sich auch mit den legalen Drogen der Gesellschaft.

„Wir haben ein super Team“

Gedreht wird mit minimalen Mitteln, aber viel Einsatz und so professionell wie möglich. „Wir sind etwa fünf Leute im Kernteam“, sagt Papst. Gemeinsam mit Tonmann Harry Stampfer stemmt er den Großteil der Produktion. Rund 20 Darstellerinnen und Darsteller sind beteiligt. „Die Organisation im Hintergrund ist manchmal schwierig, weil alle ohne Bezahlung mitmachen.“ Trotzdem ist die Stimmung besonders. „Das Filmdrehen macht Spaß, es ist immer eine super Stimmung im Team. Das sind lauter liebe Leute.“

Unterstützung von überall

Das Projekt lebt von Engagement und Unterstützung. „Sämtliches Equipment wurde aus Eigenmitteln finanziert“, so Papst. Gleichzeitig erhielt er Hilfe von außen. „Ich freue mich sehr über die Sponsoren, allen voran die katholische Kirche, mehrere kleine Grazer Unternehmen und die erfolgreiche Crowdfunding-Aktion.“ Auch im öffentlichen Raum erlebt er viel Zuspruch. „Passanten reagieren durchwegs positiv, wenn wir mit der Kamera auftauchen.“

Auf der Leinwand

Hinter dem Projekt steht mehr als filmisches Interesse. „Ich verstehe, warum Menschen Berührungsängste haben. Man hat immer Angst vor dem, was man nicht kennt“, sagt Papst. Gleichzeitig weiß er: „Es gibt immer einen tieferen Grund, warum Menschen süchtig wurden.“ Die Arbeit am Film selbst hilft ihm dabei, darin gezeigte Schicksale zu verdauen. „Ich möchte etwas hinterlassen und kann dadurch auch eigene Geschichten verarbeiten, etwa Todesfälle von Freunden.“ Die Dokumentation ist fast abgedreht, der Spielfilm zu rund 60 Prozent. In den kommenden Monaten folgt die Postproduktion. „In etwa einem Jahr möchte ich fertig sein.“ Sein Ziel ist klar: „Der große Traum ist, die Filme auf der Leinwand zu sehen und bei Festivals dabei zu sein.“

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